werdet eben so wenig vergessen , was Ihr Euch schuldig seid , als es mir nicht entfiel , was mir zusteht . - Seid jedoch sicher , « setzte sie mit bebender Stimme hinzu , » ich werde es ewig dankbar bewahren , was ich Euch in dieser Stunde schuldig ward , mögen Eure übrigen Handlungen so bleiben , daß ich Euch dieses Gefühl ohne Beimischung erhalten kann . « » O , Elmerice , « rief hier der Fremde mit dem tiefsten Ausdrucke zärtlichen Schmerzes - » seid Ihr wirklich so hart , als Eure Worte ? In das dürre Gebiet der Dankbarkeit verweist Ihr jedes Gefühl für mich , und auch dies stellt Ihr noch unter Bedingungen , die den Zweck haben , von mir das Einzige zu fordern , wogegen sich mein Herz mit allen seinen Kräften auflehnt ! Denkt Ihr , es gäbe eine Gewalt , gegen die ausreichend , die aus einem wahrhaft liebenden Herzen dringt ? O , Elmerice , wie wenig müßt Ihr die Gefühle kennen , von denen mein Herz durchdrungen ist , eine Rettung , eine Auskunft in der Trennung zu hoffen ! Sie ist es , die uns lehrt , welchen Werth das übrige Leben behält , wenn uns das geraubt wird , wodurch wir erst zur Fähigkeit gelangten , es zu lieben . « » Haltet ein ; « rief Miß Eton , mit neuem Versuche , den Rückweg anzutreten - » vergeßt Euch nicht selbst ! - vergeßt nicht , was Ihr mir schuldig seid , und wie wenig diese Sprache für uns gehört , ja , wie beleidigend ich sie finden müßte , wüßte ich nicht , daß Ihr dies nicht beabsichtigt . Aber laßt meine einfache dringende Bitte etwas gelten und schont meine Ruhe , indem Ihr zurückkehrt und Euch an den Gedanken zu gewöhnen sucht , daß ich Euch nur eine entfernt bleibende Freundin sein kann ! Ich bitte Euch , « unterbrach sie ihn zitternd , als er ihr antworten wollte - » haltet mich jetzt nicht länger auf - wir dürfen den Unglücklichen nicht vergessen , der dort unserer Hülfe benöthigt ist - ich selbst , « fuhr sie fort , » bedarf der Ruhe , und meine Kleidung , die mit seinem Blute gefärbt ist , erfüllt mich mit Schauder . « Dies entschied bei dem Fremden , der augenblicklich zurück trat ; und Miß Eton eilte nun einige Schritte auf dem Fußpfade vor , der sie , an einem kleinen Vorsprunge vorüber , auf eine gesicherte Stelle führte . » Lebt denn wohl ! « sagte hinter ihr eine zitternde Stimme - Miß Eton blickte schüchtern um und gewahrte , wie der Fremde ihr noch einige Schritte gefolgt , jetzt an einen Baum gelehnt , ihr nachblickte - sein Angesicht war todtenblaß , und der linke Arm hing wunderbar schlaff an ihm nieder . - Einen Augenblick schien das Fräulein den schmerzlichsten Kampf zu kämpfen , dann eilte sie , zurückgrüßend , so schnell es ihre Kräfte zuließen , den Weg nach Ardoise zurück . Am Eingange des Waldes stieß sie auf die Leute der Gräfin d ' Aubaine , welche diese , über ihr langes Ausbleiben höchlichst beunruhigt , ihr entgegen geschickt hatte . Der Anblick des Fräuleins , ihre in Blut getränkten Kleider , ihr blasses , erschöpftes Ansehn , erfüllte Alle mit Schrecken . In wenigen Worten erläuterte sie Ihnen das Vorgefallene , und jede Hülfe von sich ablehnend , bat sie vor Allem , zu dem Unglücklichen zu eilen , den sie nur mit dem tiefsten Entsetzen sterbend zu denken vermochte . Sie selbst eilte , sich so unbemerkt , als möglich , nach dem Schlosse zu schleichen , um durch ihren Anblick die gütige Freundin nicht zu erschrecken . Umgekleidet eilte sie alsdann zur Gräfin d ' Aubaine , durch ihren Anblick die Mittheilungen zu mildern , die so viel Erschreckendes hatten . » Aber , mein theures Kind , « fuhr die Gräfin fort , nachdem sie an ihre Freude über die glückliche Rettung ihres Lieblings manchen zärtlichen Vorwurf über die dreisten Wanderungen angeknüpft - » wären wir doch nur so glücklich , den Fremden wieder zu finden , der uns einen so unschätzbaren Dienst leistete ! Du kanntest ihn also nicht ? « fuhr sie fort , als das Fräulein schwieg - » aber vielleicht gehört er doch zu meinen Nachbarn , und wir können ihn ausforschen und unsere Dankbarkeit ihm bezeigen . « » Ich glaube nicht « - sagte das Fräulein rasch und unruhig - » es war gewiß ein Fremder - ja , ich erinnere mich genau , daß es ein Fremder war - er wird abgereist sein - wir werden ihn nicht auffinden . « » Sagte er Dir dies ? « fragte die Gräfin , das Gespannte und Aengstliche in diesen Worten fühlend . » Ich glaube , ja ! « - seufzte Miß Eton , » aber ich weiß es nicht genau zu sagen . « » Ich aber , « sagte die Gräfin und erhob sich lächelnd - » weiß sehr genau , daß mein liebes Kind mich sogleich verlassen wird , und ihren Gehorsam mir zeigen , indem es sich niederlegt und so viel Schrecknisse durch Ruhe auszugleichen sucht . « Miß Eton zeigte sehr gern den verlangten Gehorsam , und eilte , die Ruhe ihres Lagers zu suchen , wenn wir uns auch nicht dafür verbürgen wollen , daß sie dieselbe , nach so vielen Erschütterungen ihrer Seele , fand . - Die Gräfin d ' Aubaine empfing Miß Eton am andern Morgen , als die Frühstücksstunde die beiden Damen wieder zusammenführte , mit der Nachricht , daß sie gestern Briefe von ihrer Nichte , der Marquise d ' Anville , aus Paris empfangen habe , welche deren Besuch ihr angemeldet , und äußerte ihre Freude , diese liebenswürdige Nichte mit Miß Eton bekannt machen zu können , da sie über das Wohlgefallen Beider an