, als plötzlich vor mir schreckliche Bösewichter mit geschwärzten Gesichtern und dräuenden Waffen stehn : ich wende mich um , Hülfe rufend , und auch von dort treten mir scheußliche , unbekannte Figuren entgegen . Nirgend Rettung , Hülfe ; das Wort stockt mir im Munde , der Atem versagt , die Brust klopft zum Zerspringen ; ganz ohnmächtig und doch klar alles sehend , rücken die Verruchten und der Mord mir näher und näher . - Seht , indem ich davon spreche , bin ich halb wahnsinnig vor Entsetzen . - Hinweg du abscheuliches Bildnis ! - Und könnt Ihr leugnen , daß nicht dergleichen schon hie und da vorgefallen ist ? Wir alle haben von solchen Überfällen gelesen ! Und kann dergleichen sich nicht wiederholen ? « » O Kind « , rief Cesare , » Ihr ängstigt mich über die Maßen . Beruhigt Euch , entfernt diese niederträchtigen Vorstellungen aus Eurem Gemüt , verbannt sie völlig , zerstreut Euch und entwurzelt diesen Unsinn , der in Euren Geist so scheint es , schon tief hineingewachsen ist . Denn Eure Darstellung erweckt zu meinem Grausen auch mir eine alte Grille in meinem Innern . Ich kann mich nämlich durchaus nicht von dem Aberglauben losmachen , daß dergleichen , wenn man es sich immer und immer wiederholt am Ende eben dadurch , wie durch unbewußte Magie zur Wirklichkeit hinauswächst . Die Phantasie ist auf die Weise der Boden , in welchem später dieses giftige Unkraut als wahrhaftiges hervorsprießt . Um Gottes willen , laßt diese fatalen Spiele der Imagination bleiben . « Die Mutter schauderte . » Sollte denn « , sagte sie nach einer Pause , » unsre Seele diese ungeheure Kraft besitzen , durch die Vermittlung der Imagination so was zu erzeugen ? Oder ist es nur die Fähigkeit , das Unvermeidliche der Zukunft vorauszusehn , die sich in dergleichen Furcht und gespenstige Vision umbildet ? Was ist doch überhaupt mein Ich ? Warum sagen wir immer so leicht hin : mein Geist , meine Seele , als wenn noch ein andrer Regent höher über diesen Regierenden in uns stände ? « » Ja wohl « , sagte Caporale , » kommt man mit dem Denken über diese Geheimnisse niemals zu Ende . Wir erkennen uns nur in den Funktionen unserer Kräfte , in unserer Tätigkeit : so wendet sich unser Bewußtsein und unsre Denkkraft immerdar von uns ab , und sieht sich nur entstaltet und unkenntlich in einem trüben , schlecht geschliffenen Spiegel , der unser Wesen verzerrt . Ist nun unser Geist , oder unsre Seele schon einmal dagewesen ? Ist er ein gesunkener Geist , der in bestimmten Perioden seiner Verwandlung in einen frühern seligen Zustand durch Tat , Reue , Buße , hiesiges Leben zurückkehrt ? Ist er ein Funke aus Gott , bei der Geburt neu entflammt herabgesendet ? « » Ihr seid ein arger Ketzer « , sagte die Mutter . » Ich frage nur zweifelnd an « , antwortete der Dichter , » was unsre Seele sei , so wie Schrift und Kirche , soweit ich sie kenne , auch nichts Bestimmtes darüber aussagen . Es bleibt immer nur übrig : Ich bin ich . « » Kinderei ! « rief lachend Vittoria : » wer es wissen will , was die Seele ist , der komme nur zu mir , denn ich weiß es ganz genau . « » Du ? « sagte die Mutter , indem sie groß aufsah . » Ich möchte mich « , sagte der Poet , » zu Euren Füßen niederwerfen , und so , demütig im Staube , von der hohen Sybille das heilige Orakel empfangen . « » Vernehmt ! « rief die Tochter - » die Seele ist ihrem wahren Wesen nach , eine kleine graue Maus . « » Virginia ! « rief die Mutter zürnend , » schämst du dich nicht , so albern zu sein ? Oder soll diese Kinderei Witz und schalkhafte Laune bedeuten ? « » Auch in Bernis Gedichten « , sagte Caporale , » die doch so manches Unbegreifliche erzählen , erinnere ich mich nicht , diesen oder auch nur einen ähnlichen Ausspruch gefunden zu haben . « » Es soll aber auch gar nicht Spaß bedeuten « , erwiderte die Jungfrau , » sondern es ist mein vollkommener Ernst . Die Kenntnis der Sache ist mir auch schon vor mehreren Jahren geworden , wo sie mir in einem allerliebsten Buche vorkam , dessen Titel ich leider nachher in meinem Leichtsinn vergessen habe . Es ist nämlich eine Geschichte , der ich meinen Glauben verdanke , und diese will ich euch jetzt erzählen : Vor alten , uralten Zeiten gab es einen Herzog von Burgund , der irgendwo in von hier weit , weit abgelegenen Gegenden sein Land , seine Herrschaften , und hochgelegenen Schlösser hatte . Irre ich nicht ganz , so lebte und regierte er in einem Teile von Deutschland , nicht fern vom Rheinstrom . Nun war dieser Herr oft von seinen Feinden bedrängt , doch war er immer siegreich aus allen Kämpfen nach seinem Schlosse zurückgekehrt . Es war schon damals eine Erfindung und ein Unglück aufgekommen , welche uns auch in den neuesten Zeiten oft quälen . Der Herr hatte nämlich Schulden ; der Krieg hatte für Vasallen und Söldner seinen Schatz gänzlich ausgeleert . Sooft er in seine Schatzkammer ging , sah er nur die leeren Wände , und wenn er Truhen und Schränke aufschloß und hineinschaute , so blickte ihm immer wieder ein trostloses Nichts entgegen . Um sich zu zerstreuen , ritt er mit einem vertrauten Knappen in einen schönen dichten Wald hinein . Es lief schon seit Jahrhunderten im Volk ein Märchen um , daß irgendwo , aber kein Mensch konnte den Ort bestimmen , ein unendlicher Schatz von Gold , Perlen und Juwelen aus Bosheit sei versteckt und verzaubert worden , so daß keine Wünschelrute , kein Beschwörer und Hexenmeister diese Fülle unermeßlicher Kostbarkeiten