vor sich hin : » Arbeit kommt . Wir kleinen Läuse wollen einen Stier umschmeißen . « Es erschien der Leibarzt mit dem Heiltrank ; hinter ihm zwei Diener mit der Essigschüssel und den Tüchern . Bei der Schlafstubentüre des Herzogs gab es ein ruheloses Hin und Her . Im Nachtkleide kam die Herzogin Margarete gelaufen , Schreck in den Augen , und wollte eintreten . Aus der Stube hörte man die schnatternde Stimme des Herzogs : » Sei verständig , Gretl ! Denk an das junge Leben in dir und bleib in deinem Bett . Und weck mir den Jungen nicht auf . Der soll schlafen . Hörst du ? « Links und rechts von der Schwelle standen die beiden Harnischer wie starre Eisenbilder . Solange sie auf Wache waren , durften sie nicht reden miteinander . Doch ihre Blicke hielten Zwiesprache . In dem Schwergepanzerten , unter dessen Eisenschaller das völlig weiß gewordene Haar herausquoll , schien eine wilde Freude zu wühlen ; sie verzerrte sein steinernes Gesicht und war wie ein Brand in seinen Augen . Aus dem Blick des anderen , über dessen sonnverbranntes , in Leiden hager gewordenes Gesicht die schreckliche Narbe lief , sprach eine flackernde Ungeduld , in der sich Hohn und Sorge miteinander mischten . Als der Morgen hell wurde , rasselte eine Ronde von sechs Harnischern , die ein ritterlicher Hofmann des Herzogs führte , durch den kahlen Gang herauf . Die zwei bei der Türe wurden abgelöst ; dann die zwei alten Doppelsöldner vor dem Schlafzimmer der Herzogin und die zwei Gepanzerten vor der Stube des fünfjährigen Prinzen Ludwig . Die Ronde der Abgelösten klirrte in den Schloßhof hinunter . Hier war es ruhig . Doch Hof- und Wehrgänge waren so dick mit Spießknechten , Armbrustern und Faustschützen besetzt , als wäre ein Angriff in jeder nächsten Stunde zu besorgen . Vor dem grauen Schatzturm - den Herr Heinrich den Sieger nannte - bewachten vier Gepanzerte die schwer mit Eisen beschlagene Türe . Junge Weibsleute gingen mit leisem Schwatzen umher und verteilten an die Soldleute die Morgensuppe und den Frühwein . Über eine Zugbrücke , unter der ein faules Wasser den weißblauen Himmel des erwachenden Tages spiegelte , kam die Ronde in den zweiten Burghof . Das gleiche Gewimmel von Waffen wie im Hof des Schlosses . Und ein Schwarm von Handwerksleuten kam zur Arbeit . Schweres Balkenfachwerk umhüllte den noch unvollendeten Hunds-Törring ; der gewaltige Turm war bis zur dritten Schartenreihe gewachsen und sollte vollendet stehen , ehe der Winter käme . Im dritten Burghof , wo die neugegossenen Hauptbüchsen Maul gegen Maul in zwei Reihen standen , waren die Schlafhäuser und Turmstuben der Trabanten und Doppelsöldner . Hier ging die Ronde der Abgelösten auseinander . Die beiden , die vor der Schlafstube des Herzogs gestanden , traten in einen kleinen , alten Turm . In dem dunklen Stiegenraum umklammerte der Ältere den stahlgeschienten Arm des anderen . Eine rauhe Stimme : » Was uns der Herr vertraut hat , muß man verschweigen . Auch vor dem müden Buben da droben . « » Ich hätt mir den Schnabel eh nit zerrissen ! « gab der andere mürrisch zurück und wollte über die steile Treppe hinauf . » Bleib ! « » Was willst ? « » Wer kann sagen , was kommt ? Ich möcht nit haben , daß auch du noch saufen mußt - von meiner Treu . Du ! Unter den Meinen der Beste . Besser , als ich selber bin . Und ich sah , du leidest . Ich mein auch , daß ich weiß , warum . « Ein hartes Lachen . » So ? Meinst ? Könnt auch sein , daß du dich irren tust . « » Ich irr mich nit . Willst du frei sein , so bist du ' s. In meiner Seel wirst du bleiben , so lang ich leb . Jetzt kannst du dir noch allweil ein neues Leben machen . Das meinig ist aus , ich weiß nit , wann . Sobald der Streich gefallen ist , auf den ich wart ! Ich mag dich nit mit hinunterreißen . Du sollst weiterschnaufen . « » So ? Weiterschnaufen ? Da mußt du mich bleiben lassen . Magst du mich nimmer als Knecht , so laß mich bleiben als des Buben Bruder . Dich und den Buben hab ich . Sonst nichts . Das mußt du mir lassen . Komm ! Auf der finsteren Stiegen wispern ? Wir sind doch keine Liebesleut . Tät ich nit wissen , daß du nüchtern bist wie der Schloßkaplan vor der Frühmess ' , so tät ich glauben : Du bist voll und hast einen Jammer . Komm ! Und mach keinen Lärm ! Der Bub muß Ruh haben . Die braucht er wie ein kranker Vogel die Federn . Tu fürsichtig auftrappen ! « Runotter nahm die Eisenschaller vom Kopf , legte den klirrenden Arm um den Nacken des Malimmes und preßte die Stirn an seine zerhackte Wange . Vorsichtig stiegen sie über die drei steilen Treppen hinauf , die wie schmale Leitern waren . Eine kleine Turmstube mit zwei Betten ; drei Holzstühle und ein plumper Tisch bei dem winzigen Fenster ; zinnernes Geschirr in einer Rahme ; und an den Holznägeln der Mauer hingen die Kleider und das Waffenzeug . Während Malimmes neben dem Herd die Rüstung lautlos von sich herunterschälte , trat Runotter in die Helle des Fensters . Mit den weißen , dünnen Haarsträhnen sah er aus wie ein Siebzigjähriger , der noch den Körper eines kraftvollen Mannes hat . Er legte jedes Wehrstück , das er von sich abtat , auf sein Bett hin . Malimmes kam mit nackten Füßen aus dem Herdwinkel und half . Dieses Jahr des Burgenbrechens , des Mordens und Brennens , der Gefahr und Mühsal , hatte den Bauernsöldner äußerlich kaum verändert . Nur ein bißchen mager war er geworden , und in dem sonnverbrannten Gesicht war die große Narbe jetzt