es mir und wurde mir dadurch unendlich theuer . Jetzt , wo ich ihn in Regionen aufsteigen sah , die ich nie geahnet hatte , jetzt wurde er für mich eben so das Symbol des Herrlichen , wie das Crucifix in den Händen eines gläubigen Catholiken das Symbol jeder Tugend ist . Was ich hier sage , können nicht Alle zur Anschauung bringen ; aber wie soll ich es sagen , um mich deutlich zu machen ? Genug , ich verließ das Haus der Frau von Z ... mit ganz anderen Empfindungen , als diejenigen waren , mit welchen ich gekommen war ; und ich behaupte , daß es unmöglich ist , zugleich ruhiger zu seyn , und einen gegebenen Mann bestimmter anzubeten , als beides bei mir der Fall war . Gelassen zog ich mich aus , nachdem ich zu meinen Pflegeeltern zurückgekommen war ; eben so gelassen ging ich zu Bette ; und als ich am folgenden Morgen nach einem sanften Schlaf erwachte , war mein erster Gedanke : Moritz ist der erste aller Männer . Ich wollte mir die Gefahren vergegenwärtigen , denen er entgegenging ; aber damit wollte es mir durchaus nicht gelingen ; die Stimmung , in welcher ich mich einmal befand , brachte es mit sich , an keine Gefahr in Beziehung auf Moritz zu glauben , und diese Idee , wie sonderbar sie auch erscheinen mag , war gewiß eine sehr richtige . Es wird nach allem , was ich bisher gesagt habe , schwerlich auffallen , wenn ich hinzufüge , daß ich nicht unterließ , meine Freundin , wie bisher , zu besuchen , und mich dadurch dem Herrn von Z ... zu nähern ; ich konnte dies jetzt um so eher thun , da das Verhältniß , worin ich mit ihm stand , durch die Bestimmtheit , welche seine letzte Erklärung ihm gegeben hatte , eine Unschuld gewann , die es zu einem kindlichen machte . Von dem Auftritte des vorhergehenden Tages war nicht weiter die Rede , nachdem Moritz über das Pathos , womit er seinen inneren Zustand verrathen , gelächelt hatte . Über andere Gegenstände wurde gescherzt ; ja irgend eine Freude , die ich nicht beschreiben kann , die aber das unmittelbare Resultat der aufgehobenen Spannung war , herrschte in allen Gesichtern und sprach aus allen Gedanken , als Moritz , ich weiß nicht ob am dritten oder vierten Tage nach der oben beschriebenen Scene , die augenblickliche Abwesenheit seiner Mutter und Schwester benutzend , meine Hand ergriff und folgende Rede an mich richtete : » Ich gestehe Ihnen , meine Theure , daß ich vor ungefähr einer Woche an den König von Preußen geschrieben habe , um ihm meine Dienste anzutragen . Schon lange war dies mein geheimer Entschluß ; allein ehe ich ihn zur Ausführung bringen konnte , bedurfte es mehrerer Vorbereitungen , mit welchen ich erst jetzt zu Stande gekommen bin . Viele werden diesen Schritt tadeln ; allein ich bleibe ruhig , wenn ich weiß , daß Sie , meine Theure , nicht zu meinen Tadlern gehören . Sagen Sie selbst , ob mir etwas anderes übrig blieb ? Fünf und zwanzig Jahre alt , befinde ich mich in dem Wechselfall , entweder Civildienste zu nehmen , oder auf meine Güter zu gehen , wenn ich durchaus nicht Soldat werden soll . Civildienste - wohin können sie fuhren ? Meiner Berechnung nach nur zur Erbärmlichkeit . Jedes einzelne Geschäft , das man als Civilbeamter betreibt , vorausgesetzt , daß man nicht an der Spitze eines Departements steht , ist zuletzt nichts weiter , als eine anständigere Art von Besenbinderei , die , wie gut sie auch remunerirt werden mag , den inneren Menschen tödtet , indem sie den Staatsbürger belebt . Soll ich Prozesse instruiren , oder Landesverordnungen entwerfen , oder Kammerherrendienste thun ? Meine Kraft würde mich von jedem Subalternposten , den man mir geben könnte , verdrängen . Ich habe nicht Athem genug , die lange Dienstcarriere zu ertragen . Mich interessirt das in einander greifende staatsbürgerliche Leben , aber nur im Großen , nicht im Kleinen ; um das Detail lieb zu gewinnen , müßt ' ich vor allen Dingen meinem ganzen Wesen entsagen , d.h. aufhören , ein Edelmann zu seyn . Wahr ist , ich könnte mich auf meine Güter begeben und Herrscher in meinen eignen Staaten seyn . Aber zu welchem Zweck ? Meine Vorfahren haben genug erworben , um mich zufrieden zu stellen . Ich will erhalten , was auf mich vererbt worden ist ; aber ich will es weder vermehren , noch ängstlich darauf bedacht seyn , Schätze zu sammeln . Kommt Zeit , kommt Rath . Fürs Erste will ich mich zum Bewußtseyn meiner Existenz erheben ; und da dies nur im Felde möglich ist , so will ich in den Krieg ziehen . Mich lockt dazu vor allen Dingen die Größe des Helden , der unbezwungen gegen ganz Europa ankämpft . Je kritischer seine ganze Lage ist , desto stärker ist mein Beruf , ihn mit meinen Kräften zu unterstützen . Ich werde keinen materiellen Vortheil davon haben , das weiß ich vorher ; aber es wird mich in Athem setzen , und das ist mir genug . Werd ' ich meinen Wünschen gemäß angestellt , so komme ich in seine Nähe und finde Gelegenheit , den größten Charakter unseres Jahrhunderts zu studiren . Und was will ich mehr ? Der Rückzug auf meine Güter steht mir immer offen . Trete ich ihn nach einigen Jahren an , so habe ich , bis dahin wenigstens , mein Leben hoch ausgebracht und mich mit seltenen Erfahrungen bereichert . Diese Gründe , meine Theure , haben mich bestimmt . Sollten Sie etwas dagegen einzuwenden haben ? « Meine Antwort auf diese Frage war : » Sie haben sich , mein edler Freund , durch diese Analyse vor sich selbst zu rechtfertigen gesucht ; aber ich glaube nicht , daß es einer solchen Rechtfertigung bedarf . Es