ihr alle Wünsche mit stolzer Freude erfüllt - wenn er auch daneben sich selbst so wenig als ihr jeden erlaubten , sich selbst auch keinen unerlaubten Wunsch versagte . Sie hatten immer in Eintracht neben einander gelebt , wenn auch weder mit- noch für einander . Und so gesellte sich zu Elisabeth ' s Selbstvorwürfen auch das tiefste Mitleid für den so ganz verlassen und qualvoll Gestorbenen , dem sie gern die aufmerksamste Pflegerin gewesen wäre . Als sie dies Alles schon fühlte , noch ehe es klar zu denken oder auszusprechen , war sie der Ueberzeugung , daß er bei irgend einem schwelgerischen Nachtmahl sich übernommen , zu Hause und im Bette sich habe erholen wollen und vom Schlag gerührt worden sei , wie gerade oft bei den kräftigsten Körpern ein plötzlicher Tod erfolgen kann . Aber da der Doktor und Bader kamen und die Leiche untersuchten , da schüttelten Beide bedenklich Achseln und Köpfe , murmelten erst heimlich zusammen , und sprachen es dann laut aus vor dem ahnenden Schwager und der schönen Wittwe , die selbst mit forschte nach dem Urtheil der gelehrten Herren : » Es ist nicht anders möglich : Euer Eheherr ist an Gift gestorben ! Der ganze Zustand des Leichnams bezeugt es - und da , auch am Boden diese dunklen Flecke von einer ätzenden Flüssigkeit . Waren diese schon früher ? « Elisabeth starrte auf die bezeichnete Stelle , nicht weit von dem Bette , auf die sie vorher noch nicht gesehen . Sie wußte es genau , gestern waren diese Flecke noch nicht : ein großer schwarzer Fleck und dann nach den Seiten gespritzt kleinere dunkle Punkte , wie wenn etwas von oben herab vergossen worden wäre . Gift ! Aber wie war das möglich ? Der lebenslustige , glückliche Scheurl war keines Selbstmordes fähig ! das sagten Alle , das behauptete auch Elisabeth . Man durchsuchte das ganze Zimmer ; es hätte sich in diesem Falle vielleicht noch ein Gegenstand finden müssen , der das Gift enthalten , aber es war keiner aufzufinden . Aber welche fremde Hand sollte es gethan haben ? Der ganzen Dienerschaft war er ein gütiger , freigebiger Herr , ebenso erwies er sich fast der ganzen Stadt , und man konnte wohl sagen , daß er keinen Feind hatte in ganz Nürnberg , daß kein Haß ihn traf , der seiner Person gegolten hätte . Es gab Leute genug , die sich über ihn lustig machten und ihn beneideten - aber man wußte keine , die an ihm etwas zu rächen gehabt , oder denen er bei Erreichung irgend eines Zieles im Wege gewesen wäre . Elisabeth sprach das selbst aus und wollte an den Mord so wenig glauben wie an den Selbstmord - aber Georg nahm sie leise bei der Hand , daß sie nicht weiter so sprechen sollte , und der Bader sagte bedenklich : » Der Gemahl der schönsten Nürnbergerin konnte wohl Feinde haben , denen er im Wege war . « Elisabeth schauderte - aber im nächsten Augenblick sagte sie : » Sendet nach den Schöppen ; das Entsetzlichgeschehene muß auf das strengste untersucht werden - man wird mir den Tod des Gatten rächen helfen , der zu den ersten Geschlechtern und Rathsherren dieser Stadt gehört . « » Und dabei denkt auch , wie Ihr Euere eigene Ehre retten könnt , « flüsterte der Bader ihr leise aber hämisch zu und ging . Elisabeth war wie vom Blitz getroffen - jetzt erst enthüllte sich ihr die Gefahr , in der sie schwebte . Im Bewußtsein ihrer Unschuld an einem großen Verbrechen hatte sie sich das kleine Versehen : ihrem Gemahl nicht beigestanden zu haben , da er sich übel befand , was sie doch nicht wußte , als ein Verbrechen vorgeworfen - und jetzt konnten Andere sie als eine Schuldige betrachten , von der man das Leben ihres Gatten fordern würde ! Und mitten in diesem Augenblick eines neuen Entsetzens kamen Martin Behaim und Stephan Tucher , die abwesend gewesen waren , mit der Kunde zurück : daß man endlich Weyspriach ' s Burg mit Sturm und Brand genommen , daß kein Stein des alten Raubnestes auf dem andern geblieben , und das , was die Flammen nicht gefressen und vernichtet , von den Stürmenden und der Rache der Hörigen der Erde gleich gemacht worden sei . Der Ritter von Weyspriach sei entkommen , aber Eberhard von Streitberg gefangen genommen worden ; im Triumph bringe man ihn in die Stadt , sammt vielen den Bürgern und Kaufleuten geraubtem Gut , darunter noch einen Theil der überseeischen Schätze Martin Behaim ' s. Jetzt war es mit Elisabeth ' s Kraft zu Ende - mit einem Schrei fiel sie in ihres Bruders Arme . Auch dieser Schrei mußte wider sie zeugen ; denn derselbe Augenblick , in dem sie ihn ausstieß , war auch der , in welchem die herbeigerufenen Gerichtspersonen eintraten , um den Thatbestand zu untersuchen und die ersten Zeugen zu vernehmen . Mußten sie nicht diesen Schrei für den Schreckensruf nehmen , mit dem eine Verbrecherin sich selbst verrieth - als diejenigen kamen , welche vorerst nur Rechenschaft von ihr fordern wollten und noch gar keine Anklage erhoben ? Dieser Schrei war sehr verdächtig ! Aber Elisabeth hatte ihn ausgestoßen vor der Nachricht , daß Streitberg gefangen war und nach Nürnberg gebracht . Im ersten Augenblick dachte sie noch gar nicht an sich , sondern an ihn ; sein Loos war so gut als entschieden : er ward dem Henker überantwortet und auf offenem Markt gerichtet . Elisabeth liebte ihn schon lange nicht mehr ; sie floh jede Erinnerung an ihn wie ein Schreckgespenst mit verzerrten Zügen ; sie hatte nur Widerwillen , Scham und Entsetzen empfunden , wenn sie ihn wiedersah ; sie würde ruhig aufgeathmet haben , wenn sie erfahren hätte , daß er todt sei , und jetzt hätte sie täglich gewünscht , daß sein Schuldbewußtsein ihn zur Flucht treiben und daß diese gelingen möchte ,