Angedenken jeder Stunde mit kleinen Denkmalen im Hause und im Garten zu befestigen suchte ; seiner Dolores war er so gewiß , aber der Boden , auf dem er mit ihr so froh gewandelt , hatte sich belebt , war sein Vertrauter geworden , da nur wollte er leben , der sollte einst auch seine Asche empfangen . Sonderbar , sonderbar , wie der Gedanken von Tod sich in ihm , dem frischen blühenden Jüngling so oft den Liebesgedanken beimischte ; aber der Gedanke liegt sehr nahe bei dem höchsten Glücke , das wir zu erschwingen vermögen . Klelia hatte noch so manche freundschaftliche Aufmerksamkeit und Dolores war liebreicher als je , oft glaubte er , der Abschied sei unmöglich , und da war er schon geschehen und es regnete vor seinen Augen , er konnte das Haus kaum sehen , vor dem er stand , und nun ist ' s vorbei ; seh dich noch einmal um , fasse alles recht ins Auge und nun fort . Was soll ich von seiner Sehnsucht , von der Öde sagen , die ihn in der rauschenden jungen Gesellschaft umgab , jeder wollte etwas von der Universität wissen und er hatte sie ganz bei den Gräfinnen vergessen . Überall sah er Beziehungen auf sie , an jedem Mauerwerk war eine Ähnlichkeit mit etwas im Schlosse , aber laut mußte er weinen bei einem kleinen Mädchen , das verkleinert ihm ihre Ähnlichkeit darstellte , ohne daß er eigentlich im ersten Augenblicke erraten konnte , was ihm bei dem Kinde einfiele ; er beschenkte es reichlich nach seines Alters Wünschen . Überall schlugen die Uhren erinnernd , was jetzt in dem gleichförmigen Gange des kleinen Haushalts der beiden Mädchen geschehe ; überall hingen Haushaltungskalender , die ihm vorrechneten , daß wieder ein Tag ihm verloren ; überall sah er Menschen , die sie nicht kannten , Gegenden , die sie nicht gesehen . - Zu seiner Zerstreuung ließ er sich überall mit den Menschen in Gespräch ein , einmal mit dem Gärtnerburschen eines großen fürstlichen Gartens . Der Bursche lachte über seinen Obergärtner , der fluchend vorbei lief , und sagte : » Der macht sich jetzt in der heißen Sonne ein Geschäft , um nicht zu Hause einzutreffen , da würde ihm die Frau ein Gesicht machen . « - » Warum denn , ist sie so böse ? « fragte der Graf . - » Wie es kommt « , meinte der Bursche , » jetzt ist der Fürst bei ihr ; nicht wahr , Sie merken wohl , was die Glocke geschlagen , unser einer vom Hofe darf davon nicht viel reden . « - Der Graf schimpfte über die Nichtswürdigkeit des Obergärtners . » Es ist sonst ein braver Mann « , sagte der Bursche , » aber die Frau taugt nichts und er liebt sie allzu sehr ; schon zweimal ist er in alle Welt gelaufen , um den Jammer nicht mit anzusehen , er findet überall Brot ; aber dann kommt er immer wieder , und bittet es ihr ab , und kann nicht von ihr lassen ; es ist , als wenn sie ihm was angetan hätte . « - Die Geschichte durchschauerte den Grafen so eigen , als liefe der Tod über sein künftiges Grab : In der nächsten Station blieb er zurück von seiner jugendlichen Gesellschaft , schrieb an seine Dolores alles Zärtliche , alles Besorgliche , was er unterwegs gedacht , nur diese Geschichte verschwieg er , dagegen setzte er einen ernsten Brief mit seines Namens Unterschrift an den Fürsten auf , worin er ihm sein Unrecht grell vormalte und mit den Worten schloß : » Ich habe es gesagt und meine Seele gerettet . « - Eine Stunde , nachdem er beide Briefe auf die Post gegeben und kühler nachdachte , schämte er sich des letzteren an den Fürsten gar sehr ; er drückte die Augen zu , wurde rot , mußte vor sich lächeln , so oft er an die Verwunderung , an das Spotten dachte , was vielleicht aus diesem Briefe folge ; lange Zeit konnte ihn sogar der Name des Fürsten rot machen , insbesondre wenn er dachte , wie sonderbar sich ein andrer Mensch dieses Rotwerden deuten könnte . Diese Beschämung , etwas dem Weltlaufe so Ungefüges und wahrscheinlich ganz Unnützes vollbracht zu haben , zerstreute ihn etwas auf der Fortsetzung seiner Reise ; seine Schritte beschleunigten sich , um der Beschämung zu entgehen , während ihn die Liebe bei jedem zurück hielt . Spät Abends , sehr ermüdet kam er nach der Universität auf sein kaltes Zimmer zurück ; die Aufwärterin war nicht zu Hause , er bekam von einem neu angekommenen Studenten Licht und fand alles bei sich , wie er es verlassen , sogar sein Kaffeegerät stand noch , wie er davon zur Reisegesellschaft abgerufen worden ; aber in seinem Herzen war es jetzt so warm und draußen so kalt . Hastig schritt er im Zimmer auf und ab , nahm alles in die Hände , legte alles wieder hin ; bald wollte er ausgehen , um alte Freunde zu besuchen , um sich den Lectionscatalogus zu holen , bald wollte er noch einen Brief schreiben ; aber es wurde aus allem nichts , denn aus der Ferne , aus dem nächsten Gasthause , schallte ihm die reizende Einförmigkeit einer Tanzmusik ; bald glaubte er darin verständige Worte zu hören und mußte gegen seinen Willen immerfort mit singen : » Ich hab sie , ich halt sie , ich lasse sie nicht . « Endlich kam die Magd , freute sich weitläuftig seiner Ankunft , sprach von angekommenen Briefen und brachte aus ihrem Busen einen hervor , der eben abgegeben worden ; der Graf fuhr darauf los , es war der erste Brief seiner Dolores , auch einer von Klelien ; er konnte ihn nicht gleich lesen . Er fing mit dem letzteren an , dann folgte unter Herzpochen der erste , der liebste ; er