nicht an . Ein Einziger nur bewegte diese Kunde in seinem Herzen . Dieser Einzige war Winnetou . Er beobachtete ; er prüfte . Er begann , zu glauben . Und je fester dieser sein Glaube wurde , desto öfter kam er zu mir , um mich zu bitten , diese Leidensblumen und dieses Kreuz an die Lieblingsstätte meiner Gebete pflanzen zu dürfen . Es war sein inniger Wunsch , Old Shatterhand zu mir zu bringen . Sein weißer Bruder sollte hier , an dieser Stelle , sehen , wie der Kreuzesgedanke und die Ueberzeugung von einem einzigen , großen Manitou im Herzen seines roten Bruders Wurzel gefaßt und sich zur Blüte und Frucht entwickelt habe . Ich aber war dagegen . Ich haßte Old Shatterhand . Da ging Winnetou , der Herrliche , der Unvergleichliche , hin und kam nicht wieder . Doch was in seinem Herzen lebte , das kehrte zurück . Das kam zu mir . Das trieb mich tagtäglich hierher , in diesen Raum . Das lehrte mich nachdenken . Das brachte mir Licht . Das lehrte mich beten , nicht zu dem schwachen , kleinen Manitou der roten Männer , sondern zu dem gewaltigen , unendlichen , erhabenen Manitou Old Shatterhands , der allein imstande ist , uns , seine roten Kinder , neu zu beseelen , damit wir endlich werden , was wir werden sollten , aber nicht geworden sind . Heut ist er da , Old Shatterhand , dem ich mein Haus und mein Herz versagte . Heut liebe ich ihn . Heut weiß ich es , daß ich nichts vermag ohne ihn , ganz ebenso , wie die rote Rasse ohne die weiße nichts vermag . Er wird das Bleichgesicht sein , welches die uns verloren gegangenen Medizinen zurückzubringen hat . Wißt ihr , was das bedeutet ? Er wird es sein , der uns in Liebe vereint , obgleich wir uns im Haß zerstören wollen . Und während wir - - « Er hielt mitten im Satze inne . Unsere Fackel , die wir noch nicht hatten auslöschen können , begann sehr laut zu knistern . Sie sprühte Funken . Sie gab Rauch , der neben mir aus der Oeffnung stieg und von den Indianern sofort gerochen und gesehen wurde . Sie schauten alle zu mir her . Tatellah-Satah stand überrascht von seinem Sitze auf . So blieb mir nichts anderes übrig , als , um mich sehen zu lassen , aus der Bodenöffnung zu steigen . » Old Shatterhand ! « rief er aus . » Old Shatterhand , von dem ich spreche ! « » Old Shatterhand ! Er ist ' s ? Er ist ' s ? « wurde er von den Häuptlingen gefragt . » Ja ; er ist es ! « antwortete er . » Ein Loch im Boden ! Wo führt es hin ? Wo kommst du her ? « Diese letzteren Worte waren an mich gerichtet . Ich ging auf ihn zu , zog die Karte , die ich dem Medizinmann der Komantschen abgenommen hatte , aus der Tasche , faltete sie auseinander , gab sie ihm und antwortete : » Schau hier nach ! So wirst du sehen , woher ich komme . « Er sah die Ueberschrift , und er sah die Zahl , da rief er auch schon aus : » Aus der geheimen Bibliothek ! Die hochwichtige Karte , die einem meiner Ahnen gestohlen worden ist ! Nach deren Dieb wir bisher vergeblich forschten ! Im Verdacht stand der damalige Medizinmann der Komantschen , der mehrere Wochen lang hier Gast gewesen war und die Bibliothek sehr oft betreten hatte . Und jetzt bringt Old Shatterhand sie mir ! Welch ein Wunder , welch ein großes Wunder ! Von wem hast du sie ? « » Von dem Urenkel des Diebes . Ich zeige dir ihn . « Es genügte ein Ruf von mir , so kamen Intschu-inta und der Fackelträger zu uns heraufgestiegen und brachten die beiden Gefangenen mit . Sie wurden von den Apatschenhäuptlingen sofort erkannt . Diese letzteren wollten in laute Ausrufe der Verwunderung ausbrechen , ich aber wehrte ihnen durch eine Handbewegung ab und sagte leise : » Still ! Sie dürfen nicht sehen und hören , wo sie sind ! Ich erzähle nachher . Gibt es hier im Schlosse einen Ort , wo es möglich ist , Gefangene derart aufzubewahren , daß sie weder entfliehen noch von anderen Leuten gesehen werden können ? « » Wir haben sehr gute und sehr sichere Gefängnisse hier , « antwortete Tatellah-Satah . » So mag Intschu-inta sie dort unterbringen und dann wiederkommen . Ich brauche ihn noch . « Tatellah-Satah gab seinem riesigen Diener mit unterdrückter Stimme die nötigen Befehle , worauf dieser sich mit den beiden Medizinmännern und dem Fackelträger entfernte , um sie nach dem Verließ zu schaffen . Da wurde über den Treppenstufen die Tür geöffnet , die ins Freie führte , und das Herzle ließ sich sehen . Es war ihr gelungen , sich rechtzeitig zurückzuziehen . Nun , da sie durch die angelehnte Tür sah , daß ich wieder da war , glaubte sie , sich auch mit sehen lassen zu dürfen . Man kann sich denken , daß dies das Erstaunen der Häuptlinge nicht verringerte . Ich erzählte ihnen , so viel ich zu erzählen für nötig hielt , denn zum vollständigen Mitwisser meiner Ansichten und Pläne wollte ich keinen von ihnen machen . Grad als ich fertig war , kehrte Intschu-inta zurück . Er meldete , daß die Gefangenen fest eingeschlossen , und daß Pappermann und seine Begleiter vom Wasserfalle her auf dem Schlosse eingetroffen seien . Ich teilte ihm mit , daß er mich jetzt noch einmal hinunter in die Höhle zu begleiten und zu diesem Zweck zwei neue Fackeln zu besorgen habe . Das Herzle fragte , ob auch sie dabei sein müsse . Als ich das verneinte , bat mich Tatellah-Satah , ihm meine Squaw anzuvertrauen . Er erwarte