die Andächtelei der Fürstin benutzt und sie gegen mich und mein Rednertalent aufgewiegelt habe . Kaum konnte ich ihn mehr anschauen , ohne vor innerlicher Wut zu erheben , ja es kamen mir oft Gedanken , ihn zu verderben , in den Sinn , vor denen ich selbst erschrak . Um so unerträglicher waren mir die Vorwürfe der Äbtissin und des Priors , als ich in der tiefsten Tiefe meiner Seele wohl die Wahrheit derselben fühlte ; aber immer fester und fester beharrend in meinem Tun , mich stärkend durch Tropfen Weins aus der geheimnisvollen Flasche , fuhr ich fort , meine Predigten mit allen Künsten der Rhetorik auszuschmücken und mein Mienenspiel , meine Gestikulationen sorgfältig zu studieren , und so gewann ich des Beifalls , der Bewunderung immer mehr und mehr . Das Morgenlicht brach in farbichten Strahlen durch die bunten Fenster der Klosterkirche ; einsam und in tiefe Gedanken versunken , saß ich im Beichtstuhl ; nur die Tritte des dienenden Laienbruders , der die Kirche reinigte , hallten durch das Gewölbe . Da rauschte es in meiner Nähe , und ich erblickte ein großes schlankes Frauenzimmer , auf fremdartige Weise gekleidet , einen Schleier über das Gesicht gehängt , die , durch die Seitenpforte hereingetreten , sich mir nahte , um zu beichten . Sie bewegte sich mit unbeschreiblicher Anmut , sie kniete nieder , ein tiefer Seufzer entfloh ihrer Brust , ich fühlte ihren glühenden Atem , es war , als umstricke mich ein betäubender Zauber , noch ehe sie sprach ! - Wie vermag ich den ganz eignen , ins Innerste dringenden Ton ihrer Stimme zu beschreiben . - Jedes ihrer Worte griff in meine Brust , als sie bekannte , wie sie eine verbotene Liebe hege , die sie schon seit langer Zeit vergebens bekämpfe , und daß diese Liebe um so sündlicher sei , als den Geliebten heilige Bande auf ewig fesselten ; aber im Wahnsinn hoffnungsloser Verzweiflung habe sie diesen Banden schon geflucht . - Sie stockte - mit einem Tränenstrom , der die Worte beinahe erstickte , brach sie los : » Du selbst - du selbst , Medardus , bist es , den ich so unaussprechlich liebe ! « - Wie im tötenden Krampf zuckten alle meine Nerven , ich war außer mir selbst , ein nie gekanntes Gefühl zerriß meine Brust , sie sehen , sie an mich drücken - vergehen vor Wonne und Qual , eine Minute dieser Seligkeit für ewige Marter der Hölle ! - Sie schwieg , aber ich hörte sie tief atmen . - In einer Art wilder Verzweiflung raffte ich mich gewaltsam zusammen , was ich gesprochen , weiß ich nicht mehr , aber ich nahm wahr , daß sie schweigend aufstand und sich entfernte , während ich das Tuch fest vor die Augen drückte und wie erstarrt , bewußtlos im Beichtstuhle sitzen blieb . - Zum Glück kam niemand mehr in die Kirche , ich konnte daher unbemerkt in meine Zelle entweichen . Wie so ganz anders erschien mir jetzt alles , wie töricht , wie schal mein ganzes Streben . - Ich hatte das Gesicht der Unbekannten nicht gesehen , und doch lebte sie in meinem Innern und blickte mich an mit holdseligen dunkelblauen Augen , in denen Tränen perlten , die wie mit verzehrender Glut in meine Seele fielen und die Flamme entzündeten , die kein Gebet , keine Bußübung mehr dämpfte . Denn diese unternahm ich , mich züchtigend bis aufs Blut mit dem Knotenstrick , um der ewigen Verdammnis zu entgehen , die mir drohte , da oft jenes Feuer , das das fremde Weib in mich geworfen , die sündlichsten Begierden , welche sonst mir unbekannt geblieben , erregte , so daß ich mich nicht zu retten wußte vor wollüstiger Qual . Ein Altar in unserer Kirche war der heiligen Rosalia geweiht und ihr herrliches Bild in dem Moment gemalt , als sie den Märtyrertod erleidet . - Es war meine Geliebte , ich erkannte sie , ja sogar ihre Kleidung war dem seltsamen Anzug der Unbekannten völlig gleich . Da lag ich stundenlang , wie von verderblichem Wahnsinn befangen , niedergeworfen auf den Stufen des Altars und stieß heulende entsetzliche Töne der Verzweiflung aus , daß die Mönche sich entsetzten und scheu von mir wichen . - In ruhigeren Augenblicken lief ich im Klostergarten auf und ab , in duftiger Ferne sah ich sie wandeln , sie trat aus den Gebüschen , sie stieg empor aus den Quellen , sie schwebte auf blumichter Wiese , überall nur sie , nur sie ! - Da verwünschte ich mein Gelübde , mein Dasein ! - Hinaus in die Welt wollte ich und nicht rasten , bis ich sie gefunden , sie erkaufen mit dem Heil meiner Seele . Es gelang mir endlich wenigstens , mich in den Ausbrüchen meines den Brüdern und dem Prior unerklärlichen Wahnsinns zu mäßigen , ich konnte ruhiger scheinen , aber immer tiefer ins Innere hinein zehrte die verderbliche Flamme . Kein Schlaf ! - Keine Ruhe ! - Von ihrem Bilde verfolgt , wälzte ich mich auf dem harten Lager und rief die Heiligen an , nicht , mich zu retten von dem verführerischen Gaukelbilde , das mich umschwebte , nicht , meine Seele zu bewahren vor ewiger Verdammnis , nein ! - mir das Weib zu geben , meinen Schwur zu lösen , mir Freiheit zu schenken zum sündigen Abfall ! - Endlich stand es fest in meiner Seele , meiner Qual durch die Flucht aus dem Kloster ein Ende zu machen . Denn nur die Befreiung von den Klostergelübden schien mir nötig zu sein , um das Weib in meinen Armen zu sehen und die Begierde zu stillen , die in mir brannte . Ich beschloß , unkenntlich geworden durch das Abscheren meines Bartes und weltliche Kleidung , so lange in der Stadt umherzuschweifen , bis ich sie gefunden , und dachte nicht daran , wie schwer , ja wie unmöglich dies