Einsamkeit ! wiederholte er aufgeregt . ” Ich sehe , ich muß zu einer Erklärung kommen . Ich weiß nicht , welcher räthselhafte Ausdruck sich in Deinem Gesichte bildet . Du sollst meine Einsamkeit theilen . Verstehst Du mich ? " Ich schüttelte den Kopf : ich bedurfte einigen Muthes , so aufgeregt wie er wurde , selbst dieses stumme Zeichen der abweichenden Ansicht zu wagen . Er war rasch im Zimmer auf- und abgegangen und blieb plötzlich wie eingewurzelt stehen . Er sah mich lange und fest an : ich wendete meine Augen von ihm ab , richtete sie auf das Feuer und versuchte einen ruhigen und gesammelten Ausdruck anzunehmen und zu behaupten . “ Da kommt der Knoten in Johanna ' s Charakter , " sagte er endlich in ruhigerem Tone , als ich bei seinem Blicke erwartet hatte . " Der Seidenhaspel hat sich bis dahin leicht genug gedreht ; doch ich wußte schon immer , daß ein Knoten und ein Anstoß kommen würde : und da haben wir ' s. Jetzt kommt die Aufregung und Erbitterung und endlose Verwirrung ! Bei Gott ! es verlangt mich Simson ' s Stärke anzuwenden und die Fesseln wie Werg zu zerreißen ! ” Er setzte seinen Gang fort , hielt aber bald wieder an und blieb diesmal gerade vor mir stehen . " Johanna ! willst Du auf vernünftige Gründe hören ? " fragte er , beugte sich nieder und näherte seine Lippen meinem Ohr ; “ wenn Du es nicht willst , muß ich Gewalt anwenden . " Seine Stimme war ruh ; sein Blick der eines Mannes , der gerade im Begriff ist , eine unerträgliche Fessel zu sprengen und sich köpflings in ein lasterhaftes Leben zu stürzen . Ich sah , daß ich im nächsten Augenblicke , wenn sich die wahnsinnige Wuth noch mehr steigerte , nichts mit ihm würde anfangen können . Die gegenwärtige , vorübergehende Secunde war Alles , wodurch ich ihn bändigen und zügeln konnte : eine Bewegung des Zurückweisens , der Flucht oder der Furcht hätte mein Geschick und das seine besiegelt . Aber ich fürchtete mich nicht : nicht im Geringsten . Ich empfand eine innere Macht , ich hatte ein Bewußtsein des Einflusses , was mich aufrecht hielt . Die Krisis war gefährlich aber nicht ohne ihren Reiz , wie ihn vielleicht der Indianer empfindet , wenn er in seinem Kano über den raschen Strom dahinschießt . Ich faßte seine geballte Hand ; löste die krampfhaft zusammengezogenen Finger und sagte besänftigend zu ihm : " Setzen Sie sich nieder ; ich will so lange mit Ihnen reden , wie Sie wollen , und Alles anhören , was Sie mir zu sagen haben , sei es nun vernünftig oder unvernünftig . ” Er setzte sich nieder , doch konnte er noch nicht sogleich reden . Ich hatte seit einiger Zeit mit Thränen gerungen ; ich hatte große Mühe angewendet , sie zu unterdrücken , da ich wußte , daß er mich nicht gern weinen sah . Jetzt aber hielt ich es für gut , sie frei und so lange sie wollten , fließen zu lassen . Wenn ihm die Thränenflut lästig war , um so besser . Ich gab also nach und weinte aus vollem Herzen . Bald hörte ich , wie er mich lebhaft bat , mich zu fassen . Ich sagte , ich könne es nicht , so lange er in einer solchen Leidenschaft sei . " Aber ich bin ja nicht zornig , meine Johanna ; ich liebe Dich nur zu sehr ; Du hattest Dein kleines bleiches Gesicht mit so entschlossenem und eisigen Blicke gestählt , daß ich es nicht ertragen konnte . Still jetzt , und trockene Deine Augen . " Seine besänftigte Stimme deutete an , daß er überwunden war ; da wurde auch ich ruhig . Jetzt bemühte er sich , seinen Kopf auf meiner Schulter ruhen zu lassen , aber ich wollte es ihm nicht gestatten . Dann wollte er mich zu sich ziehen ; auch das gestattete ich nicht . " Johanna ! Johanna ! ” sagte er im Tone so bitterer Traurigkeit , daß es durch alle meine Nerven bebte , " so liebst Du mich also nicht ? So war es also nur mein Stand und der Rang meiner Gattin , was Du schätztest ? Jetzt , da Du mich für unfähig hältst , Dein Gatte zu werden , weichest Du vor meiner Berührung zurück , als wäre ich eine Kröte oder ein Affe . ” Diese Worte verletzten mich , doch was konnte ich thun oder sagen ? Wahrscheinlich hätte ich Nichts thun oder sagen sollen , doch wurde ich so gequält von dem Gefühle der Reue , so seine Gefühle verletzt zu haben , daß ich den Wunsch nicht unterdrücken konnte , Balsam in die von mir geschlagene Wunde zu tröpfeln . " Ich liebe Sie mehr als je , " sagte ich ; " aber ich darf das Gefühl nicht zeigen oder ihm nachhängen ; und dies ist das letzte Mal , daß ich es ausdrücken darf . " " Das letzte Mal , Johanna ! Was ! Glaubst Du , Du könnest mit mir leben , mich täglich sehen , und doch , Johanna , wenn Du mich noch liebst , immer kalt und fremd sein ? " " Nein , mein Herr , ich bin gewiß , das könnte ich nicht ; und daher sehe ich , es gibt nur ein Mittel ; aber Sie werden wüthend werden , wenn ich es nenne . " " O , nenne es ! wenn ich zürne , so verstehst Du die Kunst des Weinens . - " " Herr Rochester , ich muß Sie verlassen . " " Auf wie lange , Johanna ? auf wenige Minuten , während Du Dein Haar ordnest , welches ein wenig verstört ist , und Dein Gesicht mit Wasser benetzest - welches fieberhaft aussieht ? " " Ich muß Adele und