Sie nicht benachrichtigt , daß ich überhaupt das Vertrauen der armen Angelika angenommen habe . Aber das erregte Herz verlangt sich auszusprechen , und da mir der Eindruck , welchen jener junge Mann auf die Baronin seit dem ersten Tage seiner Ankunft gemacht hatte , nicht entgangen war , wußte ich keine besseren Hände für die Bewahrung des traurigen Geheimnisses , als die meinigen . Ich brachte sie dahin , sich mitzutheilen , ich selbst enthüllte ihr , was in ihrer Seele vorging , damit sie sich dem Zuge nicht blindlings und ahnungslos überließ ; ich that , was in meinen Kräften stand , sie zu zerstreuen . O , es war nicht meinetwegen , daß ich Sie immer wieder antrieb , neue Gäste einzuladen , auf neue Vergnügungen zu sinnen ! Und es ist wahr , die Baronin hat mit sich gekämpft , mit sich gerungen lange Zeit ; aber Sie kennen das Frauenherz und seinen zärtlichen Eigensinn ! Sie kennen die unbezwingliche Gewalt der Leidenschaft ! - Sie brach plötzlich in ihrer Rede ab . Ja , ich kenne sie , sprach der Freiherr dumpf , ich kenne sie ! - Er erhob sich und trat an das Fenster . Die Nacht war sehr finster . Eine Weile ließ die Herzogin ihn stehen , dann näherte sie sich ihm , legte ihren Arm leise auf den seinigen und sagte : Es thut Ihnen nicht gut , mein Freund , so schweigend in das Dunkel hinaus zu sehen . Richten Sie sich auf , mein Freund ! Es giebt kein Uebel , das unheilbar wäre , wenn man es ernstlich zu heilen wünscht ! Sie irren , meine Freundin ! entgegnete der Freiherr . O , rief sie , ich glaube an das Eisen , das die Wunde heilen kann , welche es geschlagen ! Eine Fabel , eine Fabel , wie so vieles Andere , an das wir auch geglaubt haben ! bedeutete er mit trübem Lächeln . Lassen Sie es mich wenigstens versuchen , mein Cousin ! bat die Herzogin . Des Freiherrn Züge belebten sich . Heißt das , daß Sie nicht von uns gehen , Margarethe ? Könnte ich Sie und unsere arme Angelika sich in solchem Zustande einander überlassen ? rief sie . Muß ich denn nicht bleiben , um von Ihnen zu erlangen , was Sie mir gewähren , gleich jetzt gewähren müssen ? Sprechen Sie , sprechen Sie , meine theure Margarethe ! sagte der Freiherr . Ich verlange nichts für mich , und doch ist es die höchste Beruhigung für mein Herz , die ich begehre , sagte sie . Ich verlange , daß mein Freund , der selbst im Leben viel geirrt und viel gefehlt hat , und mancher Vergebung benöthigt gewesen ist , seiner Gattin verzeihe , und daß ich es sei , der den Verzeihenden , den Versöhnten noch an diesem Abende wieder zu ihr führt ! Der Freiherr antwortete nicht . - Ich kann nicht verzeihen , was erlitten zu haben ich nicht vergessen kann ! entgegnete er endlich , und die frühere Düsterkeit lagerte sich wieder über sein Antlitz . So beruhigen Sie wenigstens die Frau , welche Ihnen Ihren Sohn geboren hat , befreien Sie ihr den Sinn , damit das Kind nicht weiter von ihrer Schwermuth leide , und lassen sie die Zeit walten und mich versuchen , was die Freundschaft kann ! bat sie aufs Neue und noch dringender , als zuvor . Sie sind der gute Engel unseres Hauses ! rief der Freiherr . Nicht doch , nur eine verläßliche alte Frau , entgegnete ihm die Herzogin , nur eine Frau , der es die höchste Befriedigung gewähren würde , Ihnen endlich einmal zu irgend etwas nütze sein zu können . Sie reichte dem Baron die Hand , er küßte sie ihr , und ihren Arm in den seinen legend , gingen sie ohne zu sprechen mehrmals in dem Gemache auf und ab , bis der Freiherr das Wort nahm und sie bat , ihr Vermittleramt nun auch zwischen ihm und dem Marquis zu üben , da er sie nicht der Gesellschaft ihres Bruders zu berauben und ihr den Aufenthalt in diesem Schlosse dadurch für die Zukunft nicht weniger angenehm zu machen wünsche . Aber davon wollte sie nicht hören . Es sei nöthig , sagte sie , ihrem von ihr verwöhnten Bruder zu beweisen , was er hier in der großmüthigen Gastfreundschaft des Freiherrn besessen und leichtsinnig verscherzt habe , nöthiger noch , daß er strebe , sich eine ihm angemessene Thätigkeit im Heere oder sonst im Dienste des Königs zu suchen , bei welcher sein lebhafter Sinn sich genug thue , seine Anlagen und Kenntnisse ihre entsprechende Verwerthung finden könnten . Ihr Bruder sei zu jung , um dauernde Befriedigung in dem Stillleben zu finden , auf das zu verzichten sie ein großes Opfer gekostet haben würde ; und da der Freiherr ihre Meinung theilte , verstand es sich von selbst , daß er sich erbot , den Scheidenden mit den Empfehlungen und Anweisungen auszurüsten , deren er für die Erreichung seiner Zwecke bedürftig sein konnte . Er sagte sodann , daß er ihr sofort die Summe senden werde , um welche sie ihn gebeten hatte , und ersuchte sie selbst , ihm darüber den gewohnten Schuldschein auszufertigen . Sie schellte ihrer Kammerfrau . Packen Sie mein Schreibzeug wieder aus und bringen Sie es her ! befahl sie . Das Gespräch zwischen ihr und dem Freiherrn beschäftigte sich ausschließlich mit dem Marquis . Während sie dann den Schuldschein unterzeichnete , sagte sie mit einem tiefen Seufzer : Das wird hinreichen , seine Bedürfnisse zu decken , bis er eine Anstellung erhält . Nicht doch , nicht doch , rief der Freiherr , welcher ihr einen Beweis zu geben wünschte , wie lieb es ihm sei , sie bei sich behalten zu können , diese Summe muß Ihnen bleiben , Sie können sich deren nicht entäußern , Theuerste ! Den Marquis