war ich von der Erde frei ; ruhig ging ich die Stufen hinauf , als wäre ich Jahrhunderte schon wie ein Stern auf und nieder gegangen , kein Schwindel war mir schrecklich ; ich sah mich selbst in der Leere über der Erde , ich schwebte und erschien mir in dem bisherigen Verhältnisse zu mir töricht , es war jetzt Ernst geworden . - Verkürzt den Weg mit der Erzählung , bat ich den Vater , ich will warten , wenn Euer Atem zu kurz wird . - Lieber Sohn , sagte er , noch weißt du nicht , warum ich euch in so früher Zeit so hart auseinander gerissen ; der gute Niklas war um euch besorgt , daß eure Liebe zu einander sündlicher Art sei , und als ich euch verschlungen in einem Bette fand , da übernahm mich der Zorn ; ich verschwor euch Söhne dem Kloster und wollte von einer andern Frau mir Erben gewinnen ; die Tochter aber brachte ich zu einer Verwandten nach Kostnitz . Diese Frau lebte mit vielen Menschen in weltlicher Fröhlichkeit , aber Gloria wandte sich zur Einsamkeit und Buße , wo ihr der Herr erschien und mit ihr in Stunden der Entzückung sprach und sie ermahnte , in das Kloster zu gehen . Sie war nach dieser Erscheinung gleich willig dazu , aber alle ihre Bekannten , die so herrlich sie aufblühen sahen , suchten sie mit Liebe und Gewalt zurückzuhalten ; dies verzögerte ihren Eintritt , aber veränderte nicht ihren Entschluß ; ich mußte ihrem Flehen nachgeben , obgleich es mich schon damals , nachdem ich lange vergebens auf Kinder von meiner zweiten Frau gehofft hatte , schwermütig reute , daß ich meine beiden Söhne von der Welt abgeschieden hatte . Ihr Abschied war ein Zeichen für mehrere junge Ritter , in fernen Kriegszügen Zerstreuung und Ersatz zu suchen . Vor allen schmerzlich war das Scheiden eines Ritters von Lilienfeld , der nach Jerusalem zog ; aber auch sie ging nicht in den Frieden ein , auf den sie gehofft hatte . Das Kloster war heimlicher Sünde voll , und die Äbtissin , eine frühe Freundin des Abtes , den dein Wurf verwundete , suchte seine Neigung sich zu erhalten , indem sie ihm die reizendsten ihrer neuangenommenen Novizen opferte . Meine arme Tochter ahnte nichts davon , sie sah den Abt als einen ehrwürdigen Beichtvater , auch war ihr ganzes Gemüt von der Erscheinung deines unglücklichen Bruders Wolf erschüttert , der in dem Kloster , ihr gegenüber , angekommen , ihr das Bild des Herrn , das ihr im Entzücken vorgeschwebt , fest und deutlich vor Augen mit zärtlichen Blicken hingestellt hatte . Sie beichtete diese Erscheinung dem Abte ; er legte ihr leichte Buße auf , deinen Bruder aber beschloß er aus Eifersucht zu verderben . Nun trug dein Bruder den geistlichen Stand mit größerem Widerstreben als du ; die Leidenschaft zur schönen Nonne raste in ihm ; unbekannt mit der Welt , von der er so lange geschieden , suchte er in dem Kreise seiner Beschäftigungen mit mechanischen Kunstwerken seiner Leidenschaft Hülfe und Rat . Unsäglich war die Mühe , sich die Gerätschaften heimlich zusammenzubringen , um sich Flügel zu bilden , die Geliebte gegenüber aus dem Turme fortzutragen . Der Abt hatte ihn schlau umstellt ; beim ersten Versuche wurde er gefangen - du hast ihn sterben sehen . Du kamst in gleiche Schlingen des Satans , und meine Tochter wurde von der Äbtissin angeleitet , sich dem Abte für die Rettung deines Lebens zu versprechen . In einem Kampfe , der zuletzt alle Besinnung erschöpfte , ließ sie sich die Mönchskleider anziehen , sie wurde durch einen geheimen Gang zitternd und ohnmächtig in das Zimmer des Abtes geführt . Er versprach ihr dein Leben . Bei diesen Worten waren wir auf der Spitze des Turmes angekommen ; die Krone lag vor mir , aber ich sah sie nicht ; ich setzte mich nieder , sah in die Weite , wo ein ausgetretener Strom über die Wohnungen der Menschen hinrauschte , daß sie wie Schreckensfrüchte an den dürren Gipfeln der Bäume hingen ; dabei biß ich mir auf die Finger , und der Schmerz war mir Wollust . Als mein Vater diese Heftigkeit in mir erblickte , legte er mir Ketten an die Glieder und heftete mich fest ; dann fuhr er fort : Mein Sohn , daß ich dich so schmerzlich ankette , tue ich dir zur Sicherheit . Gloria ging , dir Lebensrettung anzukündigen , ihr erkanntet einander ; jetzt sah sie , daß du ohne ihre schreckliche Aufopferung zu retten gewesen wärest ; wer konnte es dir verargen , zu deiner Schwester zärtlich geschrieben zu haben ? was du dem Abte getan , erschien jetzt nicht mehr als verliebte Raserei ; das aber fühlte sie nur wenig , eins wußte sie nur , daß sie in ihrem Schimpfe nicht fort leben könnte . Du versankst in Ohnmacht und sie in Verzweiflung , aber ihre Rettung und ihr Tod waren nahe . Der Abt hatte seine Lust gekühlt , jetzt blieb ihm nur die Rache gegen dich ; er brach sein Wort und sendete die Gesellen seiner Bosheit , dich zum Richtplatze zu führen ; die Schwester glaubte er schon zum Kloster zurück . Die Glocken läuteten ; sie muß aus den Reden der Mönche erfahren haben , daß sie dich zur Hinrichtung führen wollten , sie ist ihnen entgegengetreten im Dunkel und hat ihnen wie mit erstickter Stimme , wodurch sie getäuscht worden , erklärt , daß sie alle Bande zerrissen , daß sie aber freiwillig sterben wolle . Die Mönche haben sie ergriffen und in stiller Feierlichkeit zum Richtplatz geführt . O mein Sohn , rief er hier , wie habe ich jahrelang diese Krone bewacht , die ich nie trage ! und dieses Kind , das meine Frau getragen in Liebe und Schmerzen , habe ich ohne Wache in der Welt irren lassen ! Erst als sie enthauptet , erkannte