waren und bald Hochzeit machen wollten , kamen zu Elsbeth und sprachen : » Du bist nun seit Jahr und Tag eine Frau , und bist so hübsch wie eine Jungfrau . Und alle Männer bewundern dich , und alle Weiber müßen dich beneiden . O Elsbeth , sage uns an , wie du das machest ? Denn siehe , du weißt es , sobald bei uns eine Tochter einen Mann hat , wird sie häßlich und wüst , und die Liebe hört auf . So ist es nicht bei dir . « Die junge Schulmeisterin antwortete und sprach : » Ich will es euch sagen . Die Weiber haben allein die Schuld . So lange sie Jungfrauen sind , und den jungen Burschen gefallen wollen , schmücken sie sich , und alles Geld , was sie haben und verdienen , stecken sie in neuen Putz . Da sind sie sauber und glatt , daß ihre Stirn glänzt an der Sonne , und ihr Haar ist wie gemalt . Haben sie endlich einen Mann , da denken sie nicht mehr daran , gefallen zu wollen . Da gehen sie des Morgens lange umher mit Stroh und Bettfedern im ungekämmten Haar ; vergessen , sich jedesmal zu waschen , wenn sie unrein werden , und denken , wenn sie recht wüst kommen , das stehe einer Frau gut , und man sehe ihr an , daß sie viel handthiere . Dann muß gespart werden ; der Mann braucht Geld , und man kann es nicht mehr , wie als Tochter , in allerlei Putzkram stecken . Das Gewand wird alt und beschmiert und schadhaft ; das Ausbessern kostet viel Geld , und Selbermachen hat keine gelernt . So gewöhnt man sich an Lumperei und Sudelei , und die Frau wird vom Unflath entstellt und wüst , weil sie nichts mehr auf sich hält . Und sie wird endlich dem Manne selbst gleichgültig oder zum Ekel , und dann kommt der Unfriede ins Haus , sobald die Frau mit Löchern in den Strümpfen geht . « Die Mädchen sprachen : » Elsbeth , du hast wohl Recht . « Die junge Schulmeisterin sagte : » Als ich den Oswald nahm , dachte ich sogleich darauf , wie ich ihm beständig gefallen könne , denn ich hatte ihn gar lieb . Und ich nahm mir vor , noch mehr auf mich selber zu halten , als zuvor , und nie vor seinen Augen zu erscheinen , als gewaschen und zierlich , allzeit mit unbeflecktem Gewand . Darum nahm ich sorgfältig meine Kleider in Acht ; darum mußt ' es in meinem Stall und in Küche und Keller so sauber sein , als in einer Stube . Der geringste Fleck in meinem Anzuge mußte sogleich ausgemacht werden . So blieben meine Kleider wie neu , und ich selber blieb darin meinem Manne alle Tage neu . « Die Mädchen sprachen : » Aber Elsbeth , die Zeit zerreißt endlich das sauberste Gewand ; woher ein neues Kleid anschaffen , wenn der Mann kein Geld gibt ? « Elsbeth antwortete : » Ich gebrauche weniger Geld zu Kleidern , als Andere . Denn ich bessere mit wenigen Nadelstichen das kleinste Loch aus , damit es nicht größer werde . So kostet es nichts als Faden und Zwirn . Andere aber tragen ihr Zeug , bis es alt ist , und lassen daran , was schadhaft ist ; dann wird aus einem kleinen Loch ein großes , und in kurzer Zeit wird alles zu Fetzen , und man muß neues Gewand kaufen , während ich immerfort mein altes trage und damit viel Geld erspare . Hausfrauen , die nicht flicken und nähen können , verschwenden großes Geld und gehen doch wie aus dem Koth gezogen . « Als Elsbeth solche Worte redete , wurden die Beiden Mädchen roth , und fingen an zu weinen und sprachen : » Wir haben nicht so sauber nähen und flicken gelernt , wie du . Das wird uns viel Schaden im Hause bringen , und wir sehen viel Leiden voraus , und wir können es nicht ändern . « Und die Mädchen gingen traurig weg . Darauf erzählte Elsbeth ihrem Manne das Gespräch mit den Freundinnen und sagte , sie wolle beide nähen und flicken lehren , denn es erbarme sie , wenn die beiden Mädchen sollten unglücklich werden . Oswald drückte seine gute Frau an sein Herz und sprach : » Damit wirst du dir einen Segen Gottes verdienen und selber ein Segen dieses Hauses werden . Nicht nur die beiden Mädchen lehre , sondern Alle , die von dir lernen wollen . Viele Haushaltungen im Dorfe werden arm und elend bei aller Arbeit und Mühe , weil die Weiber nicht die rechte Haushaltungskunst verstehen . Sie verstehen nicht , ihre Gärten mit allerlei gesundem Gemüse zu bepflanzen , damit sie Abwechslung bei den Speisen haben . Wollen sie einmal gut kochen , thun sie viel Speck und Fett und Schmalz und Oel an , und kostet viel , und wird doch nichts Rechtes , sondern ein ungesundes Essen . Die schlechte Nahrung setzt schlechtes Blut ab und böse Säfte . Davon kommen Krankheiten , die kosten viel Geld , und mit dem Arbeiten geht es bei kränklichen Leuten schlecht . - Eben so ist ' s mit den Kleidern . In den Dörfern sind wohl Näherinnen , aber weil sie mit dem Nähen ihr Geld verdienen , hüten sie sich wohl , Andere anzuweisen . Die nun nicht flicken und nähen können , gehen mit Löchern in Aermeln und Strümpfen , oder so grob geflickt , daß das Geflickte ärger dasteht , als das Zerrissene . Immer muß bald wieder Neues angeschafft werden , das kostet viel Geld und macht arm . Es ist wohl himmelschreiend , daß nicht in jedem Dorfe wenigstens eine brave , verständige Frau ist , eine Pfarrerin oder Haushälterin des Pfarrers , eine Amtmannsfrau oder eine Müllerin , oder Eine , die das