Hast des feurigsten Liebhabers flog der Prinz hin zur Prinzessin , drückte ihre Hand hundertmal zärtlich an die Lippen , schwur , daß er nur in dem Gedanken an sie gelebt , daß ein unglückliches Mißverständnis ihm die Qualen der Hölle bereitet , daß er die Trennung von der , die er anbete , nicht länger ertragen könne , daß nun ihm alle Seligkeit des Himmels aufgegangen . - Hedwiga empfing den Prinzen mit unbefangener Heiterkeit , die ihr sonst eben nicht eigen . Sie begegnete den zärtlichen Liebkosungen des Prinzen geradeso , wie es eine Braut wohl tun mag , ohne sich im voraus zuviel zu vergeben ; ja , sie verschmähte es nicht , den Prinzen mit seinem Versteck ein wenig aufzuziehn und zu versichern , daß sie keine Verwandlung hübscher und anmutiger sich denken könne , als die eines Haubenstocks in einen Prinzenkopf . Denn für einen Haubenstock habe sie den Kopf gehalten , der sich in dem Giebelfenster des Pavillons blicken lassen . Dies gab Anlaß zu allerlei artigen Neckereien des glücklichen Paars , die selbst den Fürsten zu ergötzen schienen . Nun glaubte er den großen Irrtum der Benzon rücksichts des Kreisler erst recht einzusehen , da nach seiner Meinung Hedwigas Liebe zu dem schönsten der Männer sich deutlich genug aussprach . Geist und Körper der Prinzessin schienen in der seltenen hohen Blüte zu stehen , wie sie glücklichen Bräuten ganz besonders eigen . - Gerade entgegengesetzt verhielt es sich mit Julien . Sowie sie den Prinzen erblickte , bebte sie zusammen , von innerm Schauer erfaßt . Blaß wie der Tod , stand sie da mit tief zu Boden gesenkten Augen , keiner Bewegung mächtig , kaum fähig , sich aufrecht zu erhalten . - Nach einer guten Weile wandte sich der Prinz zu Julien mit den Worten : » Fräulein Benzon , wenn ich nicht irre ? « » Eine Freundin der Prinzessin von der frühsten Kindheit her , gleichsam ein Schwesternpaar ! « - Während der Fürst diese Worte sprach , hatte der Prinz Julias Hand gefaßt und ihr leise , leise zugehaucht : » Nur du bist ' s , die ich meine ! « - Julia schwankte , Tränen der bittersten Angst drängten sich unter den Wimpern hervor ; sie wäre niedergestürzt , hätte die Prinzessin nicht schnell einen Sessel herbeigeschoben . » Julia , « sprach die Prinzessin leise , indem sie sich über die Ärmste hinüberbeugte , » Julia , fasse dich doch nur ! - Ahnest du denn nicht den harten Kampf , den ich kämpfe ? « - Der Fürst öffnete die Türe und rief nach Eau de Luce . » Solches , « sprach der ihm entgegentretende Meister Abraham , » solches führe ich nicht bei mir , aber guten Äther . Ist jemand ohnmächtig geworden ? - Äther hilft auch ! « » So kommt , « erwiderte der Fürst , » so kommt schnell hinein , Meister Abraham , und helft Fräulein Julien . « Doch sowie Meister Abraham in den Saal trat , sollte sich das Unerwartete begeben . Geisterbleich starrte Prinz Hektor den Meister an , sein Haar schien sich zu sträuben , kalter Angstschweiß ihm auf der Stirne zu stehen . Einen Schritt vorwärts , den Leib zurückgebogen , die Arme dem Meister entgegengestreckt , war er dem Macbeth zu vergleichen , wenn plötzlich Bankos entsetzliches blutiges Gespenst den leeren Platz der Tafel füllt . - Ruhig holte der Meister sein Fläschchen hervor und wollte sich Julien nahen . Da war es , als ermanne sich der Prinz wieder zum Leben . » Severino , seid Ihr ' s selbst ? « - So rief der Prinz mit dem dumpfen Ton des tiefsten Entsetzens . » Allerdings , « erwiderte Meister Abraham , ohne im mindesten aus seiner Ruhe zu kommen , oder nur die Miene zu verändern , » allerdings . Es ist mir lieb , daß Ihr Euch meiner erinnert , gnädigster Herr ; ich hatte die Ehre , Euch vor etlichen Jahren in Neapel einen kleinen Dienst zu erzeigen . « Der Meister trat noch einen Schritt vorwärts , da faßte ihn der Prinz beim Arm , zog ihn mit Gewalt auf die Seite , und nun erfolgte ein kurzes Gespräch , von dem niemand der im Saal Befindlichen etwas verstand , da es zu schnell und im neapolitanischen Dialekt geführt wurde . » Severino ! - Wie kam der Mensch zu dem Bildnis ? « » Ich gab es ihm zur Schutzwehr gegen Euch . « » Weiß er ? « » Nein ! « » Werdet Ihr schweigen ? « » Zurzeit - ja ! « » Severino ! - Alle Teufel sind mir auf den Hals gehetzt ! - Was nennt Ihr zurzeit ? « » Solange Ihr artig seid und den Kreisler in Ruhe laßt und auch jene da ! « - - Nun ließ der Prinz den Meister los und trat an ein Fenster . - Julia hatte sich indessen erholt . Mit dem unbeschreiblichen Ausdruck herzzerreißender Wehmut den Meister Abraham anschauend , lispelte sie mehr , als daß sie sprach : » O mein guter lieber Meister , Ihr könnt mich wohl retten ! - Nicht wahr , Ihr gebietet über so manches ? - Eure Wissenschaft kann noch alles zum Guten lenken ! « - Der Meister gewahrte in Julias Worten den wunderbarsten Zusammenhang mit jenem Gespräch , als habe sie in der höhern Erkenntnis des Traums alles verstanden und wisse um das ganze Geheimnis ! » Du bist , « sprach der Meister Julien leise ins Ohr , » du bist ein frommer Engel , und darum hat der finstre Höllengeist der Sünde keine Macht über dich . Vertraue dich mir ganz ; fürchte nichts und fasse dich mit aller Kraft des Geistes . - Denke auch an unsern Johannes . « » Ach , « rief Julia schmerzlich , » ach , Johannes ! - er kehrt zurück