als möglich , um die Leute nach meinen Ansichten zu leiten und zu erziehen , und sie » für die Welt zu gewinnen « . Es hatte sich nämlich unter einem großen Teil meiner Kommilitonen ein gewisser frömmelnder Ton eingeschlichen , der mir nun gar nicht behagte und nach meiner Meinung sich auch nicht für junge Leute schickte . Wenn ich an die jungen Herrn in London und Paris , in Berlin , Wien , Frankfurt etc. dachte , an die vergnügten Stunden , die ich in ihrem Kreise zubrachte , wenn ich diese Leute dagegenhielt , die ich ihren schönen hohen Wuchs , ihre kräftigen Arme , ihren gesunden Verstand , ihre nicht geringen Kenntnisse nur auf dem Turnplatz , nicht im Tanzsaal , nur zu überschwenglichen Ideen und Idealen , nicht zu lebhaftem Witz , zu feinem Spott , der das Leben würzt und aufregt , anwenden sah , wenn ich sie , statt schönen Mädchen nachzufliegen , in die Kirche schleichen sah , um einen ihrer orthodoxen Professoren anzuhören , so konnte ich ein widriges Gefühl in mir nicht unterdrücken . Sobald ich daher festen Fuß gefaßt hatte , zog ich einige lustige Brüder an mich , lehrte sie neue Kartenspiele , sang ihnen ergötzliche Lieder vor , wußte sie durch Witz und dergleichen so zu unterhalten , daß sich bald mehrere anschlossen . Jetzt machte ich kühnere Angriffe . Ich stellte mich sonntags mit meinen Gesellen vor die Kirchtüre , musterte mit geübtem Auge die vorübergehenden Damen , zog dann , wenn die Schäflein innen waren , und der Küster den Stall zumachte , mit den Meinigen in ein Wirtshaus der Kirche gegenüber , und bot alles auf , die Gäste besser zu unterhalten , als der Dr. N. oder der Professor N. in der Kirche seine Zuhörer . Ehe drei Wochen vergingen , hatte ich die größere Partie auf meiner Seite . Die Frömmeren schrieen von Anfang über den rohen Geist , der einreiße ; gaben zu bemerken , daß wir christliche Bursche seien ; aber es half nichts , meine Persiflagen hatten so gute Wirkung getan , daß sie sich am Ende selbst schämten , in der Kirche gesehen zu werden , und es gehörte zum guten Ton , jeden Sonntag vor der Kirchtür zu sein , aber bis hieher und nicht weiter . Die Wirtshäuser waren gefüllter als je , es wurde viel getrunken , ja es riß die Sitte ein , Wettkämpfe im Trinken zu halten und , man wird es kaum glauben , es gab sogar eigentliche Kunsttrinker ! Es predigte zwar mancher gegen das einreißende Verderben , aber die Altdeutschen trösteten sich damit , daß ihre » Altvordern « auch durch Trinken exzelliert haben ; die Frömmsten ließen sich große Humpen verfertigen und zwangen und mühten sich so lange , bis sie wie Götz von Berlichingen , oder gar wie Hermann der Cherusker schlucken konnten . Den Feineren , Gebildeteren war es natürlich vom Anfang auch ein Greuel , ich verwies sie aber auf eine Stelle bei Jean Paul . Er sagt nämlich in seinem unübertrefflichen » Quintus Fixlein « : » Jerusalem bemerkt schön , daß die Barbarei , die oft hart hinter dem schönsten , buntesten Flor der Wissenschaften aufsteigt , eine Art von stärkendem Schlammbad sei , um die Überfeinerung abzuwenden , mit der jener Flor bedrohe ; ich glaube , daß einer , der erwägt , wie weit die Wissenschaften bei einem Studierenden steigen , dem Musensohne ein gewisses barbarisches Mittelalter - das sogenannte Burschenleben - gönnen werde , das ihn wieder so stählt , daß die Verfeinerung nicht über die Grenze geht . « Wenn ein Meister , wie Jean Paul , dem ich hiemit für diese Stelle meinen herzlichen Dank öffentlich sage , also sich ausspricht , was konnten die Kleinmeister und Jünger dagegen ? Sie setzten sich auch in die schwarzgerauchte Kneipe , » verschlammten « sich recht tüchtig in dem » barbarischen Mittelalter « , und hatten kraft ihres inwohnenden Genies meine älteren Zöglinge bald überholt . Siebentes Kapitel Satan besucht die Kollegien , was er darin lernte Indessen ich auf die beschriebene Weise praktisch lebte und leben machte , vergaß ich auch das » dic cur hic « nicht , und legte mich mit Ernst aufs Theoretische . Ich hörte die Philosophen und Theologen , und hospitierte nicht unfleißig bei den Juristen und Medizinern . Ich hatte , um zuerst über die Philosophen zu reden , von einem der hellsten Lichter jener Universität , wenn in der Ferne von ihm die Rede war , oft sagen hören , der Kerl hat den Teufel im Leib . Eine solche geheimnisvolle Tiefe , wollte man behaupten , solche überschwengliche Gedanken , solche Gedrungenheit des Stils , eine so hinreißende Beredsamkeit sei noch nicht gefunden worden in Israel . Ich habe ihn gehört und verwahre mich feierlich vor jenem Urteil , als ob ich in ihm gesessen wäre . Ich habe schon viel ausgestanden in der Welt , ich bin sogar Ev . Matthäi am VIII. 31 u. 32 in die Säue gefahren , aber in einen solchen Philosophen ? - Nein , da wollte ich mich doch bedankt haben . Was der gute Mann in seinem schläfrigen unangenehmen Ton vorbrachte , war für seine Zuhörer so gut als Französisch für einen Eskimo . Man mußte alles gehörig ins Deutsche übersetzen , ehe man darüber ins klare kam , daß er ebensowenig fliegen könne , wie ein anderer Mensch auch . Er aber machte sich groß , weil er aus seinen Schlüssen sich eine himmelhohe Jakobsleiter gezimmert und solche mit mystischem Firnis angepinselt hatte ; auf dieser kletterte er nun zum blauen Äther hinan , versprach aus seiner Sonnenhöhe herabzurufen , was er geschaut habe , er stieg und stieg , bis er den Kopf durch die Wolken stieß , blickte hinein in das reine Blau des Himmels , das sich auf dem grünen Grasboden noch viel hübscher ausnimmt , als oben , und