ihren Chorstühlen so ehrenvoll nicht gesungen haben , - ein wahrer Krönungssaal schien dieses vortreffliche Ehebett zu sein . Hierauf die wackere Bettdecke , deren Lob ich keineswegs verschweigen darf , denn ich fand sie den schwebenden Gärten der Semiramis zu vergleichen , meine Augen lustwandelten durch die tausend Irrgänge ihres damastnen Grundes , und ergötzten sich an dem prächtigen verschlungenen Namen des Grafen und der Gräfin , der in der Mitte allegorisch gestickt war . O ! und ich selbst - ein blauatlaßner Schlafrock , mit roten Aufschlägen , an dem Ärmel mit dem kleinen gräflichen Wappen gezeichnet , sollte ich nicht stolz sein , in so ehrenvoller Uniform ? Ich drückte die Füße zusammen , um mich zu überzeugen , daß ich keine Stiefel anhabe , denn ich hatte die Empfindung , als wäre ich in Diensten , aber ich sah bald ein , daß es Interimsuniform war . - Vor dem Bette knieten vier Untertanen , recht zärtlich abwechselnd , ein Pantoffel von mir , und dann ein Pantöffelchen , sie harrten untertänigst , daß wir sie mit Füßen treten sollten . Ich wendete mich nun gegen meine Gemahlin , und bemerkte , wie witzig das batistene Bettuch mit Spitzen durchbrochen war , und wie naiv ihre weiße Schulter durchblickte . - Ach welche reizende Gemahlin habe ich , wie hinreißend , wie fesselnd , es ist ordentlich unangenehm , und erschwert einem die Menschenfreundlichkeit , sie ruhig schlafen zu lassen . - Wie glücklich , und wie unglücklich bin ich ! - muß ich nicht eifersüchtig sein ? Aber was liegt vor mir auf dem Stuhle , ein schwarzer Frack , lederne Beinkleider , und dort ungrische Stiefeln , ein runder Hut auf dem Tische , das sind ja meine Kleider nicht . - Welcher junge Herr hat sich hier ausgekleidet , - habe ich nicht Ursache , eifersüchtig zu sein ? - Ich sehe ja meine kaiserliche Uniform nirgends ; sollte ich diese Nacht betrogen worden sein , sollte mein Weib ihre Untreue hier in meiner Gegenwart - der junge Mann hat in der Dunkelheit meine Kleider vielleicht ergriffen ? - Da bewegte sich die Gräfin , und meine Einbildung , als sei ich der verstorbene Graf , verschwand . - Ich stellte mich schlafend , und beobachtete durch die Augen blinzend , was die Gräfin für Betrachtungen den meinigen entgegensetzen würde . Aber sie setzte die Betrachtung meiner Person meinen Betrachtungen entgegen . Sie lehnte den Kopf auf ihren weißen Arm , und blickte mich freundlich an , und ich betrog das Glück , das mir im Schlafe zu kommen glaubte , ich nahm ihre Küsse stille hin . Ich biß auf die Zunge , um nicht zu lächeln , ich biß auf die Zunge , um die Lust zu ertragen , wie andere es tun , um den Schmerz . Moralisch freute ich mich , als ich merkte , daß sie aufstand , ohne mich zu wecken , denn es war wirklich ein Beweis eines sehr liebenden Herzens , daß sie mich schlafen ließ , da sie wußte , daß ich nicht zu Leiden erwachen würde ; ja es lag mir in dem Augenblick viel Unschuld in dieser Handlung , sie konnte noch denken , daß der Schlaf süßer sei als die Lust . - Wie sie sich leise in die Höhe richtete , als erstehe ein tugendhaftes Weib zur Seligkeit , wie sie mit Grazie und schüchterner Lust auf mich niedersah , daß ihr zarter Fuß mich nicht berühre . - Wie die Wurzeln unter der Rose lag ich und drängte ihr Liebe entgegen , - wie sie über mich hintrat , stand mein Puls still und mein Leben hielt ein , als griffe ein schöneres Leben in seine Räder . - Ich ruhte wie die Asche eines Geweihten unter den Säulen des Tempels der Liebe . - Und leiser soll mein Geist einst nicht über das Grab meiner Geliebten schweben , als sie über mich hinschritt . - Sie schlüpfte in ihre Pantöffelchen , und zeigte mir , indem sie sich sorglos vor mir ankleidete , mehr keusche Blöße als eine tugendhafte Jungfrau , die ganz allein sich auskleidet . Da sie ihre männliche Kleidung angelegt hatte , schrieb sie mit Bleistift ein Zettelchen , kam vor das Bett , kniete nieder und steckte es mir mit einer Nadel auf das gräfliche Wappen , das am Ärmel meines Schlafrocks war , dann verließ sie in Stiefeln und Sporn die Stube . Auf dem Zettelchen standen folgende Worte - : » Guten Morgen , schöner Freund ! gut geschlafen ? Ich habe ein moralisches Kunststückchen gemacht , Sie nicht zu erwecken ; was kann man von einer Heidin , gegen die man als Frauenzimmer doch galant sein muß , mehr begehren , wie kann man seinen Tag besser anfangen ? Doch Scherz beiseite - Sie schlafen aber auch , ich habe Sie herzlich geküßt - und nicht zu erwachen - ei , wo will das hinaus ? - Denken Sie nicht , ich sei eine Zauberin , und noch nicht von der Fahrt zurückgekommen , wenn Sie sich allein finden , - ich habe nie etwas mit dem Kamine zu tun gehabt , als daß es mich wärmte und einmal einen Liebhaber zu mir brachte - ich reite nur ein wenig spazieren , und zwar auf Ihrem Pferde , um an seinen Launen den Mann kennen zu lernen . Adieu , heio popeio - ich bin eine Heidin , und will mein Morgengebet unter freiem Himmel verrichten . « - Ich ergötzte mich an der muntern Laune der Gräfin , und war ich verführt , oder idealisierte ich ? ich weiß nicht , aber ich fand sie sehr liebenswürdig , oder sie liebte ein wenig . - Ich konnte immer noch nicht aufstehen , obschon ich sonst kein Schläfer bin , aber ich lag wie an Ketten geschlossen in einer ewgen Betrachtung meines lustigen Zustandes : ich konnte manchmal gar nicht begreifen