bin fast sehr unglücklich - es ist vorbei mit dem Himmel , der sich hier auftat für mein Armen-Auge - Auf ewig ist mir der Bruder begraben und eingesenkt - Tritt er etwan einmal vor mich , so , weiß ich wohl , ists ein Antlitz grimmig verzogen , und mich wird schaudern durch mein Herz . O mein Bruder , wie schön war es einst , als ich dich noch umarmte und zwar weinen mußte , aber ganz anders ! « Darauf schrieb er wieder ein gutes Kapitel am Romane , schickt ' es ihm mit folgendem , hier ganz mitzuteilendem Briefe : Bruder ! Hier ! - - - - - - Dein Bruder G. Vult versetzte nichts darauf . Gottwalt erzürnte sich nach der Tertien-Uhr ; dann hatt ' er wieder lieb nach der Turm-Uhr . Nur die Träume drangen mit ihren greulichen aufgerissenen Larven in seinen Schlaf , jede mußte wie ein Bruder aussehen , der ihn marterte auf einer unabsehlichen Folterleiter , auf der er ausgespannt lag von Stern zu Stern . An einem November-Nachmittage ging er in das Wirtshaus zum Wirtshaus , wo er ihn , wie bekannt , nach einem langen Lebens-Winter gefunden hatte , wie einen Mai . Der herrnhutische Wirt prügelte eben , da er eintrat , die Wirtin aus dem Gasthofe hinaus , warf ihr seinen Jungen nach und schrie : wär ' er kein Christ , so würd ' er sie anders behandeln ; so eben zähm ' er sich , und kein böses Wort komme aus seinem Maule . Walten kannt ' er gar nicht mehr , als dieser um das vorige , jetzt zugemauerte Oberzimmer anhielt , wo er im Juli geschlafen hatte . Teils Würste , teils Flachs auf Stroh waren darin auseinandergebreitet . Er entfloh auf den herrnhutischen Gottesacker , wo er einstens , als die Sonne unter - und der Bruder aufging , so froh und so neu geworden . - Aber die Bäume waren , anstatt begrabne Gerippe laubig zu bedecken , selber steilrechte geworden - dabei schneiete es regnerisch - mehr das Gewölke als die Sonne ging unter - und Abend und Nacht waren schwer zu sondern . Der Notarius sah aus wie der eben regierende November , der , noch weit mehr dem Teufel als dem April ähnlich , nie ohne die verdrüßlichsten Folgen abtritt . Von da trug er sich verarmet - fern von jenem reichen Morgen , wo er neben dem reitenden Vater zu Fuße hergelaufen - zurück in die Stadt . Als er über die kalt wehende Brücke ging und nichts um ihn war als die öde dunkle Nacht : so flogen zwei dicke Wolken auseinander - der helle Mond lag wie eine Silberkugel einem weißen Wolkengebürge im Schoß , und der lange Strom wand sich erleuchtet hinab . Auf dem Wasser kam etwas herabgeschwommen wie ein Hut und ein Ärmel . » Geht es durch die Brücke unter mir durch « , sagte Walt , » so nehm ' ichs für ein Zeichen , daß auch mein Bruder so von mir dahin geht ; stößt es sich an die Pfeiler , so bedeutet es etwas Gutes . « Er fuhr zusammen , da es unten wieder hervorkam ; endlich fiel ihm ein , daß wohl gar ein ertrunkener Mensch unter ihm ziehen könne , ja Vult selber . Er sprang herunter ans Ufer herum , wo sich das schwimmende Wesen in eine Bucht voll Buschwurzeln verfangen hatte . Mühsam und zitternd hob er mit seinem Stabe einen leeren Ärmel , dann noch einen und darauf gar noch einige auf , bis er sehr sah , daß das Ganze nichts sei als eine ins Wasser geworfene , von der Jahrszeit abgedankte - Vogelscheuche . Aber ein Schauder dauert länger als sein Anlaß oder Irrtum ; er ging , noch sorgend für den Bruder , in dessen Wohngasse , als seine Flöte schon von ferne herauftönte und wie die Flut alle die offnen rauhen Klippen der Welt mit einem weichen Meer zudeckte . Der elende November , der herrnhutische Wirt , die Vogelscheuche und die leere Ebbe des Lebens gingen nun unter in schönen Wogen . Walt trat , weils finster war - denn am Tage schauete er nur die lange Gasse hinab - , dicht vor Vults Haus , obwohl in die Monds- Er drückte den Türdrücker wie eine Hand , weil er wußte , wie oft ihn die brüderliche mußte angefaßt haben . Vult , dies merkte er aus dem Schatten und dem Lichtschimmer gegenüber , mußte mit dem Notenpulte nah ' am Fenster stehen . Als wieder ein langer Wolkenschatten die Gasse heraufflog : schritt er querüber und guckte hinauf und sah hinter dem erleuchteten Notenpulte das so lange begehrte Gesicht ; und weinte bitter . Er ging an ein großes rotes Tor seitwärts , worauf Vults Schattenriß , aber greulich auseinandergezogen wie ein angenagelter Raubvogel , hing und küßte etwas vom Schatten , aber mit einiger Mühe , weil sein eigner viel verdeckte . Gern wär ' er jetzt zu ihm hinaufgegangen mit der alten Bruder-Brust an sein Herz ; aber er sagte : » Blies ' ich selber droben , o so weiß ich alles wohl - nein , es gäbe für mich kein fremdes Herz ; aber er ist fast immer das Widerspiel seines Spiels und oft fast hart , wenn er sehr weich dahinflötet . - Ich will ihn in seiner Geister-Lust nicht stören , sondern lieber manches zu Papier bringen und morgen schicken . « Er tats zu Hause , die Flötentöne des Bruders fielen schön in das Rauschen seiner Gefühle ein - er versiegelte einen geistigen Sturm . Er legte dem Sturm zwei Polymeter über den Tropfstein bei , dessen Säulen und Bildungen bekanntlich aus weichen Tropfen erstarren . Erster Polymeter Weich sinkt der Tropfen im Höhlen-Gebirge , aber hart und zackig und scharf verewigt er sich . Schöner ist die Menschen-Träne . Sie durchschneidet das Auge , das sie