den Flur , auf das geschweifte Geländer der Treppe , auf den alten braunen Schrank mit den Messingschnallen , der zwischen Küchen und Wohnzimmertür stand , auf das Kehrichtfaß in der Ecke , das mit Kartoffelschalen , Käserinden Knochen , Holzspänen und Glassplittern angefüllt war , und auf die Katze , die stets heimlich und genäschig hier herumschlich . Trotz des blitzhaft schnellen Anschauens dieser Dinge schien es Caspar , als ob er sie nie deutlicher und nie so absonderlich gesehen hätte . Als die Klinke eingeschnappt war , ließ der schier unerträgliche Druck , der seine Brust verschnürte , ein wenig nach , und seine Lippen verzogen sich zu einem schalen Lächeln . Dem Lehrer werd ich schreiben , dachte er ; oder nein , besser ist es , selber zu kommen ; wenn der Winter vorbei ist , werd ich kommen und mit dem Wagen vors Haus fahren ; ich werd es einrichten , daß es Nachmittag sein wird , da ist er daheim . Wenn er vors Tor tritt , werd ich ihm nicht die Hand reichen , ich will mich stellen , als ob ich ein andrer wäre , in meinen schönen Kleidern wird er mich ja nicht erkennen . Er wird einen tiefen Bückling machen : » Wollen Euer Gnaden gnädigst eintreten ? « wird er sprechen . Wenn wir im Zimmer sind , stell ich mich vor ihn hin und frage : » Erkennen Sie mich nun ? « Er wird auf die Knie fallen , aber ich reiche ihm die Hand und sage : » Sehen Sie jetzt ein , daß Sie mir unrecht getan haben ? « Er wird es einsehen . » Ei , « sag ich , » zeigen Sie mir doch mal Ihre Kinder und schicken Sie nach dem Polizeileutnant . « Den Kindern werd ich Geschenke bringen , und wenn dann der Polizeileutnant kommt , zu dem werd ich nicht reden , den werd ich nur anschauen , nur anschauen ... Von der Gumbertuskirche schlug es halb vier . Es war noch viel zu früh . Auf dem unteren Markt ging Caspar rings an den Häusern herum . Vor dem Pfarrhaus blieb er eine Weile sinnend stehen . Infolge seiner inneren Hitze spürte er die Kälte kaum . Er sah nur wenige Leute , die , wie vom Wind gepeitscht , schnell vorüberhuschten . Als er sich von der Hofapotheke rechts gegen den Schloßdurchlaß wandte , schlug es dreiviertel . Da rief jemand ; er blickte empor , der Fremde von gestern stand neben ihm . Er trug einen Mantel mit mehreren Kragen und darüber noch einen Pelzkragen . Er verbeugte sich und sagte ein paar höfliche Worte . Caspar verstand ihn nicht , denn der Wind war gerade so heftig , daß man hätte schreien müssen , um einander zu hören . Daher machte der Fremde bloß eine Gebärde , durch die er Caspar bat , mit ihm gehen zu dürfen . Offenbar war selbst eben im Begriff gewesen , den Ort des Stelldicheins aufzusuchen . Bis zum Hofgarten waren es nur noch wenige Schritte . Der Fremde öffnete das Türchen und ließ Caspar den Vortritt . Caspar ging voran , als ob es so sein müsse . Eine Mischung von einfältiger Ergebenheit und ruhigem Stolz zeigte sich in seinem Gesicht , um mit sonderbarer Raschheit einem Ausdruck des Grauens Platz zu machen , denn der Augenblick war zu stark , er konnte seine Wucht nicht ertragen . In dem Zeitraum , den er brauchte , um von dem Pförtchen über den dichtbeschneiten Orangerieplatz zu den Bäumen der ersten Allee zu gehen , durchlebte er in seinem Innern eine Reihe gänzlich unzusammenhängender Szenen aus ferner Vergangenheit , eine Erscheinung , die von Seelenforschern auf dieselbe Wurzel zurückgeführt werden kann wie etwa die , daß ein von einem Turm Fallender während der Zeit des Sturzes sein ganzes Dasein an sich vorübergleiten sieht . Er erblickte zum Beispiel die Amsel , die mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Tisch lag ; dann sah er mit ungemeiner Deutlichkeit den Wasserkrug , aus dem er in seinem Kerker getrunken ; dann sah er eine schöne goldene Kette , die ihm der Lord aus seinen Schätzen gezeigt , womit die angenehme Empfindung verbunden war , die ihm Stanhopes weiße , feine Hand erregte ; ferner sah er sich im Saal der Nürnberger Burg , wohin Daumer ihn geführt , und sein Auge weilte auf der sanften Linie einer gotischen Fensterwölbung mit einem Entzücken , das er damals sicherlich nicht verspürt hatte . Sie kamen zum Kreuzweg , da eilte der Fremde voraus und gab mit erhobenem Arm irgendein Zeichen . Caspar gewahrte hinter dem Gebüsch noch zwei andre Personen , deren Gesichter durch die aufgestellten Mantelkragen völlig verhüllt waren . » Wer sind diese ? « fragte er und zauderte , weil er annahm , hier sei der verabredete Platz . Mit den Blicken suchte er den Wagen . Das Schneegestöber erlaubte jedoch nicht weiter als zehn Ellen zu sehen . » Wo ist der Wagen ? « fragte er . Da der Fremde auf beide Fragen nicht antwortete , schaute er ratlos gegen die zwei hinter dem Gebüsch . Diese näherten sich oder es schien wenigstens so . Sie riefen dem Blatternarbigen etwas zu , erst der eine , dann der andre . Darauf entfernten sie sich wieder und standen dann auf der andern Seite des Wegs . Der Fremde drehte sich um , griff in die Tasche seines Mantels , brachte ein lilafarbenes Beutelchen zum Vorschein und sagte mit heiserer Stimme : » Öffnen Sie es ; Sie werden darin das Zeichen finden , das uns Ihre Mutter übergab . « Caspar nahm das Beutelchen entgegen . Während er sich bemühte , die Schnur zu entknüpfen , durch die es zugebunden war , hob der Fremde einen langen , blitzenden Gegenstand in der Faust und schnellte mit dem Arm gegen Caspars Brust . Was ist das ? dachte Caspar bestürzt .