geht zum Galgen . « Nun durften wir zwar annehmen , diesen Gang nicht tun zu dürfen , nichtsdestoweniger wirkte diese Zeile sehr unangenehm auf meine Empfindung und stand mir immer vor Augen . Sie war ein häßliche und beständige Mahnung an das höchst Kritische unserer Lage . Der Gefangenenwärter frug , » ob wir Geld hätten , um uns durch seine Vermittelung Lebensmittel kaufen zu können « , eine Frage , die wir leider verneinen mußten . Er schüttelte den Kopf , setzte einen Krug mit Wasser hin und wies auf einen andern größern Kübel ; zugleich versprach er Brot und Streustroh zu bringen . Wir waren wie versteinert ; doch kam ich mit Hilfe eines listigen Schurken von Gendarmen , deren zwei bei uns geblieben waren , bald zu mir selbst . Freilich nicht auf angenehme Weise . Der Gendarm redete mich an : » Monsieur , il y a bien log temps que je désire à avoir un souvenir d ' un officier prussien . Vouz avez là quelque chose , dont vous ne pouvez plus faire usage : votre escarpe : en faite moi présent . « Ich band meine Schärpe ab , erinnerte mich , leider zu spät , der guten Lehren des alten Malwing , schwieg und gab dem Buben , was er spottend von mir erbat . Zugleich mein Letztes . Mit ironischer Höflichkeit bedankte er sich und schritt unter vielen Kratzfüßen zur Tür hin aus . Sein Spießgesell hatte es mit Gottschling ebenso gemacht . Der Gefangenwärter erschien nun wieder , brachte Streustroh und Leuchtung , fragte nochmals , » ob wir wirklich kein Geld hätten « und bedauerte uns herzlich , als wir ihm unser Nein wiederholten . Der gute , christliche Deutsche beklagte uns sehr und schien in Mitleiden für uns aufzugehen ; nichtsdestoweniger vergaß er , uns unser Deputat Brot für den Nachmittag und Abend zu geben . Nur ein Weilchen noch blieb er , um uns Trost und Mut einzusprechen , wünschte uns dann eine wohlzuruhende Nacht und – ging . Das Letzte , was er uns hören ließ , war das Rasseln und Klirren der Schlösser und Riegel . Nun waren wir mit uns und unserm Elend allein . Mein alter Wilhelmy erlag fast seinem Schicksal : er schwankte zur Streu und wünschte sich laut die ewige Ruhe . Gottschling litt heftige Schmerzen , legte sich auch und hoffte Linderung vom Schlaf . Ich folgte seinem Beispiel . Ein paar Stunden mocht ' ich geschlafen haben , als Wilhelmy mich weckte ; ihm brannten Kopf und Körper , Gottschling erwachte ebenfalls im heftigsten Wundfieber . Beide lechzten nach Wasser und – Gott ! der Krug war leer , ebenso der Kübel . Ich lief in der Stube umher , rief und schrie nach Hilfe ; umsonst , unser Kerker war zu abgelegen , als daß irgendwer hören konnte . Ich stieß gegen die Tür , in der Hoffnung , sie zu sprengen , aber Schloß und Riegel waren zu fest . Hinweg , selbst von der bloßen Erinnerung an diese Unglücksnacht . Den 2. Dezember 1793 . Morgens , vielleicht acht Uhr , saß ich an dem Lager meiner beiden Gefährten , vertieft und verloren in unser trübes Geschick . Wilhelmy und Gottschling , trotz Fieber und Durst , waren eben wieder eingeschlafen , als plötzlich die Tür aufging und einige junge Frauenzimmer , deren Bekanntschaft Gottschling vor acht oder zehn Tagen gemacht hatte , mit Kaffee und Semmel bei uns eintraten . Diese gutmütigen Magdalenen , die vielleicht durch den Gefängniswärter von ihm gehört haben mochten , hatten sich mit Mühe und Schwierigkeiten einen Weg zu uns gebahnt und leisteten nun soviel Hilfe , wie in ihren Kräften stand . Auch einen Stadtwundarzt brachten sie mit , um Gottschlings Wunden zu verbinden . Ich weckte nun meine beiden Kranken jubelnd auf , und beide labten und erquickten sich an dem Frühstücks , das ihnen geboten wurde . Unsere barmherzigen Samariterinnen standen uns gegenüber und freuten sich herzlich , daß uns ihre Gabe so vortrefflich mundete ; ebenso herzlich war unser Dank . Während des Frühstücks fand sich allerlei Gesellschaft ein : der gute christliche Kerkermeister , dessen Ehegespons , einige Gendarmen , schließlich auch einige Offiziere . Man kam und ging , alle waren voller Mitleid , aber dabei hatte es sein Bewenden . Im Laufe des Vormittags erschienen : ein Generaladjutant namens Bertrand , mehrere junge Leute von der Adjutantur , endlich auch ein Sekretär , um unsere Charaktere und Namen aufzunehmen . Alle diese Herren , besonders sichtbar und auffallend aber der Erstgenannte ( Bertrand ) , waren äußerst betreten , uns so gemißhandelt zu finden . Der Umstand , daß die Zweibrücker Mädchen uns ein Frühstück und zwar als ein Almosen gereicht , dazu auch einen Arzt uns zugeführt hatten , brachte die Herren vorzugsweise in Verlegenheit . Sie waren Zeugen , daß wir unsere Wohltäterinnen mit einem einfachen » Gott vergelts Euch « bezahlen mußten . Einige der jungen Offiziere versuchten auf mancherlei Art die Sache zu entschuldigen , doch ging es ihnen dabei nur schlecht von statten . Der Umstand , daß man uns in drei Tagen noch kein Zehrungsgeld , am Nachmittag und Abend kein Brot und auf die letzte Nacht auch nicht einmal Wasser , Heizung und Licht zur Genüge gegeben hatte , war nicht wohl zu entschuldigen . Alles , was man für uns getan , war , daß man uns unsere Schärpen geraubt hatte . Bei Aufzählung aller Unbill , die wir erfahren , traten mir die Tränen in die Augen . Bertrand , als er dessen gewahr wurde , trat zu mir heran und hatte freundliche Worte für mich . Es tat mir wohl und ich vermochte mich wieder zu fassen . Nachdem man unsere Namen und Charakter aufgeschrieben , schenkte uns Bertrand unter dem großmütigen Vorwande , » daß es die rückständige Gage sei « , anderthalb Karolin ; auch wurde ein Mittagbrot für uns