als du mich in deine Führung nahmst . Ich bin ihm nur durch dich , durch dich entgangen und hab nun jenes Leben angefangen . - - - Wie dank ich dir ! Nun bist du himmlisch mein , die du nur irdisch einst die Meine warst . Laß mich ein Schüler jener Liebe sein , als deren Strahl du dich mir offenbarst . Ich will ihr frei und ohne Falsch gehorchen und sie mir nicht auf andrer Namen borgen . « Er hatte seine beiden Hände ausgestreckt , dem Mondesstrahle entgegen , und sie dann so ineinander gelegt , als ob er zwischen ihnen die Hand einer unsichtbaren Person festhalte . Jetzt machte er eine Bewegung , als ob er diese Hand wieder freigebe , und ließ die letzten Worte folgen , denen er am Schlusse einen schweren Nachdruck gab : » Du lächelst froh , indem du von mir gehst . Die Hände faltend , schaust du himmelan . Ich höre , was du uns von dort erflehst : es ist die Seligkeit für Jedermann . Was macht zum Himmelreich denn schon die Erde ? Ein einz ' ger Hirt und eine einz ' ge Herde ! « Das war das Ende seines heutigen Gesichtes . Er wendete sich nach einiger Zeit nach der andern Seite , und Tsi war überzeugt , daß er nun nicht wieder sprechen werde . Mary , welche drin bei ihrem Vater gesessen hatte , kam jetzt heraus zu uns . Auch sie war tief ergriffen . Wir sprachen noch lange über das , was wir gehört hatten . Kein Wort aber fiel darüber , ob der Zustand , in welchem Waller diese Visionen hatte , für ihn vielleicht gefährlich sei . Wir waren überzeugt , daß Tsi in diesem Falle unbedingt Einhalt getan hätte . Einer andern Frage aber mußte ich Worte geben : » Glauben Sie , daß Mr. Waller weiß , was er spricht ? « » Alles , Alles weiß er , jedes Wort , « antwortete der Arzt . » Haben Sie es ihm nicht angehört , daß er während des Sprechens überlegt ? Er bekommt das , was wir von ihm hören , zunächst nicht etwa für uns , sondern für sich selbst . Er hört es , wie wir hören , wenn gesprochen wird ; er könnte es schweigend entgegennehmen ; aber er spricht es laut und deutlich aus , weil es ihm dadurch leichter wird , es sich zu eigen zu machen . Er prägt es seinem Gedächtnisse ein , und wenn er es auch nicht wörtlich behält , so nimmt er doch ganz gewiß wenigstens den Sinn aus dem visionären Zustande mit herüber in das körperliche Leben . Hier bewegt und entwickelt er es in sich weiter . Er kann sich dieser Einwirkung des Jenseits nicht entziehen ; sie ist für ihn maßgebender und glaubwürdiger , als die Meinungen aller irdischen Autoritäten , und so kommt es , daß seine Ansichten ganz andere werden , als sie früher gewesen sind . Er wird das , was man nicht hier , in dieser Welt der Irrsale , sondern dort in jenem Reiche klar gewordener Geister einen Christen nennt . « » Geister ? Vielleicht auch Seelen ? « fragte Mary . » Glauben Sie , daß sie den Menschen sagen können , was meinem Vater gesagt worden ist ? Sie befinden sich doch in der Ewigkeit ; wir aber sind noch hier auf der Erde ! « » Ewigkeit und Erde schließen einander doch nicht aus , « erklärte Tsi . » Die Ewigkeit ist vor uns , hinter uns , neben und rund um uns . Wir befinden uns in ihr . Unsere Erde ist eines der winzigen , ununterbrochen im Kreise rinnenden Körnchen der nie sich erschöpfenden , nie sich leerenden Sanduhr der Ewigkeit . Es ist einer der größten und unverzeihlichsten Gewohnheitsirrtümer , anzunehmen , daß die Ewigkeit für uns erst nach unserm Tode beginne . Wir leben in ihr und gehören zu ihr , wie die von Ihnen erwähnten Geister und Seelen zu ihr gehören . Wenn Ihr Glaube diese Seelen in die Ewigkeit versetzt , in welcher Sie sich doch in Wirklichkeit schon selbst auch befinden , so sagt er doch weiter nichts , als daß sie hier bei Ihnen geblieben sind . Und ist dies der Fall , so ist es doch ganz selbstverständlich , daß diese Geister nicht nur auf uns wirken können , sondern sogar auf uns wirken müssen , besonders da es für sie keine körperlichen und räumlichen Verhältnisse gibt , durch welche sie daran gehindert werden . Für uns Chinesen ist das etwas so unendlich Selbstverständliches , daß wir mit unsern nur scheinbar Abgeschiedenen in der lieben , dankbaren Weise verkehren , welcher Sie so unberechtigter Weise die Bezeichnung Ahnenkultus gegeben haben . Ich sage Ihnen , daß es für Andere von unermeßlichem Vorteile sein würde , wenn auch ihnen endlich die Erkenntnis käme , daß sie durch ihren Unglauben in dieser Beziehung zu einer lieblosen Entfremdung mit Denen geführt werden , welche sich in diesem Leben für uns opferten und sich auch in jenem weiter für uns opfern , ohne daß wir es ihnen hier danken konnten , es ihnen also nun dort danken sollen ! Sie sind da ; sie sind hier bei uns ; ich schwöre es Ihnen zu ! Nun denken Sie sich ihr Herzeleid , ihre Trauer darüber , daß Sie sie von sich verstoßen und nichts von ihnen wissen wollen , und zwar nur aus dem ganz unzureichenden Grunde , daß Ihre materiellen Sinne nicht fein genug sind , das Geistige zu schauen , zu empfinden ! Es sind bittere Schmerzen , welche Sie dadurch den teuren Wesen bereiten , welche Ihnen hier in der Zeit nahe gestanden haben und auch hier in der Ewigkeit nahe bleiben sollen . Gibt es denn für Euch doch sonst so kluge Menschen kein Mittel , Euch von dieser geistigen Kurzsichtigkeit zu befreien