einer Familie verwachsen , von der er sich nur spät und mühsam losriß . Zehntes Kapitel Von da kostete es Alonzo weder Kampf noch Ueberredung zu seinen neuen , wunderbar gewonnenen Freunden zurückzukehren . Unwillkührlich führte ihn der Weg jeden Tag zu ihnen . Er übte die angenehme Pflicht des Trostes und der Theilnahme mit einer Freudigkeit , in der er sich bald genug selbst vergaß . Sein Blut floß leichter , sein Blick ward heller , der strenge Frost seines Wesens linder , er empfand sich mit unaussprechlicher Rührung , ohne sich zu kennen , ohne zu forschen und zu fragen . Der Schmerz wie die Freude , jedes heilige und wahre Gefühl ziehet schnell das Band unter den Menschen zusammen . Wie durch ein Wunder war Alonzo plötzlich zu Hause unter den Fremden . Kam er , so hatte man ihn immer schon erwartet , seine Gegenwart schien allen mit einem male unentbehrlich , und nur unter herzlichen Versicherungen baldiger Wiederkehr schied man von einander . Blansche empfing ihn jedesmal mit verschämter und doch höchst edler Verbindlichkeit . Dem süßen Gemisch ihrer reizenden Natur widerstand leicht niemand , das Stimmchen so hell und rein , so einfache Worte und kindlich herzliches Lachen , die allerliebste Freudigkeit über Kleines und Großes , und doch wieder so fest und ruhig , so heilig still . Von solcher unbefangenen Hingebung , von diesem ernsten Selbsterfassen hatte Alonzo früher nie eine Vorstellung gehabt . Alles war leise an dem zierlichen Mädgen , ihr Gehen und Kommen , ihr Neigen und Grüßen , jede Handreichung , die sie dem Bruder leistete , selbst die Worte flogen nur säuselnd über die feinen Lippen , man glaubte eine Blume wehen und rauschen zu hören und athmete ihr Wesen wie den Duft der Maienglöckchen , ihr linder Zauber hielt alle Gemüther gefangen . Litt Türgis , weinte die Mutter , sahen der Oheim und Alonzo zweifelhaft drin , so beschwichtigte ihr frommer Blick den Aufruhr der Sinne , die Herzen wandten sich unwillkührlich zu dem , den ihr Auge suchte , und still und ergeben erwartete man des Himmels ewigen Willen . In solcher Nähe hatte Alonzo weder an Gefahr noch Trennung gedacht . Ihm war wohl , und er hielt das Störende abwärts . Auch blieb er sich selbst und seiner neuen Verbindung . Riemand hemmte den verborgenen Andrang und Wachsthum seiner Gefühle . Philipp war immer noch nicht wieder da . Alonzo dachte nicht an ihn , er vermißte ihn nicht , er vermißte nichts in der Welt , er schien alles zu besitzen , was ihn beglücken durfte . Sehr überrascht war er daher , als er eines Morgens den abwesend geglaubten an Türgis Bett zwischen Blansche und ihrer Mutter im ruhigen Gespräch begriffen fand . Alle drei traten ihm entgegen . Die alte Freude begrüßte ihn heut wie immer . Er erwiederte sie zerstreuet und als ihm Philipp lächelnd zuflüsterte : ich war gewiß , Sie hier zu finden , deßhalb suchte ich Sie auch nur hier , konnte er sich nicht entschließen , in seine harmlose Neckerei einzugehen , sondern blieb ernst und einsylbig . Ihm war als sehe er in Philipps Augen wie in einen Spiegel , alles was er früher gedacht , empfunden und gesagt hatte , ward ihm mit einem male gegenwärtig . Er fühlte sich unsicher , durch die Nähe des Freundes auf unbequeme Weise gedruckt . Die Uniform , welche Philipp trug , erinnerte ihn an Krieg und Streit , und seine Stellung zu Frankreich , eine Beschämung , deren er nicht Herr werden konnte , hielt Herz und Zunge gefangen . Dazu lagen Philipps Blicke in stiller Beschaulichkeit immer fester und innerlicher auf Blansches Zügen , er konnte es sich nicht ableugnen , daß der Glanz und die Seele des hellen Künstlerauges eine Welt ausströme , die unter tief empfundenen Schauren das verborgene Dasein wecke . Philipp kannte nur ein Leben , er hatte sich ihm hingegeben , sein ganzes Wesen in ihm aufgelöst , er achtete nach Jünglings- und Künstlerweise wenig auf das , was um ihn vorging , ruhig horchte er der Offenbarung , welche ihm durch des Menschenbildes ewige Verkündigung aufging . Alonzo befiel eine Angst , daß er nicht zu bleiben wußte . Er stand auf und setzte sich nieder , redete kurz und hastig , ohne mit sich zurecht zu kommen . Frau von Saint Alban spottete über seine Unruhe . Aber er konnte sich nun einmal nicht finden , schützte Geschäfte vor , und eilte nach Hause . So zerrissen und geklemmt , traf ihn folgender Brief seiner Mutter auf das peinlichste . » Alonzo , ich sehe Dich ungern in einer Stimmung , die Deiner Würde wie Deinem Frieden drohet . Was ängstet dem Adler das wüste Geflatter der Raben . Der Spanier lebt stets in Mitten seiner Welt , voll Ehre und Ruhm . An diese Glorie reicht kein Gleißen , noch Flimmern . Richte Du dein Auge nach der Sonne , und laß der Nacht ihr dunkles Wesen . Was geht ' s Dich an ! Dein unruhiger Haß gefällt mir nicht . Er zeigt von Ungleichheit und Streit , man haßt niemals , was man unbeachtet ließ . Dein Verhältniß , dein Geschäft , sagst du , drücken dich ? Die Pflicht darf niemand eine Last sein . Uebe sie ruhig , sie wird Dein Gemüth klar machen . Des Königs Vertrauen ehrt Dich . Ich darf nichts dazu noch davon thun . Er hat Dich gesandt , fordre nicht , daß ich Dich zurückrufe . Alonzo , die Welt hat ihre Ketten abgeschüttelt , bist du noch unterjocht , daß du seufzst ? Wehre den kränklichen Aerger von dir , er mattet das Herz ab und lockt die Schmach auf unser Haupt . Denke an den Heiland und seinen Stellvertreter auf Erden , er duldete und klagte nicht , und überwand ! Was kann Alonzo de Mendez mit einem Volk zu theilen haben ,