schon möglich . O , ich werde bald gänzlich vergessen sein . « Diese letzten Worte sprach Herr Beil mit solch schneidendem Tone des tiefsten Weh ' s , daß der junge Mensch an seiner Seite sanft die Hand auf seinen Arm legte und hastig entgegnete : » Ich habe gesagt , es sei möglich , daß nach Ihnen Jemand zu uns käme , der weniger - wie soll ich sagen ? - ja , der zuweilen vielleicht weniger rauh mit mir wäre , der mich aber gewiß nicht so lieb hat wie Sie . « » Hm ! diese Möglichkeit will ich zugeben ; aber sprechen wir nicht weiter davon . Wenn ich am heutigen Tage ein Wort von Liebe höre , so möchte ich vor Vergnügen aus der Haut fahren . « » Was haben Sie denn eigentlich mit Herrn Blaffer gehabt ? « fragte August nach einer Pause . » Das kann ich Ihnen so genau nicht sagen , « entgegnete der Commis , wobei er tüchtige Rauchwolken aus seiner Cigarre blies . - » Und doch sollte ich es Ihnen eigentlich sagen ; ich will sehen , ob ich eine Handhabe finde , mit der ich die Sache ergreifen kann . - Aber ist es hier nicht unerträglich heiß ? « sagte er nach einem augenblicklichen Stillschweigen , während er seinen Rock aufknöpfte ; » man merkt wahrhaftig , daß der Winter in den letzten Tagen keine rechte Kraft hatte , so ein bischen elendes Holz erwärmt das kleine Zimmer übermäßig . « » Ja , ich finde es angenehm warm hier ; doch wenn es Ihnen zu heiß ist , können wir die Thüre öffnen . « » Gut , öffnen Sie die Thüre , « erwiderte der Commis , » oder noch besser , verlassen wir einen Augenblick diese Kammer und gehen wir in die andere da gegenüber ! Es ist das eine gute Abkühlung für mich . « » In die meinige ? « fragte der Lehrling . » Nein , in die andere da neben an . « » Also in die , wo Marie gewohnt hat ? « » In dieselbe , theuerster Bruder , « sagte Herr Beil . Darauf erhob er sich langsam von seinem Sitze und trat an den Tisch , um den langen Docht des Lichtes mit einer alten Scheere zu putzen . Nachdem er dieß gethan und die Flamme wieder hell brannte und sein Gesicht , das über dieselbe hingebeugt war , vollkommen beleuchtete , konnte man deutlich sehen , wie blaß er war , wie abgespannt seine Züge erschienen . Sein Haar , sonst gut gepflegt und geordnet , hing wild und wüst an seinem Kopfe herunter ; nur seine Augen glänzten , doch war der Glanz mehr ein unheimliches , fieberhaftes Brennen . » Gehen wir also , « sagte er . Und damit verließen die Beiden die Kammer , um in eine gegenüber liegende einzutreten . Diese hatte ebenfalls weiße Wände , war aber noch unbehaglicher als die andere , indem das ganze Ameublement hier aus einer alten Bettstelle bestand , in welcher ein Strohsack lag , der in der Mitte auseinander klaffte und seine Eingeweide sehen ließ . Ferner war hier eine große Bücherkiste , die zu Häupten des Bettes stand , und auf welche sich Herr Beil niederließ . Der Lehrling trat an das Fußende und blickte betrübt zu seinem Freunde hinüber . » Da ist ein gewisser Goethe , « sagte der Commis nach einem längeren Stillschweigen , » der läßt einen sicheren Faust bei einer ähnlichen Veranlassung sehr schöne Worte sagen « ; ungefähr so : Mich faßt ein wahrer Wonnegraus ; Hier möcht ich volle Stunden träumen ! » Und ich möchte gerade so sprechen , nur daß mich statt der Wonne ein tiefer , tiefer Schmerz ergreift , ein Schmerz , den zu ertragen ich nicht im Stande bin , der mein Herz brechen wird . - O Gott ! wie kann ein vernünftiger Mensch ein solches Vieh sein ! So sein Alles , sein ganzes Denken und Fühlen , sein Leben und seine Zukunft an ein Mädchen zu hängen ! - Es ist wahr , aber unbegreiflich . « » O nein , « entgegnete August schüchtern , » ich begreife es . « » Was begreifen Sie , junger angehender Weltbürger , was begreifen Sie von allem Dem , was im Stande ist , mich rasend zu machen ? « » Ich begreife , daß Sie meine Schwester Marie lieben , « erwiderte der junge Mensch . » Das wäre an sich gerade kein Unglück , « sagte der Andere , indem er seinen Kopf auf das hölzerne Gestell stützte und in das leere Bett schaute . - » Lieben ist eine schöne Sache , aber hoffnungslos lieben ist die Hölle . - Hoffnungslos , weil ich ein armer Teufel bin , weil es dem reichen Manne gefällt , die schöne Frucht zu pflücken , da er gerade Appetit darnach verspürt . - Es ist das wieder eine schöne Sklavengeschichte : der Herr befiehlt , dieses schöne und reizende Mädchen solle ihre Mitsklaven verlassen und aus der elenden Dachkammer hinabsteigen in die schönsten Gemächer des Hauses , damit sie - glücklich werde . Ein anderer Mitsklave , dem das harte Leben , das er Jahre lang geführt , nur dadurch erträglich wurde , daß sie hie und da über seinen Weg schritt , daß sie ihn zuweilen freundlich ansah , daß es ihm dann und wann erlaubt war , ihre Hand zu streifen oder mit schauerndem Vergnügen ihren Arm , ihre Schulter zu berühren , wagt es , darüber Vorstellungen zu machen , und da man ihn nicht durchpeitschen kann , so öffnet man ihm die Thüre und stößt ihn wie einen Hund hinaus . - Mich - mich , mich stößt man hinaus in das kalte nasse Wetter , in den Winter der Jahreszeit und meines freudenlosen Lebens , während er mit ihr im