ihn in den Strom hinunter . Er beschrieb im Fluge einen hellschimmernden Bogen und tauchte sogleich in den tiefsten Abgrund hinab . Darauf kehrte sie wieder in den Garten zurück , aus dem die Töne wollüstig nach ihr zu langen schienen . Am andern Tage saß Ida allein im Garten und sah in den Fluß hinunter . Es war gerade um die Mittagszeit . Alle Gäste waren fortgezogen , die ganze Gegend lag still und schwül . Einzelne seltsam gestaltete Wolken zogen langsam über den dunkelblauen Himmel ; manchmal flog ein plötzlicher Wind über die Gegend , und dann war es , als ob die alten Felsen und die alten Bäume sich über den Fluß unten neigten und miteinander über sie besprächen . Ein Schauder überlief Ida . Da sah sie auf einmal einen schönen , hohen Ritter , der auf einem schneeweißen Rosse die Straße hergeritten kam . Seine Rüstung und sein Helm waren wasserblau , eine wasserblaue Binde flatterte in der Luft , seine Sporen waren von Kristall . Er grüßte sie freundlich , stieg ab und kam zu ihr . Ida schrie laut auf vor Schreck , denn sie erblickte den alten wundertätigen Ring , den sie gestern in den Fluß geworfen hatte , an seinem Finger , und dachte sogleich daran , was ihr ihr Vater auf dem Totenbette prophezeit hatte . Der schöne Ritter zog sogleich eine dreifache Schnur von Perlen hervor und hing sie dem Fräulein um den Hals , dabei küßte er sie auf den Mund , nannte sie seine Braut und versprach , sie heute abend heimzuholen . Ida konnte nichts antworten , denn es kam ihr vor , als läge sie in einem tiefen Schlafe , und doch vernahm sie den Ritter , der in gar lieblichen Worten zu ihr sprach , ganz deutlich , und hörte dazwischen auch den Strom , wie über ihr , immerfort verworren dreinrauschen . Darauf sah sie den Ritter sich wieder auf seinen Schimmel schwingen und so schnell in den Wald zurücksprengen , daß der Wind hinter ihm dreinpfiff . Als es gegen Abend kam , stand sie in ihrem Schlosse am Fenster und schaute in das Gebirge hinaus , das schon die graue Dämmerung zu überziehen anfing . Sie sann hin und her , wer der schöne Ritter sein möge , aber sie konnte nichts herausbringen . Eine nie gefühlte Unruhe und Ängstlichkeit überfiel dabei ihre Seele , die immer mehr zunahm , je dunkler draußen die Gegend wurde . Sie nahm die Zither , um sich zu zerstreuen . Es fiel ihr ein altes Lied ein , das sie als Kind oft ihren Vater in der Nacht , wenn sie manchmal erwachte , hatte singen hören . Sie fing an zu singen : Obschon ist hin der Sonnenschein Und wir im Finstern müssen sein , So können wir doch singen Von Gottes Güt und seiner Macht , Weil uns kann hindern keine Nacht , Sein Lobe zu vollbringen . Die Tränen brachen ihr hierbei aus den Augen , und sie mußte die Zither weglegen , so weh war ihr zumute . Endlich , da es draußen schon ganz finster geworden , hörte sie auf einmal ein großes Getös von Rosseshufen und fremden Stimmen . Der Schloßhof füllte sich mit Windlichtern , bei deren Schein sie ein wildes Gewimmel von Wagen , Pferden , Rittern und Frauen erblickte . Die Hochzeitsgäste verbreiteten sich bald in der ganzen Burg , und sie erkannte alle ihre alten Bekannten , die auch letzthinauf dem Bankett bei ihr gewesen waren . Der schöne Bräutigam , wieder ganz in wasserblaue Seide gekleidet , trat zu ihr und erheiterte gar bald ihr Herz durch seine anmutigen und süßen Reden , Musikanten spielten lustig , Edelknaben schenkten Wein herum , und alles tanzte und schmauste in freudenreichem Schalle . Während des Festes trat Ida mit ihrem Bräutigam ans offene Fenster . Die Gegend war unten weit und breit still , wie ein Grab , nur der Fluß rauschte aus dem finstern Grunde herauf . Was sind das für schwarze Vögel , fragte Ida , die da in langen Scharen so langsam über den Himmel ziehn ? - Sie ziehen die ganze Nacht fort , sagte der Bräutigam , sie bedeuten deine Hochzeit . - Was sind das für fremde Leute , fragte Ida wieder , die dort unten am Flusse auf den Steinen sitzen und sich nicht rühren ? - Das sind meine Diener , sagte der Bräutigam , die auf uns warten . - Unterdes fingen schon lichte Streifen an , sich am Himmel aufzurichten , und aus den Tälern hörte man von ferne Hähne krähen . Es wird so kühl , sagte Ida und schloß das Fenster . In meinem Hause ist es noch viel kühler , erwiderte der Bräutigam , und Ida schauderte unwillkürlich zusammen . Darauf faßte er sie beim Arme und führte sie mitten unter den lustigen Schwarm zum Tanze . Der Morgen rückte indes immer näher , die Kerzen im Saale flackerten nur noch matt und löschten zum Teil gar aus . Während Ida mit ihrem Bräutigam herumwalzte , bemerkte sie mit Grausen , daß er immer blässer ward , je lichter es wurde . Draußen vor den Fenstern sah sie lange Männer mit seltsamen Gesichtern ankommen , die in den Saal hereinschauten . Auch die Gesichter der übrigen Gäste und Bekannten veränderten sich nach und nach , und sie sahen alle aus wie Leichen . Mein Gott , mit wem habe ich so lange Zeit gelebt ? rief sie aus . Sie konnte vor Ermattung nicht mehr fort und wollte sich loswinden , aber der Bräutigam hielt sie fest um den Leib und tanzte immerfort , bis sie atemlos auf die Erde hinstürzte . Frühmorgens , als die Sonne fröhlich über das Gebirge schien , sah man den Schloßgarten auf dem Berge verwüstet , im Schlosse war kein Mensch zu finden , und alle Fenster standen weit offen . Die Reisenden , die bei