zu einem Gewölbe , dessen Ausmauerung die Arbeiter beschäftigte . Hermann vernahm auf Befragen , daß das Gewölbe bestimmt sei , die Reste der Tante aufzunehmen , welche der Oheim nur vorläufig im Erbbegräbnisse des Schlosses habe niedersetzen lassen . Dieser Platz aber sei zu ihrer Ruhestätte erwählt worden , weil sie denselben vorzugsweise geliebt habe . Wirklich hatte man von dort die reizendste Aussicht . Gerade aus der Tiefe , beinahe senkrecht ihr gegenüber , stieg ein mächtiger Fels auf , den eine schöne frische Wiese , von klaren Quellbächen befeuchtet , umgrünte , hinter demselben erhob sich die Waldhöhe , von welcher das Schloß stolz herabblickte . Das Maschinenwesen war nach dieser Seite noch nicht vorgedrungen . Man sah auf Berg und Tal , wie sie Gott geschaffen hatte . Was Hermann von den Marmoren , die weither geschafft würden , von den prächtigen Gußeisenarbeiten , die der Oheim bestellt habe , vernahm , überzeugte ihn , daß Gattenliebe hier das kostbarste Mausoleum gründen wolle . Sich selbst hatte der Oheim in dieser Gruft auch die letzte Rast bestimmt , wie die Arbeiter sagten . Er saß noch bei sinkendem Abend , und lange nachdem die Leute den Platz verlassen hatten , an dieser ernsten Stätte . Dachte er an die Erzählung aus Theophiliens Schlafreden , so mußte er wünschen , geträumt zu haben ; denn hatte sie wirklich gesprochen und die Wahrheit gesagt , so erschien der ganze Zustand der armen Menschen ihm unselig hohl und lügnerisch . Drittes Kapitel In den folgenden Tagen durchstreifte er mit einem erfahrnen Führer , welchen der Oheim ihm beigegeben hatte , die Gegend , und besah die Fabriken . Fast alle Zweige dieser Art menschlicher Tätigkeiten hatten sich hier im Umkreis weniger Stunden abgelagert . Man mußte wirklich über den Geist des Mannes erstaunen , der in verhältnismäßig kurzer Zeit eine ganze Gegend umzuformen verstanden hatte . Aus einfachen Landbauern waren Garnspinner , Weber , Bleicher , Messer- und Sägenschmiede , Glasbläser , Töpfer , Vergolder , ja sogar Zeichner und Maler gemacht worden . Als er sich bei einigen Vorstehern nach den Mitteln erkundigte , welche diese Verwandlung bewerkstelligt hatten , sagten sie , daß nichts leichter gewesen sei . Man habe von fernher geschickte Leute des Fachs kommen lassen , welche ihre Kunststücke anfangs wie zum Scherz auf Tanzböden und in Schenkstuben vorgewiesen hätten . Alsobald sei der Nachahmungstrieb , besonders bei den jüngeren Leuten , rege geworden , da man denn hauptsächlich auf die zweiten und dritten Söhne der Hofesbesitzer Augenmerk genommen habe , welche , zum Dienen bestimmt , unzufriednen Geistes , sehr froh gewesen wären , einen lohnenderen und ehrenvolleren Erwerb zu finden . » Auf diese Weise « , sagten die Vorsteher , » hatten wir in wenigen Jahren aus den Bewohnern der Gegend selbst unsre Pflanzschule herangebildet . Nun sind von den damaligen Lehrlingen die Geschicktesten schon wieder als Lehrer in die Fremde gegangen . Es ist zugleich hier ein neues Geschlecht entstanden , ein Mittelstand neben der bäuerlichen Aristokratie , ähnlich den englischen Verhältnissen . Der Erstgeborne erbt den Hof , und wird nach dem Hofe benannt , setzt also auch eigentlich allein die Familie fort , die andern Söhne und die Töchter gehn in die Fabriken , und legen sich in der Regel von ihrer Beschäftigung neue Namen bei , gegen das Zeugnis des Kirchenbuchs , und ohne daß die Verbote der Obrigkeit , welche daraus allerhand Verwirrungen befürchtet , etwas fruchten wollen . « Mußte Hermann diesen Ausweg für eine Menge durch die Geburt hintangesetzter Menschen sehr ersprießlich finden , und sah er auf allen Maschinenstätten , in jedem Lager und Speicher die größte Ordnung und Nettigkeit , wurde es ihm hier recht klar , welch ein großes Ding das Geld , und ein diese Weltkraft bewegender verständiger Geist sei , so fehlte auf der andern Seite viel , daß ihn alle die nützlichen und lehrreichen Anschauungen , welche er auf dieser Wanderung einsammelte , erfreut hätten . Vielmehr empfand er einen tiefen Widerwillen gegen die mathematische Berechnung menschlicher Kraft und menschlichen Fleißes , gegen die Verdrängung lebendiger Mittel durch tote , und er konnte dieses Gefühls nicht Herr werden , so bedeutende Resultate er auch vor Augen sah , so große Achtung er vor dem Oheim und seinen Helfern haben mußte . Abschreckend war die kränkliche Gesichtsfarbe der Arbeiter . Jener zweite Stand , von welchem die Vorsteher geredet hatten , unterschied sich auch dadurch von den dem Ackerbau Treugebliebenen , daß seine Genossen bei Feuer und Erz oder hinter dem Webstuhle nicht nur sich selbst bereits den Keim des Todes eingeimpft , sondern denselben auch schon ihren Kindern vermacht hatten , welche , bleich und aufgedunsen , auf Wegen und Stegen umherkrochen . Wie die beiden Beschäftigungen , die natürliche und die künstliche , dem Menschen zuschlagen , sah Hermann in diesem Gebirge oft im härtesten Gegensatze . Während er hinter den Pflügen Gesichter erblickte , die von Wohlsein strotzten , nahm er bei den Maschinen andre mit eingefallenen Wangen und hohlen Augen wahr , deren Ähnlichkeit die Brüder oder Vettern jener Gesunden erkennen ließ . Die Amtleute und Richter klagten sehr über die Vermehrung der Frevel , besonders gegen das Eigentum , seit die Gegend eine so veränderte Gestalt angenommen habe . In den Schleifereien und Erzschmieden griff man jetzt bei der leichtesten Zänkerei gleich zum Messer . Wenn er mit diesem Zustande das Leben auf dem Schlosse des Herzogs verglich , so fühlte er sich nur noch unbehaglicher erregt . Es ist wahr , hier gehörte alles tätig der Gegenwart an , und dort zehrte man von Erinnerungen , bestrebte sich umsonst , der Vergangenheit neues Leben einzuhauchen , aber jene Örtlichkeiten und ihre Bewohner erzeugten doch in der Seele eine Stimmung , während er hier vergeblich danach rang , den Knäuel der dumpfen und niederdrückenden Wirklichkeit sich zum Gespinste zu entfalten . Entschieden war es ihm : wenn diese Bestrebungen weiter um sich griffen ,