Bitte an dich « , sagte Elsheim , » laß mich heut mittag mit dir essen , ganz , wie du alltäglich lebst mit deiner Familie . « Leonhard sah ihn ernsthaft an und sagte dann : » Lieber , ich weiß in der Tat nicht , ob dir das passen wird . Du denkst vielleicht , ich bin allein mit Frau und Kind . Nein , ich habe es nie über mich gewinnen können , wie ich sehe , daß es jetzt andere wohlhabende Meister eingeführt haben , daß sie ihre Gesellen und Lehrburschen außerhalb des Hauses essen lassen , oder ihnen doch in einem anderen Zimmer für sie allein den Tisch decken . Nein , beim Mittagstisch lebe ich ganz mit meinen Leuten , ganz als Bürger und ihresgleichen . Sie genießen mit mir aus einer Schüssel , und nur des Abends lasse ich sie meist allein für sich selbst . Darum nahm ich auch neulich deine Einladung nur ungern an , mit dir zu essen , um meine Hausordnung nicht zu stören . Du wurdest also die Gesellen bei mir sitzen finden , und ob sie mich gleich respektieren , so spricht doch jeder mit , so wie es ihm gut dünkt ; wir reden von den Arbeiten , sie erzählen oft von ihren Schicksalen und Erfahrungen , Neuigkeiten des Handwerks , die sie auf der Herberge hören . Ich suche , ohne den Altklugen zu spielen , ihre Gedanken zu berichtigen und immer bei ihnen das Ehrgefühl zu wecken , das richtige , welches dem Charakter des echten Bürgers zum Grunde liegen muß . Darum lieben sie mich aber auch und würden , das weiß ich , ihr Leben für mich wagen . Auch hält kein Liederlicher oder Unordentlicher lange bei mir aus . Die Lehrburschen dürfen nicht sitzen ; auch dürfen sie nur antworten , wenn sie gefragt werden . Du würdest auch , Lieber , keinen Wein erhalten , denn diesen trinken wir an unserm Tische nur an Festtagen ; und keiner , weder ich , noch die Frau oder Franz ( wenn nicht eins krank ist ) , dürfen etwas genießen , was uns die andern beneideten , oder wodurch sie sich zurückgesetzt fühlten . Nach Tische , in meiner Stube , oder auf dem Hofe , können wir uns am Weine laben . « » Das ist ja gerade alles so , wie ich es wünsche « , sagte Elsheim . » Es ist sehr schädlich , daß seit lange die sogenannten höheren Stände so völlig abgesondert vom Bürger und Handwerker leben , daß sie diesen nun gar nicht kennen , und auch das Vermögen verlieren , ihn kennenzulernen . Nicht nur geht das schöne Vertrauen verloren , wodurch sich Höhere und Niedere verbinden und einfügen würden , welches eben aus dieser Kenntnis Stärke und Kraft erwirkte ; sondern der Vornehmere kommt nun auf den törichten Wahn , daß seine Art und Weise des Haushalts , die nichtssagende Etikette , die er einführt , sein nüchternes Leben mit den Bedienten und Domestiken ein besseres , anständigeres sei , und diese Torheit verdirbt nachher den Bürgerstand . Nicht nur der Gelehrte , sondern auch der wohlhabende Handwerker will nun die adlige Nüchternheit bei sich einführen , die kalte Entfernung von der dienenden Menschenklasse , den leeren Schein , der in Bequemlichkeit , wahrem Genuß und frischem Leben immerdar die Wirklichkeit vertreten muß . Ja , es kommt dahin , daß der Bürger sich alles dessen schämt , was , wenn er seine Stellung begreift , reelle Vorzüge sind , um die ihn der verständige Adlige beneiden möchte . « » Wenn du so denkst , so folge mir « , beschloß Leonhard ; » unserm Emmrich hat es schon einigemal bei uns recht wohlgefallen . « Sie setzten sich um den runden Tisch . Die Frau saß links neben dem Meister , und bei dieser Elsheim , der heute Franzens Stelle einnahm . Rechts beim Meister saß der älteste Gesell , der Hannoveraner ; der heitere Martin war seitdem hinaufgerückt und der zweite geworden ; dann folgten noch vier Gesellen . Beim letzten stand der älteste , schon hochgewachsene Lehrbursche , welcher in der künftigen Woche zum Gesellen gesprochen werden sollte , und neben diesem standen fünf kleinere , deren letzter demnach an der Tafelrunde der Nachbar des kleinen Franz wurde , der als der Sohn des Hauses auf seinem Stuhle saß . Eine reinliche Magd gab das Geschirr und wechselte die Teller ; die Meisterin legte vor , aber den Braten zerschnitt der Meister . Elsheim ergötzte sich an diesen Einrichtungen , und unterhielt sich bei seiner fröhlichen Sinnesart besser , wie in mancher vornehmen Gesellschaft . Es war nahe daran , daß der Hannoveraner seinen Abschied nehmen und in seine Vaterstadt zurückkehren wollte , um sich dort als Meister zu setzen ; darum behandelte ihn Leonhard schon im voraus mit mehr Achtung . » Ich erzählte dir damals , ehe ich abreisete , mein Gottfried « , sagte Leonhard , » von jener sonderbaren Erscheinung oben im tirolischen Gebirge , welche - ein Zwerg , oder was es war - durch Wirtschaften mit Tonnen und Fässern einen alten Gesellen , mit welchem ich wanderte , völlig um seinen Verstand brachte . « » Ich weiß , Meister « , sagte Gottfried ; » Sie sagten noch , Sie wußten sich das Ding nicht zu erklären . « » Seitdem « , fuhr Leonhard fort , » habe ich die Erklärung gefunden , und ich will sie dir und Martin , der damals auch zugegen war , mitteilen , damit ihr nicht doch etwa meint , es könne ein Spuk gewesen sein . « Martin sagte : » Unser Magister stritt an dem Tage noch viel mit dem Meister , und behauptete immer , es gäbe keine solche Gewalt in uns , die auch den Menschen solchergestalt beherrsche , daß er nichts dagegen vermöge . So ? ' meinte der Meister ,