tausend und aber tausend buntfarbiger Blüten durchstickte Gespinst , und so stand das kleine Schloß droben wie eine Schöne , die den buntgeflammten Mantel halb von den blendenden Gliedern fallen läßt . Früher war die Villa auch oft das Ziel der aus dem Walddunkel herüberlauschenden Spaziergänger gewesen , einzig und allein um ihrer feenhaften Schönheit willen ; denn der kränkliche alte Fürst , der selten einmal über die Terrassen schlich , oder ein paar goldbetreßte Lakaien , die unter dem Portal lungerten , vermochten wohl nicht , einen Menschenfuß auch nur um einen Schritt weiter zu locken ... Seitdem aber die » Amerikanerin « Herrin des Schlößchens war , wanderte mancher stundenlang auf den Parkwegen wartend auf und ab , um schließlich doch noch den Anblick der schönen Frau zu erhaschen , wenn sie langsam wandelnd zwischen den Lorbeer- und Rosenbäumen hinglitt oder die Terrassen herabkam , um sich auf ihr Pferd zu schwingen und wie ein Pfeil in den Park hineinzufliegen . Es waren nahezu drei Jahre verflossen , seit Donna Mercedes die Besitzung gekauft hatte , und noch war der Reiz ihrer fremdartigen Erscheinung , der Ruf ihres fabelhaften Reichtums , wie ein Wunder in aller Munde , doppelt nachhaltig , weil sie wie eine geheimnisvolle Einsiedlerin streng zurückgezogen , aber sichtlich beglückt , nur mit den zwei schönen Bruderskindern und der Majorin Lucian zusammenlebte . Die Majorin hatte ihr Wort wahr gemacht , nach dem ihres Bleibens in dem alten Klosterhause nicht länger sein werde , als die Pflicht erheische . Sie war die alleinige Erbin des gesamten Wolframschen Besitztums verblieben , da sich kein Testament ihres Bruders vorgefunden ... Einige Monate nach den traurigen Ereignissen hatte sie das Klostergut verkauft . Die Lippen fest zusammengepreßt , weder rechts noch links , am wenigsten aber rückwärts blickend , war sie am letzten Tag durch den Vorderhof gegangen und hatte die Mauerpfortentür hinter sich zufallen lassen , um den Wagen zu besteigen , in dem Donna Mercedes und die Kinder ihrer harrten , um sie für immer nach der » Villa Valmaseda « abzuholen . Zum letztenmal hatte das Rollen und Rasseln der kleinen Pforte ihr nachgeklungen , das jeden wichtigen Schritt , fast jedes Ereignis ihres Lebens begleitet , ihren Gang zur Konfirmation , zur Trauung , ihre Rückkehr aus der Welt – die Flucht des verstoßenen Sohnes , den letzten Weg des » verunglückten « Bruders . Unsäglich Schweres war ihr in dem dunklen Klosterhause auf die Schultern gelegt worden , auch die harte Züchtigung ihrer Irrtümer und Vergehen hatte sie erleiden müssen – und doch hatten Tränen in ihren Augen gezittert , denn sie hatte gewußt , daß nun auch seine Zeit gekommen war , daß der neue Besitzer beabsichtige , das zusammensinkende Mönchswerk bis auf den Grundstein niederzureißen . Sie selbst hatte es für unmöglich gehalten , daß sie noch einmal unter völlig veränderten Verhältnissen aufleben könne ; aber schon nach wenigen Monaten hatte Mercedes mit stiller Freude beobachtet , wie ihr Blick heller , der gramvolle , tiefgehende Ton ihrer Stimme weicher geworden war , wie die Augen aufstrahlten , wenn die schönen Enkel im fröhlichen Spiel mit Pirat um sie herumtollten und die Großmama , als höchste Instanz in allen Dingen , ihre Arme als schützenden Hafen bei vermeintlicher Gefahr oder Unbill ansahen . Auch nach dem , was ihr früher über verborgene Seelenschmerzen hinweggeholfen , nach der Arbeit , hatte sie gegriffen , und trotz aller Einsprüche , aller Bitten Donna Mercedes ' , nun nach einem so harten , arbeitsvollen Leben zu ruhen , das Regiment über die Wirtschaft und das Dienstpersonal im Hause der jungen Dame in die Hand genommen . Alles beugte sich willig und ehrerbietig unter das Zepter der rüstigen Matrone , das streng , aber zum Gedeihen , zur Wohlfahrt aller gehandhabt wurde ... Und was sie einst in Selbstüberhebung und Eigendünkel finster zurückgewiesen , die Liebe anderer , das genoß sie jetzt in vollem Maße , und ihr so lange unterdrücktes Herz erquickte sich daran . Donna Mercedes brachte ihr die Zärtlichkeit einer Tochter entgegen , und einer draußen in der Welt , der einst als Kind unter ihren Augen drüben auf dem Rasen des Schillingshofes mit ihrem Knaben gespielt , der ihm ein treuer Freund bis in den Tod hinein gewesen , er war ihrem Herzen nahe getreten , als sei er ein Bruder dessen , der jenseits des Meeres unter der Erde schlief . Baron Schilling hatte sich nahezu zwei Jahre in Skandinavien aufgehalten . Es hatte den Anschein gehabt , als wolle er nicht einen Atemzug deutscher Luft schöpfen , solange noch lösend an der Kette gefeilt wurde , die zwei Menschen in unglückseliger Ehe aneinander gefesselt hatte ... Was die Baronin an Grimm und glühendem Rachedurst in ihrem Herzen aufgespeichert hatte , es war bei diesen widerwärtigen Auseinandersetzungen zum Austrag gekommen . Vor allem hatte sie ihm mit Aufgebot aller Mittel doch noch den Schillingshof zu entreißen gesucht und war dabei von mancher Seite her kräftig unterstützt worden , weil man den durch die Schillings » usurpierten « , ehemals klösterlichen Besitz wieder in die Hand der Kirche zurückzuleiten wünschte . Aber das war nicht geglückt . Die verbrieften Zahlungen , die Baron Schilling seit Jahren zur Tilgung der Steinbrückschen Hypothek auf seinem Vaterhause geleistet hatte , ließen sich nicht aus der Welt leugnen und waren ein fester Wall , an dem die geistlichen Bestrebungen zersplitterten . Und nach langem , erbittertem Kampfe war endlich auch die Stunde gekommen , in der er sich sagen durfte , daß er frei sei . » Die Seele , die einst durch Habsucht und Überredungskunst irregeleitet und dem heiligsten Beruf entrissen worden , sei reuig heimgeflüchtet aus dem sündhaften Treiben der Welt , « hatte es in der letzten Zuschrift gelautet ... Mit der Baronin zugleich hatte Fräulein von Riedt den Schleier genommen , nachdem sie die große , sich selbst gestellte Aufgabe gelöst , infolge deren sie das entflohene – und geraubte »