laut gepriesen und leise bekrittelt , bis ganz zuletzt Aurelia in wahrhaft himmlischer Glorie als Raphaels Jardiniere erschien . Die Kinder standen so anmuthig da , sie selbst war in dieser Stellung mit gesenktem Auge so hinreißend schön , daß sogar der Neid verstummen mußte . Ein einziger Athemzug der Bewunderung säuselte durch die Stille des glänzenden Kreises und löste sich erst spät in lauten Beifall auf . Gabrielens für Freude glänzendes Auge traf auf Ottokarn , Dieser starrte vorgebeugt , wie in Bewunderung verloren , noch immer den Vorhang an , welcher schon lange die holde Erscheinung verhüllt hatte . Als sich Ottokar endlich wandte , traf sein Blick auf Gabrielen , er lächelte ihr in theilnehmendem Entzücken wie einer Bekannten zu , und dieser kleine Zufall durchströmte sie mit Empfindungen , die sie zu verstehen weit entfernt war . Die Gesellschaft vertheilte sich wieder in den Nebenzimmern , um dort die Damen des Hauses nebst den übrigen bei den Tableaus beschäftigt gewesenen Personen zu erwarten und nochmals mit Bewunderung und Dank zu überschütten . Gabriele blieb mit ihrem Begleiter beinah allein in dem dämmernden Saal , und er benutzte diese Pause , um sich ihr als einen Maler zu erkennen zu geben , dessen bedeutender Name im neuern Gebiet der Kunst ihr schon rühmlichst bekannt war . Signor Ernesto hatte man ihn der Landessitte gemäß in Italien genannt , wo jeder Zuname dem Taufnamen weichen muß , und diese Benennung blieb ihm auch in der Gesellschaft , seitdem er vor kurzem nach einem , viele Jahre langen Aufenthalt in Rom , wieder in sein deutsches Vaterland zurückkehrte . » Ich war gestern bei Ihrer Ankunft zugegen , mein theures Fräulein , « sprach Ernesto weiter zu Gabrielen , » ich erkannte in Ihnen beim ersten Blick das Ebenbild Ihrer Mutter ; so wie Sie jetzt vor mir stehen , so sah ich sie einst in Rom , jugendlich blühend , mit glänzendem Auge vor den hohen Wundern der unsterblichen Kunst . Mir ward das seltene Glück , ihr Begleiter auf ihren Wanderungen durch die Königin der Städte , ihr erster Lehrer in der bildenden Kunst zu seyn ; ich werde auch Ihr Lehrer , Gabriele , ich habe mich schon gestern bei der Gräfin dazu erboten , sobald ich den Zweck Ihres hiesigen Aufenthaltes vernahm . Schlagen Sie es mir nicht ab , Sie brauchen einen väterlichen Freund zu Schutz und Rath , der will ich Ihnen werden , und ich kann es nur , wenn der Unterricht im Zeichnen mir Gelegenheit verschafft , Sie täglich ohne äußre Störung zu sehen . Mir ist bei Ihrem Anblick , « fuhr er fort , weil Gabriele schweigend ihm zuhörte , » mir ist , als hätte ich in Ihnen eine geliebte Tochter gefunden , als wäre der schöne Frühling meines Lebens zurückgekehrt , als stünde Auguste und mit ihr Roms alte Herrlichkeit wieder vor meinem frischen jugendlichen Sinn . Und darum will ich auch väterlich um Sie sorgen , Sie leiten auf dem unbekannten , gefährlichen Pfade in der Ihnen so fremden Welt , wenn Sie mich nicht zurückweisen . « Ernesto hätte noch lange fortsprechen können , ohne daß er von ihr unterbrochen worden wäre , sie vermochte sogar kaum , ihm zu antworten , aber ihr beredtes Auge sagte ihm alles , was in ihrem tiefbewegten Gemüthe vorging . Nicht mehr allein und verlassen , hatte sie jetzt einen Freund ihrer Mutter zur Seite , der auch ihr wie ein Bekannter aus früheren Tagen erschien . Mit Entzücken fühlte sie dieß , und alles , was sie umgab , zeigte sich ihr in einem neuen , schönern Licht , die Tante , Aurelia , die ganze Gesellschaft , zu der sie jetzt , von Ernesto begleitet , wie ein fröhliches Kind an der Hand seines Vaters zurückkehrte . Die Gräfin und Aurelia standen mitten in einem dichten Kreise von Bewunderern , die sie mit den ausschweifendsten Lobsprüchen überströmten . Nur mühsam gelang es Gabrielen , bis zu ihnen sich durchzuwinden , und ihr Staunen beim Anblick der rosig blühenden , Freude strahlenden Tante war fast noch größer als gestern . Die Gräfin benutzte die Gelegenheit , ihre Nichte vielen der eben anwesenden Damen vorzustellen , eine Ceremonie , welche noch vor einer Stunde Gabrielen sehr verlegen gemacht hätte , über die sie aber jetzt , durch Ernestos Gegenwart ermuthigt , mit großer Fassung und leidlichem Anstande hinauskam . Die Reihe traf endlich auch die Dame , welche vorhin , während der Abwesenheit der Gräfin , die Stelle derselben beim Empfange der Gesellschaft vertreten hatte , und deren Aehnlichkeit mit ihrer Mutter Gabrielen jetzt , da sie sie in der Nähe sah , mit einer unendlichen Wehmuth erfüllte . Die Gräfin Rosenberg nannte sie Frau von Willnangen , eine nahe Verwandte ihres verstorbenen Gemahls . Gabriele erstarrte beinah , als sie diesen Namen hier hörte , den ihre Mutter ihr nur in Stunden des engsten Vertrauens als den Namen ihres verlornen Jugendfreundes genannt hatte . Aengstlich suchte sie wieder , in Ernestos Nähe zu gelangen , um von ihm zu erfragen , in welchem Verhältniß diese Frau mit Ferdinand von Willnangen gestanden haben mochte , den er gewiß auch gekannt hatte , aber ein Chor von Damen hielt ihn umlagert und machte es ihr unmöglich . Ein Konzert begann jetzt , die letzte Stunde vor der Abendtafel auszufüllen , nach welcher ein Ball die Freuden des Tages beschließen sollte . Die rauschende Symphonie hatte vorhin Gabrielen auf mächtigen Wogen in eine andere Welt versetzt ; jetzt versenkte ein Quartett , von Meistern meisterhaft durchgeführt , sie ganz in sich selbst , die Töne verstummten endlich , aber sie hallten noch in ihrem Innern wieder , und sie saß da , ihnen lauschend , als sie plötzlich von neuem sich erhoben und eine einzige Stimme , voller , reiner als alle , sie übertönte . Gabriele blickte auf und sah Ottokar neben Aurelien am Pianoforte stehen . Beide sangen