gehabt , so könne man sich noch drein schicken , nichts mehr zu haben , und es liege die Hoffnung nahe , wieder zu gewinnen , was man verloren . Wenn aber so große Vermögen , mit denen man es nicht hätte machen können , dahingingen , so komme ihm das Totgrämen sehr begreiflich vor . » Da ist keine Hoffnung , wieder zu Vermögen zu kommen , und das Leben mit Nichts , wo man an so viel gewöhnt war , muß eine wahre Hölle sein . Es muß einem zumute sein , als sei man eingenäht in einen Gallensack . Die Hauptsache für uns ist nun die , daß wir mit Ehren davonkommen , wenn schon mit sonst nichts als vielleicht noch mit Schulden . « Sie wollten machen , was möglich , und daneben das Beste hoffen , bis hieher hätten Gott und gute Leute sie nicht verlassen und würden es wohl auch ferner nicht . Und wenn es sein , die Prüfung bis dahin gehen sollte , daß sie in Pfändung fielen , so müßten sie sich auch darein schicken , sie hätten dabei doch den Trost , daß es weder mutwillig noch verschuldet sei , sondern hervorgebracht durch Unglück von höherer Hand , dachten sie . Ihr Schicksal lag allerdings in der Schwebe , hing von Gottes Segen und des Bodenbauers gutem Willen hauptsächlich ab . Diesem waren sie dreihundert Taler schuldig , ihr Geld , welches sie auf Zins gehabt , war eingezogen . Dagegen hatten sie freilich eine Schrift vom Wirt von fast vierhundert Talern auf dem Papier . Aber ob sie nicht mehr wert sei als etwa österreichisches Papier oder gar nichts , das wußten sie noch nicht . Ein ganzer Zins von achthundert Talern war nächstens fällig , dazu noch der Zins für die Effekten . Nun hatten sie freilich etwas Geld vorrätig , etwas konnten sie noch machen , aber achthundert Taler sind eine Summe . Bis zur Ernte mußten sie auch leben , und ob ihnen am Zins etwas geschenkt werde , das war unter obwaltenden Umständen mehr als zweifelhaft . Freigebig war Joggeli sein Lebtag nie gewesen , dazu besaß er eine zu kleinliche Natur . Eine solche Natur kann bei großem Vermögen und einer guten Frau noch so quasi mit Ehren durchkommen , ohne als ein Geizhals verschrieen zu werden . Genau genommen ist es eigentlich gar keine große Kunst , bei großem Vermögen nicht schmutzig und ungerecht zu sein . Aber wenn das Vermögen geschwunden oder sonst klein ist , das Geld nirgends reicht , immer neue Forderungen kommen und dazu immer neue Verluste : da nicht zu machen , was man kann , die Schere ins Fleisch gehen zu lassen , wo man was zu scheren hat , nicht den letzten Tropfen auszupressen , wo man das Recht zum Pressen zu haben glaubt , das ist schwer . Darüber können so Viele sich nicht erheben , sondern halten sich an dem Spruche : Mache jeder , was er kann . Sie mußten dieses auch von Joggeli erwarten , der dazu alle Tage kindischer , fast ganz regiert wurde von dem Sohne , der ganz erwildet war und im Lande herumfuhr wie der Teufel im Buche Hiob . Dazu kam noch die Abschatzung der Effekten , welche Uli zur Nutzung hatte . Beim Abtreten des Gutes mußten die wieder geschätzt werden . Den Minderwert mußte er ersetzen , etwaiger Mehrwert ward ihm vergütet . Hier konnte es einige hundert Gulden auf- oder niedergehen ohne eigentliche Ungerechtigkeit , aber doch je nachdem man ihm wohl oder übel wollte . Dann kam es wie gesagt hauptsächlich darauf an , ob er die Pacht ausmachen oder früher davongestoßen werde , was bei Verkauf des Gutes oder Tod des Besitzers gegen eine billige Entschädnis freilich der Fall sein konnte , und ob die Jahre gesegnet oder ungesegnet seien . Er überzeugte sich immer mehr , daß der Bodenbauer richtig gesehen und richtig geraten hatte . So wie der Fall mit dem Tochtermann bekannt war , schneite es von allen Seiten Forderungen und Abkündigungen , wie es geht in solchen Fällen . Es hatten gar Viele Ursache zur Angst , wenn der Glunggenbauer noch mehr solche Stücklein gemacht hätte , so könnte es ihnen fehlen . Joggeli stand noch mancher Schuld als Bürge zu Gevatter und ganz besonders bei seinem Sohne . Diesem wurden nun alle Schulden , welche ablöslich waren und von den unablöslichen die ausstehenden Zinse eingefordert ; das lief zu großen Summen auf , den Forderungen konnte auf keine Weise begegnet werden . Da machte es Johannes wie Viele , er wehrte sich mit Prozessen ; das ist aber akkurat , wie wenn man , um dem Fegfeuer zu entrinnen , in die Hölle springt . Er verflocht auch seinen Vater in diese Prozesse , und namentlich verführte er ihn , wegen den fünfzehntausend Talern einen Rechtshandel zu beginnen . Das war ein Geflecht von Prozessen , Forderungen aller Art , daß es einem vernünftigen Menschen die Haare zu Berge gestellt hätte . Dies ward bekannt . Allgemein hieß es , wenn der Tochtermann am Schwiegervater den Schelm gemacht , so sei es sich nicht zu verwundern , denn der Sohn sei noch der viel ärgere Schelm an ihm gewesen . Elisi , das nirgends anders zu sein wußte als in der Glungge , heulte und lärmte , bis endlich der Gemeindebehörde seiner Heimat , welche eben nicht zu den erleuchteten gehörte , die Augen aufgingen , so daß sie auf Bevormundung von Joggeli drang . Nun erst gab es Spektakel . Dieser Antrag kam Joggeli vor wie ein Majestätsverbrechen , und hätte er die Macht gehabt , er hätte die Antragsteller erst köpfen lassen . Begreiflich gab das einen neuen Prozeß auf die andern alle . Diese Prozesse sind die allerangreiflichsten für die Person , welche bevogtet werden soll und es nicht annehmen will . Die Antragsteller sind also genötigt , ihr Begehren gehörig zu begründen .