auf eine Ebene , wo man sogar in finstrer Nacht gefahrlos galoppieren kann , weil der Boden so glatt und sicher ist wie hier die Bretterdiele . « Hier mußte unsere Unterredung ein Ende nehmen , denn wir sahen Dschafar aus dem Wartturme kommen , den Brief an den Schah in der Hand . Da gingen wir hinab , um Kara noch einige Worte und Wünsche mitzugeben . Sein Vater hatte sich das Bett ganz vor an den Rand des Daches schaffen lassen , um den Sohn fortreiten zu sehen . » Allah begleite dich , mein Liebling ! « rief er herab . » Sag dem Schah-in-Schah unsern Dank . Den nächsten Brief werde ich ihm selber bringen ! Nun geh , und komm zurück , wie du gegangen bist : gesund und mit einem Schreiben ! « Nur wenige Minuten später stand ich hinten bei den Pferden . Ich schaute zum See hinab . Da sah ich Kara und seinen Begleiter schon weit über demselben draußen . Es ist fast unglaublich , was so ein ächtes , gutgezogenes Bischarikamel zu leisten vermag ! Hierauf ging es zur Kalteschale . Sie war vortrefflich . Wenigstens hatte sie nichts von der Aufregung an sich , in welcher ich mir ihre festjungfräuliche Zubereiterin noch immer dachte . Dann pflegte ich der Ruhe , bis es oben und unten still geworden war und ich kein Licht mehr brennen sah . Da holte ich mein Sattelzeug und ging zu Syrr hinab . Er lag mit Assil abseits von den andern Pferden . Der Mond schien . Als sie den Sattel sahen , standen sie beide auf . Sobald ich aber Syrr zu zäumen begann , legte Assil sich wieder nieder . Er war so sehr verständig ! Ich war natürlich neugierig auf das nun Folgende . Würde es gelingen ? Ich stieg auf . Die Füße in die Bügel . Eben wollte ich die Unterschenkel anlegen ; da ging der Rappe auch schon vorwärts . Es gab bis in die Ruinen mehrere Biegungen . Kaum dachte ich an die Schwenkung , so war sie schon gemacht . Welch ein feines Empfinden ! Und dieser ruhige , sichere Schritt ! Leichter , hochgraziöser Rhytmus auf fester Baßunterlage ! Drüben ging es am Turm vorüber , auf die Steinbrüche zu . Da stand rechts dichtes Strauchwerk . Bei demselben angekommen , blieb Syrr stehen , ohne angehalten worden zu sein . » Wer ist hier ? « fragte ich , den Blick scharf auf die Büsche richtend . » Du bist es , du , Effendi , « antwortete es . » Da darf ich hervorkommen . Ich glaubte nicht , daß du schon wieder reiten könntest , und hielt dich darum für einen Andern . « Es war der Aschyk . » Hattest du hier zu tun ? « fragte ich . » Ja , « antwortete er . » Ich wache ! Hast du mein Paket gefunden ? Kannst du es verwerten ? « » Sehr gut . Ich danke dir ! « » So bitte ich dich , mich still gewähren zu lassen ! Du sollst nicht herabgezogen werden , in das Gemeine , wo du nicht hingehörst . Laß das mir lieber über ; mir schadet der Schmutz nicht so wie dir ! Ich bin ihn ja gewöhnt . Ich vermute , daß du morgen die Päderan belauschen willst . Auch das ist Schmutz , vielleicht der allergrößte . Wirst du trotzdem kommen ? « » Ganz bestimmt ! « » So beschwere dich mit nichts . Ich bin sicher da und helfe dir herauf in das Versteck . « » Verkehrst du noch mit unsern Gegnern ? « » Laß mich hierüber schweigen , Effendi ! Ich darf dein Gewissen nicht beschweren . Aber wenn ich dir einen Wink gebe , so folge ihm mit Vertrauen . Es nahen schwere Zeiten . Ich will sie dir erleichtern . Und dann , dann geht mir vielleicht der größte Wunsch in Erfüllung , den ich in meinem Herzen trage . « » Welcher ? « » Bei uns ist der Hund verachtet . Bei euch im Abendlande aber wird er geschätzt . Da ist er der Freund , der Wächter , der Beschützer der Menschen . Effendi , prüfe mich jetzt , und wenn du mich als treu befunden hast , so laß mich dein Wächter sein , dein Hund , der dich begleitet , so lange du in diesen Gegenden bist ! Der mit dir hungert und dürstet , im Regen und im Sonnenbrande vor deinem Zelte liegt , jeden Feind zerreißt , der sich an dich drängen will , und lieber stirbt , als daß er dir ein Leid zufügen läßt ! Willst du ? « » Da du es wünschest , werde ich dich - - nicht prüfen , denn das ist nicht mehr nötig ; ich vertraue dir - - aber meinen Freunden Zeit geben , dasselbe Vertrauen wie ich zu dir zu fassen . Dann - - doch hierüber später ! « » Das ist mehr , als ich erwartete . Allah vergelte es dir ! « Bei diesen Worten entfernte er sich , nicht hinter das Gesträuch zurück , sondern nach dem Steinbruche hin , an welchem ich dann vorüberritt , um hinab auf den Weg nach Nordwest zu kommen . Ich folgte ihm genau so , wie der Ustad mich bedeutet hatte und war nach einer Viertelstunde oben auf der Ebene , die wie ganz besonders für meinen Zweck gebildet war . Und nun ging ich an die Arbeit . Arbeit ? Falsch , grundfalsch ! Ein Vergnügen ist es , ein hochdankbares Studium , die Gedanken eines edlen Pferdes zu erraten und sie mit ihm auszuführen ! Ich habe wohl viele , viele Reiter kennen gelernt , gute und schlechte , unter ihnen aber nur einen einzigen , der mit mir darin einig war , daß das Pferd auch einmal Etwas selbstwollen dürfen muß