in der ganzen Welt bekannter Mann . Ich bin ein kleiner Musikadschi133 , den man nur hier in dieser Gegend kennt . Und grad darum bin ich wahrscheinlich glücklicher als mein berühmtes Ebenbild . Ich habe keine Feinde ! - Der Pedehr sagte mir , daß du auf unsern Gesang aufmerksam worden seiest . Was du vernommen hast , war nur eine Uebung , nach welcher du nicht urteilen darfst . « » Das thue ich auch nicht . Dennoch hat das , was ich hörte , mich zum Nachdenken angeregt . « » Zum Nachdenken ? Also treibst du auch Musik ? Denn bei wem dies nicht der Fall ist , für den pflegt sie nur vorhanden zu sein , um gehört , nicht aber begriffen zu werden . « Ich sah ihn erstaunt an . Ein Kurde brachte die Musik mit dem menschlichen Begriffsvermögen in Verbindung ! Er war also Musikphilosoph ! Dieser Gedanke wollte mich zum Lächeln bringen ; ich unterdrückte es aber glücklicherweise . Der Ort , an dem ich mich befand , hatte mich schon öfters überzeugt , daß europäischer Hochmut grad hier noch viel weniger als sonst irgendwo berechtigt sei . Auch sah dieser Mann gar nicht darnach aus , als ob er über einen hohen , ihm unbekannten Gegenstand in kindischer Ueberhebung schwatzen oder faseln könne . Da ihm meine Ueberraschung nicht entging , so erkundigte er sich : » Du scheinst anderer Meinung zu sein . Habe ich etwas Unüberlegtes gesagt ? « » Nein . Ich schließe ganz im Gegenteile aus deinen Worten , daß du sehr wohl zu überlegen verstehst . Du hast über Musik sehr oft und gründlich nachgedacht ? « » Nicht nur sehr oft , sondern auch sehr gern , gründlich aber nicht . Kein Mensch darf sich rühmen , derartigen schweren Fragen bis auf den Grund zu dringen . Selbst dann , wenn einst unser Geschlecht auf Erden ausgestorben ist , wird das Reich der Töne unerforscht geblieben sein . Ich habe gehört , daß die größten Gelehrten sich mit dieser Forschung befaßt haben und auch noch heut befassen . Es ist vergeblich gewesen . Ich bin kein Gelehrter . Ich baue meinen Garten und mein Feld und hüte meine Schafe . Ich pflege dabei die Musik ganz aus demselben Grunde , aus welchem ich esse und trinke , atme , wache und schlafe ; es ist der Befehl der Natur , dem ich gehorchen muß . Das eine beschäftigt meine Gedanken ganz ebenso wie das andere . Diese Gedanken können nicht gelehrt , nicht weise sein , denn ich habe keine Schule besucht , in der man lernt , wie man gelehrt zu denken hat . Sie strengen mich nicht an ; ich gebe mir keine Mühe , sie zu finden ; sie kommen mir wie die Luft , indem ich Atem hole ; sie sind so leicht , so einfach , so selbstverständlich . Ich würde wohl mit keinem Gelehrten über Musik sprechen können , und doch ist es mir ganz so , als ob ich mich dessen , was ich von ihr denke , nicht zu schämen brauchte . Wenn jemand spricht , wenn er singt , wenn er musiziert , so hörst du Töne . Was aber ist der Ton ? Ist er es selbst , den du hörst ? Oder sind es nur die luftigen Falten seines Gewandes , welche an dein Ohr schlagen ? Was für Töne giebt es wohl ? Etwa viele ? Oder giebt es nur einen einzigen , der sich aber nach der Verschiedenheit der Personen und der Werkzeuge auch verschieden offenbart ? So giebt es auch nur eine einzige Liebe , die sich aber bei jedem Geschöpf und in jedem Augenblicke anders zeigt . Dieser Ton ist von Chodeh allen Menschen gegeben worden ; sie wären ja nicht Menschen ohne ihn . Er ist ihnen so notwendig wie das Licht , ohne welches sie nicht leben könnten . Die Natur giebt täglich neue Strahlen und täglich neue Töne . Sie kommen von dem einen Lichte und von dem einen Tone . Der Mensch besitzt Organe , beide , die Strahlen und die Töne , in sich aufzunehmen . Und er hat oder macht sich Werkzeuge , beide hervorzubringen , weil dies für die Fortexistenz der Menschheit unentbehrlich ist . Werden die Töne in einfacher , natürlicher Weise hervorgebracht , so bilden sie die Sprache . Erweckt , gebraucht und vereinigt er sie nach künstlerischen Regeln , so hat er das hervorgebracht , was wir Musik zu nennen pflegen . Je mehr er sich mit dieser seiner Kunst von der Natur entfernt , desto schwerer zu begreifen wird ihre Sprache sein . Ja , es kann wahrscheinlich vorkommen , daß man sie gar nicht mehr zu verstehen vermag . Darum meine ich : Wer Musik für andere macht , um begriffen zu werden , der soll der Natur so nahe wie möglich bleiben . Der unmittelbare Nachbar der Natur ist der Gesang , den jedermann versteht , weil er nicht auf das Wort verzichtet hat . Wir lieben ihn und pflegen ihn . Er ist ein trauter Freund , der nicht in Rätseln sondern offen mit uns spricht . Ja , dieser Freund ist sogar mit uns verwandt , ist hier geboren , ist unser eigenes Kind , denn was wir singen , machen wir uns selbst ! Die Janitscharenmusik , welche in Teheran und Isfahan zu hören ist , bringt uns keinen einzigen Gedanken , den wir begreifen und liebgewinnen könnten . Ist das auch Musik , Effendi ? Wenn die höchste Stufe der Kunst die ist , auf welcher sie mit der Natur nichts zu schaffen hat , so mußt du zugeben , daß ihr eigentlicher Zweck nur der sein kann , das Ohr mit unbegreiflichem und blödem Lärm zu füllen . « Er hatte langsam und bedächtig gesprochen , aber doch fließend und in einer Weise , die mir deutlich sagte , daß er