wie ein weißer Kreidestrich . Noch immer war das Lachen um seinen Mund , doch mit einem Zug von Hohn und Starrheit . Und ein müdes Leiden dämmerte in seinen Augen . Runotter ging auf die niedere Kammertüre zu . Rasch fragte Malimmes : » Wär ' s nit besser , du tatst dich schlafenlegen ? « » Ich muß das Kind sehen . « » Höi , Bauer ! Ich müßt viel ! Und tu ' s nit . « Runotter zögerte . Dann griff er hastig nach der Klinke und trat in die Kammer . Ein Raum , der gerade ausreichte , um ein Bett , einen kleinen Tisch und einen schmalen Kasten zu fassen . Das Fenster ging nach Osten , von wo die kommende Frühsonne ein glimmerndes Feuerband über die Balkendecke hinwarf . Auf dem Gesimse standen drei Töpfe mit rotblühenden Blumen ; sie sahen in der ersten Morgenglut der Sonne wie kleine , stille Flammen aus . Über dem Bett war ein plumpes Kreuzbild , mit Blüten und Grün geschmückt . Auf einem Sessel lag die bunte Kleidung eines Jungsöldners . Jul , in einen braunen Mantel gewickelt , ruhte schlafend auf dem Bett , mit den Fäusten vor den Augen . Das dichte , langgewordene Haar umschleierte die heiße Wange und verhüllte die Schultern . Während Runotter neben dem Bette stand , schlief Jul noch immer weiter ; doch als der schwere Mann die Kammer lautlos verlassen wollte , fuhr Jul mit dem Kopf und dem rieselnden Schwarzhaar vom Kissen auf . Dieser Kopf mit diesem Haar und den entrückten Augen war von ergreifender Schönheit , lieblich und dennoch erschreckend . Das strenge , schmale , sonngebräunte Knabengesicht hatte noch nie so deutlich den Zügen eines Weibes geglichen wie jetzt nach diesem Jahr der Reiterplage , nach dem Anblick alles kriegerischen Grauens , nach dem Miterleben des gehäuften menschlichen Jammers . In den großen , blauen Augen , die im Erwachen ratlos ein Ziel der Ruhe zu suchen schienen , brannte ein seelenkranker Blick , der wie das Träumen einer ekstatischen Nonne war . » Gottes Gruß zum Morgen , Kind ! « Juls Augen , die noch immer nicht völlig erwachen wollten , irrten über die Mauern des kleinen Raumes hin und blieben verstört an dem gebeugten Manne haften . » Kommt schon wieder ein Tag ? « Das klang , wie die Rettungslosen fragen : » Kommt der Tod ? « Bekümmert sagte Runotter : » Kind ! Die Sonn ist da . Siehst du ' s nit ? « Stumm schüttelte Jul den Kopf , und eine gramvolle Müdigkeit veränderte sein Gesicht . » Ich bin schuld . « Runotter atmete schwer . » Der ander hat wieder recht gehabt , ich hätt deine Ruh nit stören sollen . Geh , tu noch weiterschlafen ! « Er wollte die Kammer verlassen . Da streckte Jul die zitternde Hand und flüsterte mit der Angst eines Kindes , das sich vor Gespenstern fürchtet : » Vater ! « Runotter kam , setzte sich auf den Rand des Bettes und faßte die glühenden Hände : » Um Gott , was ist denn mir dir ? « Und Jul , wie im Fieber : » Vater ! Tu mich anschauen ! Was siehst du an mir ? « » Was soll ich denn sehen ? « » Meine Stirn schau an ! Siehst du da nicht , was anders ist wie sonst ? « » Du bist wie allweil . « Ein tiefes Atmen , ein dumpfes Besinnen . Und dann die hastige Frage : » Vater ? Sag mir , ob das sein kann ? « » Sein kann alles . Was meinst du ? « » Ob das sein kann ? Daß man ein zwiefacher Mensch ist und ein doppeltes Leben hat ? Das eine im traurigen Wachen und das ander - ich weiß nit , wann ? Und ich weiß nit , wo ? « Runotter erschrak . Bevor er antworten konnte , befreite Jul . die zitternden Hände , warf sich auf das Lager hin und preßte unter ersticktem Schreikrampf das Gesicht ins Kissen . Hilflos sah Runotter diesen zuckenden Körper im braunen Mantel an und ballte die Fäuste . » Aschacher ? Wo bist du ? « Tappende Sprünge . Mit nackten Füßen , halb entkleidet , stand Malimmes am Bett , faßte den Jul an beiden Schultern , rüttelte ihn heftig und befahl : » Wie , Bub ! Sei gescheit ! Flink , steh auf ! « Er lupfte ihn aus dem Bett heraus und stellte ihn aufrecht hin . » Jetzt tu dich waschen ! Fest ! Der Tag wird schön . Wir zwei , wir reiten ein paarmal in der Sonn um die Stadt herum . « Malimmes packte den Runotter am Arm und zog ihn aus der Kammer . » Komm , Bauer ! Ich koch derweil , bis der Bub sich fertig macht ! « Gewaffnet , in bunten , schmucken Kleidern und im Funkelglanz der Stahlplatten , ritten Malimmes und Jul um die siebente Morgenstunde zum Tor hinaus . Der Falbe und der Jngolstädter schmiegten sich im Traben gegeneinander , und immer scherzte der eine mit der Schnauze nach dem anderen hin . In der Sonne schimmerte das Fell der Gäule , das am Hals und auf den Hinterbacken von vielen , weißgrauen Narben durchrissen war . - - - Auf der gleichen Straße war im Grau des Morgens der Bote des Brandenburgers mit starkem Geleit davongeritten , gegen die Donau hinunter . Fünf Tage später jagte dieser Bote von Nürnberg nach Ingolstadt . Als er um die Mittagsstunde bei Herzog Ludwig einritt in den von heiterm Lärm und buntem Leben erfüllten Schloßhof , mußte er verwundert dreingucken , mußte lachen , mußte an Burghausen denken . Was er dort gesehen hatte , war die wache , schweigende , bis an die Zähne bewaffnete , des Angriffs harrende Kraft . Und hier -