Zuckerdose befand , hin und her und begleitete die Unterhaltung durch beständiges Klingeln und Bellen . Der Geheimrat empfand dies ersichtlich als eine Störung , und Kathinka , jede seiner Mienen verfolgend , benutzte die Gelegenheit , um eine Pause zu gewinnen . Sie erhob sich deshalb von ihrem Stuhl , holte die Dose herbei , und eines der Zuckerstücke zerbeißend und zerbrechend , warf sie dem Windspiel , das sich sofort beruhigte , die Krümel zu . Dann tauchte sie den Zipfel ihres Taschentuchs in das Bassin , benetzte ihre Fingerspitzen und sagte : » Deine Frage zu beantworten , Papa , ja , ich habe den Grafen gern . « Der Geheimrat lächelte . » Das wird dem Grafen nicht genügen , Kathinka . Wenn du glaubst , daß er dich liebt , so wirst du dir Rechenschaft geben müssen , ob du seine Neigung erwidern kannst . « » Ich kann es . « » Und du wirst es ? « Sie schwieg ; man hörte den Pendelschlag der Uhr . Endlich sagte der Geheimrat : » Du hast mir genug gesagt , Kathinka , auch durch dein Schweigen . Ich ersehe eins daraus , eins , auf das ich Gewicht lege , daß du , statt einfach dem Zuge deines Herzens zu folgen , Rücksicht nimmst auf das , was mein Wunsch ist . « Kathinka wollte antworten , der Geheimrat aber wiederholte : » Auf das , was mein Wunsch ist « , und fuhr dann fort : » Aber auch dieser Wunsch ist unbeugsam und unabänderlich , und ich kann ihn deinen Wünschen nicht unterordnen . Es verbietet sich . Höre mich . Die Tante wünscht die Partie mit Lewin ; ich wünsche sie auch ; aber ich bestehe nicht darauf . Worauf ich bestehe , das ist allein die Nichtheirat mit Bninski . Sie darf nicht sein , sosehr der Graf persönlich meine Sympathien hat . Die Ladalinskis sind aus Polen heraus , und sie können nicht wieder hinein . Ich habe die Brücken abgebrochen . Ob das Geschehene das allein Richtige war , ist nicht mehr zu befragen ; es genügt , daß es geschehen ist . « » Es war ein Scherz , Papa « , nahm jetzt Kathinka das Wort , » daß ich von Prinz und Prinzessin und von einer Verbindung zweier regierender Häuser sprach . Es hat dich verdrossen , und ich bedaure es . Aber hatt ich nicht eigentlich recht ? Der Graf , wie du dich ausdrückst , hat persönlich deine Sympathien ; er ist reich , angesehen , ehrenhaft , und unsere Herzen und Charaktere stimmen zueinander . Und doch ist alles umsonst , weil es , vergib mir den Ausdruck , in deine Diplomatie nicht paßt . Der gütigste der Väter , immer bereit , mir jeden kleinsten Wunsch zu erfüllen , versagt mir den größten , weil es ihm seine politischen Pläne stört , weil es ihn kompromittiert . « » Ich lasse das Wort gelten , aber in meinem Sinne . Die Furcht vor Kompromittierung ist nicht immer kleinlich und untergeordnet , sie kann auch berechtigt und Existenzfrage sein . Sie ist es für mich . Es handelt sich nicht um Einbildungen oder einen launenhaften Einfall ; all dies berührt meine Ehre mehr , als du glaubst . Ein Mißtrauen gegen mich hat nie geschwiegen , auch nicht nach meinem Übertritt . Von dem Augenblicke an , wo du nach Polen zurückkehrst , mit meiner Zustimmung an der Seite eines Mannes , dessen preußenfeindliche Gesinnungen kein Geheimnis sind , gebe ich dem Verdachte Nahrung , in meiner jetzigen Stellung , die mich Einblick in so manches gewinnen ließ , nur ein Aufhorcher gewesen zu sein . Ich wiederhole dir , was du selber weißt , nur widerstrebend ist die Gesellschaft dem Vertrauen gefolgt , das mir der Hof entgegenbrachte , und büße ich dieses Vertrauen ein , sehe ich es auch nur erschüttert , so schwindet mir der Balken unter den Händen fort , der nach dem Schiffbruch meines Lebens mich noch trägt . Lächle , wer mag . Ich bedarf der Gunst des Königs , der Prinzen ; wird mir diese Gunst genommen , so bin ich zum zweiten Male heimatlos . Und davor erschrickt mein Herz . Nenne das politisch oder nenn es Furcht vor Kompromittierung . Was es auch sein mag , es ist Sache meines Lebens , nicht meiner Eitelkeit . « Kathinka schritt auf den Vater zu , ihm die Stirn küssend , während sie ihren Arm um seine Schulter legte . Dann sagte sie : » Laß mich dir wiederholen , es ist noch kein Wort zwischen mir und dem Grafen gefallen . Ich glaube , daß er absichtlich eine Erklärung vermeidet , denn - um ihn auch vor dir zu verklagen - er hat wie du die Untugend , politisch zu sein . Soviel ich weiß , trägt er sich mit dem Gedanken , wieder in die polnische Armee des Kaisers einzutreten . Gerade der gegenwärtige Augenblick scheint einen solchen Schritt zu fordern . Was aber auch kommen möge , eines verspreche ich : dich für meine Person weder mit Wünschen noch Bitten zu beunruhigen . Ich werde schweigen , und nichts soll durch mich geschehen , das deine Stellung nach oben hin gefährden oder deine Zugehörigkeit zu diesem Lande neuen Verdächtigungen aussetzen könnte . « Dem Geheimrat entging nicht , daß die Worte Kathinkas , trotz eines scheinbaren Eingehens auf seine Wünsche , mit besonderer Vorsicht gewählt waren . Aber er empfand gleichzeitig , daß es zu nichts führen würde , sich minder zweideutiger Zusagen versichern zu wollen . So ließ er es sich an dem halben Erfolge genügen und brach die Unterredung ab . » Es wäre mir lieb « , so schloß er , » du schriebest einige Worte an die Tante . Störe ihr ihre Pläne nicht . Auch um deinetwillen nicht . Die Tage wechseln und wir mit ihnen .