; und noch schöner läuteten ihn die Viehglocken in ein Rosenfest . Die einzelnen rotweißen Häuser schwankten durch die besonnten Baumstämme . Endlich sah er draußen das traute Elterlein dem Hügel zu Füßen liegen - ihm gegenüber standen die Glocken des weißen Schieferturms und die Fahne des Maienbaums und das hohe Schloß auf dem runden Wall voll Bäume - unten liefen die Poststraßen und der Bach breit durchs offne Dorf - auf beiden Seiten standen die Häuser einzeln , jedes mit seiner Ehrenwache von Fruchtstämmen - um das Dörfchen schlang sich ein Lustlager von Heu-Hügeln wie von Zelten und von Wagen und Leuten herum , und über dasselbe hinaus brannten fettgelbe Rübsenflächen für Bienen und Öl heiter dem Auge entgegen . Als er von diesem Grenzhügel des Gelobten Kinderlandes hinunterstieg , hört ' er hinter den Stauden in einer Wiese eine bekannte Stimme sagen : » Leute , Leute , sponselt doch euer Vieh ; hab ichs nicht schon so millionenmal anbefohlen ? - Bube , sage zu Hause , der Gerichtsmann hat gesagt , morgen wird ungesäumt mit zwei Mann gefront , auf der Klosterwiese . « Es war sein Vater ; der mattäugige , schmächtige , bleichfarbige Mann ( in dessen Gesicht der warme Heu-Tag noch einige weiße Farbenkörner mehr gesäet ) schritt mit einer leuchtenden Sense auf der Achsel aus den Rainen in die Straße herein . Vult mußte umblicken , um nicht erblickt zu werden , und ließ den Vater voraus . Dann fiel er ihm mit einigen klingenden Paradiesen der Flöte , und zwar - weil er wußte , wie ihm Chorale schmeckten - mit diesen in den Rücken . Lukas schritt noch träger fort , um länger zurückzuhören - und die ganze Welt war hübsch . Braune Dirnen mit schwarzen Augen und weißen Zähnen setzten die Grassicheln an die Augenbraunen , um den vorbeipfeifenden Studenten ungeblendet zu sehen - die Viehhirtinnen zogen mit ihren Wandel-Glöckchen auf beiden Seiten mit - Lukas schneuzte sich , weil ihn der Choral bewegte , und sah ein ungesponseltes Weide-Pferd nur ernsthaft an - aus den Schornsteinen des Schlosses und Pfarrhauses und des väterlichen hoben sich vergoldete Rauchsäulen ins windstille kühle Blau - Und so kam Vult ins überschattete Elterlein hinab , wo er das närrische verhüllte träumende Ding , das bekannte Leben , den langen Traum , angehoben , und wo er im Bette zu diesem Traum , weil er erst ein kurzer Knabe war , sich noch nicht hatte zu krümmen gebraucht . Im Dorfe war das Alte das Alte . Das große Haus der Eltern stand jenseits des Bachs unverändert mit der weißen Jahreszahl 1784 auf dem Dach-Schiefer da . - Er lehnte sich mit dem Flötenliede : » Wer nur den lieben Gott läßt walten « an den glatten Maienbaum und blies ins Gebetläuten hinein . Der Vater ging , sehr langsam unter dem Scheine des Umsehens , über den Bachsteg in sein Haus und henkte die Sense an den hölzernen Pflock an der Treppe . Die rüstige Mutter trat aus der Türe in einem Manus-Wamse und schüttete , ohne aufs Flöten zu hören , das abgeblattete Unkraut des Salats aus einem Scheffel , und beide sagten zueinander - wie Land-Gatten pflegen - nichts . Vult ging ins nachbarliche Wirtshaus . Von dem Wirte erfuhr er , daß der Pfalzgraf Knoll mit dem jungen Harnisch Felder beschaue , weil die Notariusmacherei erst abends angehe . » Trefflich « , dachte Vult , » so wirds immer dunkler , und ich stelle mich ans Backofenfenster und sehe ihrem Kreieren drinnen zu . « Der alte Lukas trat jetzt schon gepudert in einer großblumigen Damastweste an die Türe heraus und wetzte in Hemdärmeln an der Schwelle das Messer für das Souper des Notarius-Schöpfers ab . » Aber das Pürschlein solls auch nicht herausreißen « , setzte der Wirt hinzu , der ein Linker war ; » der Alte hat mir seine schöne Branntweinsgerechtigkeit verkauft , und der Sohn hat von der Blase studiert . Aber lieber das Haus sollt ' er weggeben , und zwar an einen gescheuten Schenkwirt ; sapperment ! dem würden Biergäste zufliegen , der Bierhahn wäre Hahn im Korbe , aber ganz natürlich . Denn die Stube hat zweierlei Grenzen , und man könnte darin zuprügeln und kontrebandieren und bliebe doch ein gedeckter Mann . « Vult nahm keinen so spaßhaften Anteil am Wirte , als er sonst getan hätte ; er erstaunte ganz , daß er unter der Hand ordentlich in eine heftige Sehnsucht nach Eltern und Bruder , besonders nach der Mutter hineingeraten war , » was doch « , sagt ' er , » auf der ganzen Reise gar nicht mein Fall gewesen « . Es war ihm erwünscht , daß ihn der Wirt beim Ärmel ergriff , um ihm den Pfalzgrafen zu zeigen , der eben in des Schulzen Haus , aber ohne Gottwalt ging ; Vult eilte aus seinem , um drüben alles zu sehen . Draußen fand er das Dorf so voll Dämmerung , daß ihm war , als steck ' er selber wieder in der helldunkeln Kinderzeit , und die ältesten Gefühle flatterten unter den Nachtschmetterlingen . Hart am Stege watete er durch den alten lieben Bach , worin er sonst breite Steine aufgezogen , um eine Grundel zu greifen . Er machte einen Bogen-Umweg durch ferne Bauernhöfe , um hinter den Gärten dem Hause in den Rücken zu kommen . Endlich kam er ans Backofenfenster und blickte in die breite zweiherrige Grenzstube - keine Seele war darin , die einer schreienden Grille ausgenommen , Türen und Fenster standen offen ; aber alles war in den Stein der Ewigkeit gehauen : der rote Tisch , die roten Wandbänke , die runden Löffel in der hölzernen Wand-Leiste , um den Ofen das Trocken- der tiefe Stubenbalken mit herunterhängenden Kalendern und Herings-Köpfen , alles war über das Meer der langen Zeit , gut eingepackt , ganz und wie neu herübergeführt , auch die alte Dürftigkeit . Er wollte