Herzens ihm fast einen lauten Schrei ausgepreßt . Auch die Marschallin hielt den Athem an - der Moment war entscheidend . Er ward schneller selbst , als sie erwartet hatte , in die neuen Verhältnisse gedrängt - wie Viel hing davon ab , daß er schon die rechte Stärke gewonnen habe ! Aber sie sah , daß die blasse , hohle Wange sich plötzlich röthete , das trübe Auge lebendig ward , er den bisher unberührten Becher Wein hinunter stürzte , und sich dann rasch zum Herzog wendend , mit überlauter Stimme ausrief : » Euer Gnaden werden meinen Eifer doch nicht mißbilligen ? « » Nun , nun , « sagte der Herzog - » man sagt , Mademoiselle de Reetz habe auch dereinst von unserm ähnlichen Eifer erzählen können ! Doch merke ich , junger Herr , das gehört nicht mehr in mein Departement - nun , ich habe nichts dagegen , wenn Ihr Euch damit bei Viktorinen meldet ! « Dabei zog er Leonin in seine Arme und herzte und küßte ihn - und Leonin fühlte , er habe diese schon längst völlig abgemachte Sache , an der kein Mensch mehr zweifelte , in diesem Augenblicke bestätigt . Wir dürfen nicht verbergen , daß die Erinnerung an Viktorinens jugendliche Schönheit , an ihre Trefflichkeit , in demselben Augenblicke lebendig in ihm erwachte - und der Seufzer , der ihm entstieg , galt dem Schmerze , ihrer nicht mehr werth zu sein . - Und Souvré saß lachend und jeden Scherz erhöhend an derselben Tafel ! Leonin wußte noch nicht , was er ausgerichtet hatte , und seine Ehre hing jetzt an dem Ausspruche dieses Mundes . Souvré wußte dies Alles , und mit teuflischer Lust quälte er sowol die Marschallin , als den von ihm so bitter verachteten Knaben ; denn vergeblich hatte seine hohe Verbündete nach ihm gesandt zu allen Stunden ; er war zu keiner zugänglich gewesen und erschien erst , da alle Fragen unmöglich waren . Doch die Marschallin war längst entschlossen , jede Unsicherheit abzuwerfen und die Dinge , die sie nicht wußte , so anzunehmen , wie sie zu den Schritten paßten , die jetzt ihrer Ueberzeugung nach nicht mehr ausbleiben konnten . Sie war daher ungemein erfreut , als sie Leonin eben so getrieben , und ihn den entscheidenden Augenblick mit einer Fassung bestehen sah , deren grimassenhafte Weise nur sie zu verstehen vermochte . Herr von Dreux und der Marquis Vieuville unterbrachen diese Spannung . Man hob die Tafel auf ; Herr von Vieuville verkündigte die glänzenden Siege der Armee , die Flucht des Herzogs von Lothringen und den Beschluß der Königin , am andern Mittag ihre Reise anzutreten . - » Madame de Bellefond , « setzte er lächelnd und heimlich zur Marschallin gewendet , hinzu , » ist von der Rückkehr des jungen Grafen unterrichtet . Sie läßt Euer Gnaden sagen , die ganze Familie Crecy-Chabanne würde in voller Parüre diesen Abend bei der Königin erwartet . « Die Marschallin fühlte , daß sie kalt ward ! Die Wichtigkeit des Moments entzog sich ihr nicht . Aber , was auch Abweichendes ihr Inneres berühren mochte , die äußere Form war ihr so durchaus die dringendste Anforderung , ihr so bequem und gewohnt , daß sie stets , jeder anders wirkenden Anregung entgegen , den ungestörten Mechanismus derselben betreiben konnte . » Meine Herren , « sagte sie - sich laut redend gegen Gemahl und Sohn wendend - » Ihre Majestät wollen uns Alle noch diesen Abend empfangen - Frau von Bellefond befiehlt im großen Hofkostüme ! « » Weiß Gott , ich gehe hin ! « rief der Marschall - » ich will unsere gute , schöne Königin noch ein Mal sehen , wie wenig das Hofleben auch eigentlich mehr für mich paßt ! « Schon unterrichtete der Marquis Vieuville den Marquis de Souvré , bei Seite tretend , von den Absichten der Königin , und Souvré sah ein , er müsse jetzt Leonin Etwas von seinen Nachrichten geben , wenn nicht ein Aergerniß eintreten solle . - Er benutzte daher den Moment , wo Leonin zu erreichen war , und flüsterte ihm zu : » Muth , Muth - Sie sind frei ! « » Frei , « stammelte Leonin erbleichend - » frei ! « rief er noch ein Mal ; und schon fühlte er den Werth dieses Ausspruches , den neuen ihn bestürmenden Anforderungen gegenüber . - » Hat sie eingewilligt ? Gott , wie ertrug sie es ? « » Später , später ! « rief Souvré - » jetzt thut Ihnen nichts so Noth , als Ihre Freiheit ! Darum begnügen Sie sich damit , daß ich Ihnen versichere , daß Sie frei sind . « Leonin fühlte diese Wahrheit . Er beruhigte sich damit und flog der neuen Richtung seines Lebens mit der Hast eines Menschen entgegen , der nicht mehr den Muth hat , in sein Inneres zu blicken . - Als die Marschallin im großen Hofkostüme , mit Juwelen beladen , ihr Ankleidezimmer verließ , um in den Wagen zu steigen , stand der Marquis de Souvré vor ihr , und sein boshaftes Auge überlief die anmaßende Erscheinung der stolzen Frau - er sann der Hoffnung nach , sie zu erschüttern . » Madame , « sagte er - » ich darf über den Gegenstand , um dessenwillen Sie mich zu sprechen wünschen , nicht im Zweifel sein - beruhigen Sie sich , Ihr Sohn ist frei ! « » Das habe ich vorausgesetzt , « sagte sie kalt - » was wollte solche Person auch für so angemaßte Rechte hervorbringen ? « » So war es nicht , Madame , « sagte Souvré scharf - » Ihr Recht war in guter Ordnung . Kein Gerichtshof von Frankreich hätte es bezweifeln können ; - und eher hätte man den König bewogen , seine Krone niederzulegen , als sie , diesen Rechten zu entsagen ! « » Ihr scherzt , «