höher gelegene Ravello bevorzugen . Dann erst über Sorrent nach Capri , dem eigentlichen Ziel unsrer Reise . Wir werden nicht bei Pagano wohnen , wo , bei allem Respekt vor der Kunst , zuviel Künstler sind , sondern weiter abwärts , etwa auf halber Höhe . Wir haben von hier aus eine Empfehlung . In acht Tagen sind wir sicher da . Sorge , daß wir dann einen Brief von Dir vorfinden . Vorher sind wir so gut wie unerreichbar , ein Zustand , den ich mir als Kind immer gewünscht und mir als etwas ganz besonders Poetisches vorgestellt habe . Küsse meinen alten Papa . Nach Stechlin hin tausend Grüße , vor allem aber bleibe , was Du jederzeit warst : die Schwester , die Mutter ( nur nicht die Tante ) Deiner glücklichen , Dich immer und immer wieder zärtlich liebenden Armgard . Armgards Brief kam kaum zu seinem Recht , weil sowohl der alte Graf wie Melusine ganz der Erwägung lebten , ob es nicht , trotz Armgards gegenteiliger Vorwegversicherung , vielleicht doch noch möglich sein würde , das junge Paar irgendwo telegraphisch zu erreichen ; aber es ging nicht , man mußt es aufgeben und sich begnügen , allerpersönlichst Vorbereitungen für die Fahrt nach Stechlin hin zu treffen . Des alten Grafen Befinden war nicht das beste , so daß seitens des Hausarztes sein Fernbleiben von dem Begräbnis dringend gewünscht wurde . Daran aber war gar nicht zu denken . Und so brachen denn Vater und Tochter am Sonnabend früh nach Stechlin hin auf . Jeserich wurde mitgenommen , um für alle Fälle zur Hand zu sein . Es war Prachtwetter , aber scharfe Luft , so daß man trotz Sonnenschein fröstelte . In dem alten Herrenhause zu Stechlin sah es am Begräbnistage sehr verändert aus ; sonst so still und abgeschieden , war heute alles Andrang und Bewegung . Zahllose Kutschen erschienen und stellten sich auf dem Dorfplatz auf , die meisten ganz in Nähe der Kirche . Diese lag in prallem Sonnenschein da , so daß man deutlich die hohen , in die Feldsteinwand eingemauerten Grabsteine sah , die früher , vor der Restaurierung , im Kirchenschiff gelegen hatten . Efeu fehlte ; nur Holunderbüsche , die zu grünen anfingen , und dazwischen Ebereschensträucher wuchsen um den Chor herum . Der Tote war auf dem durch Palmen und Lorbeer in eine grüne Halle umgewandelten Hausflur aufgebahrt . Adelheid machte die Honneurs , und ihre hohen Jahre , noch mehr aber ihr Selbstbewußtsein , ließen sie die ihr zuständige Rolle mit einer gewissen Würde durchführen . Außer den Barbys , Vater und Tochter , waren , von Berlin her , noch Baron und Baronin Berchtesgaden gekommen , ebenso Rex und Hauptmann von Czako . Rex sah aus , als ob er am Grabe sprechen wolle , während sich Czako darauf beschränkte , das gesellschaftliche Durchschnittstrauermaß zu zeigen . Aber diese Berliner Gäste verschwanden natürlich in dem Kontingent , das die Grafschaft gestellt hatte . Dieselben Herren , die sich - kaum ein halbes Jahr zurück - am Rheinsberger Wahltage zusammengefunden und sich damals , von ein paar Ausnahmen abgesehen , über Torgelows Sieg eigentlich mehr erheitert als geärgert hatten , waren auch heute wieder da : Baron Beetz , Herr von Krangen , Jongherr van dem Peerenboom , von Gnewkow , von Blechernhahn , von Storbeck , von Molchow , von der Nonne , die meisten , wie herkömmlich , mit sehr kritischen Gesichtern . Auch Direktor Thormeyer war gekommen , in pontificalibus , angetan mit so vielen Orden und Medaillen , daß er damit weit über den Landadel hinauswuchs . Einige stießen sich denn auch an , und Molchow sagte mit halblauter Stimme zu von der Nonne : » Sehn Sie , Nonne , das ist die Schmetterlingsschlacht von der man jetzt jeden Tag in den Zeitungen liest . « Aber trotz dieser spöttischen Bemerkung wäre Thormeyer doch Hauptgegenstand aller Aufmerksamkeit geblieben , wenn nicht der jeden Ordensschmuck verschmähende , nur mit einem hochkragigen und uralten Frack angetane Edle Herr von Alten-Friesack ihm siegreiche Konkurrenz gemacht hätte . Das wendisch Götzenbildartige , das sein Kopf zeigte , gab auch heute wieder den Ausschlag zu seinen Gunsten . Er nickte nur pagodenhaft hin und her und schien selbst an die vom ältesten Adel die Frage zu richten : » Was wollt ihr hier ? « Er hielt sich nämlich ( worin er einer ererbten Geschlechtsanschauung folgte ) für den einzig wirklich berechtigten Bewohner und Vertreter der ganzen Grafschaft . Das waren so die Hauptanwesenden . Alles stand dichtgedrängt , und von Blechernhahn , der in bezug auf » Schneid « beinah an von Molchow heranreichte , sagte : » Bin neugierig , was der Lorenzen heute loslassen wird . Er gehört ja zur Richtung Göhre . « » Ja , Göhre « , sagte von Molchow . » Merkwürdig , wie der Zufall spielt . Das Leben macht doch immer die besten Witze . « Weiter kam es mit dieser ziemlich ungeniert geführten Unterhaltung nicht , weil sich , als Molchow eben seinen Pfeil abgeschossen hatte , die Gesamtaufmerksamkeit auf jene Flurstelle richtete , wo der aufgebahrte Sarg stand . Hier war nämlich , und zwar in einem brillant sitzenden und mit Atlasaufschlägen ausstaffierten Frack , in eben diesem Augenblicke der Rechtsanwalt Katzenstein erschienen und schritt , nachdem er einen Granseeschen Riesenkranz am Fußende des Sarges niedergelegt hatte , mit jener Ruhe , wie sie nur das gute Gewissen gibt , auf Adelheid zu , vor der er sich respektvollst verneigte . Diese bewahrte gute Haltung und dankte . Von verschiedenen Seiten her aber hörte man leise das Wort » Affront « , während ein in unmittelbarer Nähe des Edlen Herrn von Alten-Friesack stehender , erst seit kurzem zu Christentum und Konservatismus übergetretener Katzensteinscher Kollege lächelnd vor sich hin murmelte : » Schlauberger ! « Und nun war es Zeit . Der Zug ordnete sich , Militärmusik aus der nächsten Garnison schritt vorauf ;