Freuden . « - » Doch wohl auch oft dem Liebchen zu gefallen ? « - sagte Eduard . - » Auch das genug « , sagte Florentin , » ich hatte dann auch süßen Lohn . « Sie lagerten sich um das Tuch und verzehrten ihren Vorrat unter fröhlichen Scherzen , Gesängen und Lachen . Florentin pflegte durch den Wein lebhafter und noch heiterer zu werden als gewöhnlich , Eduard aber fühlte seine Lebensgeister leicht durch ihn erhitzt , reizbarer und zugleich schwerer ; Juliane ward von ihnen mit Bitten bestürmt , diesesmal doch ihren Wein ohne die gewöhnliche Mischung von Wasser zu trinken , sie war aber nicht dazu zu bewegen . Die Ausgelassenheit und der steigende Mutwille der beiden fing an sie zu ängstigen , sie fand jetzt ihr Unternehmen unbesonnen und riesenhaft kühn ; die beiden Männer kamen ihr in ihrer Angst ganz fremd vor , sie erschrak davor , so ganz ihnen überlassen zu sein ; sie konnte sich einen Augenblick lang gar nicht des Verhältnisses erinnern , in dem sie mit ihnen stand , sie bebte , ward blaß . - Eduard bemerkte ihre Angst . » Was fürchtest du holder Engel ! Du bist bei mir , bist mein « , er umarmte sie mit einigem Ungestüm . - » Lassen Sie mich , Eduard ! « rief sie , sich aus seinen Armen windend ; » nicht diese Sprache ... Sprechen Sie jetzt gar nicht zu mir , Ihre Worte vergrößern meine Furcht ... ich bin so erschreckt ... ich weiß nicht warum ? « - Sie verbarg ihr Gesicht in ihre beiden Hände . - » Beruhigen Sie sich Juliane ! « - » Stille , ich beschwöre Sie , nicht ein Wort weiter , wenn Sie mich lieben ! « - Florentin hatte sich , als er ihre Unruhe bemerkte , zurückgezogen , die Gitarre genommen , und allerlei Melodien phantasiert ; die beiden Hunde hatten sich zu ihm gelagert , und drückten aufwärts ihre Köpfe an seine Knie . Gesammelt fing Juliane endlich an : » Die Sonne steht noch zu hoch , wir können in der drückenden Hitze diese Schatten nicht verlassen . Sie , Florentin , könnten jetzt Ihr Versprechen erfüllen , und uns einiges aus Ihrem Leben erzählen ! « Er schwieg ein Weilchen , dann sang er folgende Worte : » Draußen so heller Sonnenschein , Alter Mann , laß mich hinaus ! Ich kann jetzt nicht geduldig sein , Lernen und bleiben zu Haus . Mit lustigem Trompetenklang Ziehet die Reuterschar dort , Mir ist im Zimmer hier so bang , Alter Mann , laß mich doch fort ! Er bleibt ungerührt , Er hört mich nicht : Erlaubt wird , was dir gebührt , Tust du erst deine Pflicht ! Pflicht ist des Alten streng Gebot ; Ach , armes Kind ! du kennst sie nicht , Du fühlst nur ungerechte Not , Und Tränen netzen dein Gesicht . Wenn es dann längst vorüber ist , Wonach du trugst Verlangen , Dann gönnt man dir zu spät die Frist , Wenn Klang und Schein vergangen ! Was du gewähnt , Wonach dich gesehnt , Das findest du nicht : Doch bleibt betränt Noch lang dein Gesicht . « » Was soll uns jetzt das Lied , Florentin ? « fiel Juliane ungeduldig ein ; » ich dringe auf die Erfüllung Ihres Versprechens ! « - » Sie könnten auch mein Lied als Einleitung nehmen zu dem , was ich Ihnen zu erzählen habe . Aus meiner Kindheit weiß ich mir nichts so bestimmt zu erinnern , als den Zwang und das Unrecht , das mir geschehen ist , und das ich schon damals sehr klar fühlte . Gewiß ist jedem Kinde so zumute , dem man nach einer vorher bestimmten eigenmächtigen Absicht eine streng eingerichtete Erziehung gibt . « Siebentes Kapitel Die Gesellschaft lagerte sich bequem , und Florentin erzählte : » Wie ein Traum schwebt mir die frühe Erinnerung vor , daß ich in meiner ersten Kindheit in einem einsamen Hause auf einer kleinen Insel lebte . In dem Hause wohnte niemand , als eine gute freundliche Frau , die Sorge für mich trug und mich keinen Augenblick verließ , und ein etwas ältlicher Mann , der die schweren Haus- und Gartenarbeiten verrichtete , und jeden Tag mit einer kleinen Barke fortruderte , und die nötigen Vorräte einholte . Es befanden sich gewiß noch mehrere Häuser auf der Insel ; von diesen erinnere ich mich aber nichts , so wenig als von ihren Bewohnern . Ein paarmal kam eine schöne sehr prächtig gekleidete Dame , von zwei Herren begleitet , mit der zurückkehrenden Barke . Diese Dame liebkoste mich zärtlich , gab mir Spielzeug und Konfekt , und ich mußte sie Mutter nennen . Einer von den Herren , der auch schön und glänzend gekleidet war , bezeigte meiner Mutter viel Aufmerksamkeit , und war sehr freundlich gegen sie , so wie sie auch gegen ihn . Dem andern Herrn , der , wie ich nachmals erfahren habe , ein Geistlicher war , begegneten beide mit Ehrfurcht . Gegen mich waren beide unfreundlich ; sie schalten mich , wenn ich mich zu nah an meine Mutter drängte oder nicht von ihrem Schoß fort wollte . Sie waren mir beide verhaßt , besonders der geistliche Herr , dessen Recht mich zu schelten ich immer im Herzen bezweifelte . Der Stolz und die Unfreundlichkeit der beiden Männer hatte einen so verhaßten Eindruck auf mein kindliches Gemüt gemacht , daß ich sie fürchtete , und sie niemals begrüßen und anreden mochte , so sehr meine Mutter darauf bestand . Empfindlichen Kindern ist Härte und Unfreundlichkeit unerträglicher als jede Entbehrung , die man ihnen mit Güte und Sanftmut auferlegt . Eines Tages kam unser alter Mann mit der Barke zurück . Er war ganz bestürzt und sprach heftig mit der Frau ; diese weinte , küßte mich und stieg mit mir in die Barke . Der