, daß ihn der Herrgott erhöre ! « » Tue es ! « antwortete ich . » Wir gehen jetzt fort , doch nur , um wiederzukommen . « » Hierher ? « fragte sie . » Ja , hierher . « » Wann ? « » Vielleicht schon in einer halben Stunde . Ich kehre in die Unterwelt zurück , um die beiden Gefangenen zu holen und auf diesem verborgenen Wege in das Schloß zu bringen . Da sieht sie kein Mensch außer uns . Ich wünsche , daß niemand von ihren Angehörigen und Genossen erfahre , wo sie sich befinden . Es hat keinen Zweck , daß du uns in die Höhle zurückbegleitest . Du müßtest doch mit uns wieder hier herauf . « » Gut , so bleibe ich . Aber was tue ich , wenn mich jemand hier erwischt ? « » Du würdest als Freundin behandelt werden , sei es , wer es sei . Uebrigens ist es gar nicht nötig , daß du dich erwischen lässest . Du brauchst nur hier die Stufen hinauf und in das Freie zu gehen , so bleibst du ungesehen . Es würde wohl niemandem einfallen , nachzusehen , ob die Tür angelehnt ist oder nicht . « » Ja , richtig ! Also , ich warte hier . « Sie setzte sich wieder auf die Bank . Wir anderen aber stiegen wieder in den Gang hinab . Wir ließen ihn nicht offen , sondern ich schob die Steinplatte wieder vor . Dann kehrten wir nach der Stelle zurück , wo unsere Gefährten auf uns warteten . Sie waren mit ihrer Arbeit , die Stalaktiten wegzuräumen , fast zu Ende . Ich setzte mich nieder , um die wenigen Minuten zu warten . Als ich still saß , fühlte ich , daß es von der Decke auf mich niedertropfte . Aber es war nicht Wasser , sondern zerriebenens Gestein . Es streute wie Mehl oder Sand auf mich herab . Zuweilen war auch ein erbsen- , bohnen- oder nußgroßes Stück dabei . Ich schaute empor . Das Licht unserer Fackeln reichte nicht bis ganz hinauf , trotzdem sah ich grad über mir einen schmalen Riß , aus dem es bröckelte . Das war in einer solchen Höhle nichts Auffälliges . Darum kam ich gar nicht auf den Gedanken , nach den Ursachen dieses Risses zu fragen . Und doch war es , wie sich später zeigte , von außerordentlicher Wichtigkeit für uns . Als der breite Weg freigeworden war , sagte ich , daß wir uns hier zu trennen hätten . Die beiden Medizinmänner hatten mit mir , Intschu-inta und einem Fackelträger zu Fuß nach oben zu steigen . Die andern aber ritten , indem sie unsere ledigen Pferde mitnahmen , unter Pappermanns Führung den vorhin von uns entdeckten Weg empor , der hinter dem Schleierfalle mündete . Von dort aus hatten sie sich sogleich nach dem Schlosse zu wenden . Wir warteten , bis sie fort waren . Dann verband ich den Medizinmännern die Augen und verbat mir alles Widerstreben . Hierauf nahm ich den Komantschen und Intschu-inta den Kiowa beim Arme . Der Fackelträger schritt voran . So stiegen wir den schon einmal gemachten Weg nach dem Passiflorenraum empor . Das ging , weil die Augen der Gefangenen verbunden waren , so langsam , daß wir nicht , wie ich gesagt hatte , nach einer halben Stunde , sondern erst nach über einer ganzen Stunde droben bei den letzten Stufen ankamen . Da machte ich mich daran , die Platte auf die Seite zu schieben . Indem ich dies tat , hörte ich Stimmen . Es schien jemand bei meiner Frau zu sein . Ich öffnete die Falltür so geräuschlos wie möglich . Dann schob ich vorsichtig nur den oberen Teil meines Kopfes , bis an die Augen , hinaus , um zu sehen , wer da sprach . Das Herzle war verschwunden , jedenfalls durch die Treppentür hinaus , in das Freie . Jetzt saß Tatellah-Satah auf der Bank , dem Kreuze gegenüber . Bei ihm standen zwölf Apatschenhäuptlinge , jüngeren Alters , von denen ich keinen kannte . Der älteste von ihnen war nicht über fünfzig Jahre alt . Der alte » Bewahrer der großen Medizin « sprach mit sehr bewegter Stimme zu ihnen . Ich hörte die Fortsetzung des angefangenen Satzes : » Unser guter Manitou ist größer , millionenmal größer , als die roten Männer bisher glaubten . Sie nahmen an , er sei nur ihr Gott , nicht aber auch der Gott aller Anderen , die da leben . Falls dies auf Wahrheit beruhte , wie klein wäre er da , wie klein ! Der Gott einiger armen Indianerscharen , die von den Bleichgesichtern zermalmt , zerquetscht und zertreten werden ! Wie groß und wie mächtig müßte dagegen der Gott der Weißen sein ! Und wie sehr müßten wir da wünschen , daß dieser Gott der Weißen an Stelle des ohnmächtigen Manitou der Indianer trete ! Doch dieser Wunsch wurde uns erfüllt , noch ehe wir ihn empfanden . Schaut hin auf das Kreuz ! Es blüht , um uns zu erlösen . Es nimmt uns Manitou , um Manitou uns zu geben . Es sagt uns , daß es nur einen einzigen gibt , den Allmächtigen , den Allweisen , den Allstarken , den Allgütigen , und daß wir ihn seiner Allstärke und seiner Alliebe berauben , indem wir ihn nur für uns haben wollen , für uns allein , die wir die unglücklichste aller Nationen sind und die schwächste aller Rassen . Das Kreuz ruht in der Erde und ragt zu Gott empor . Das ist das eine , was es bedeutet . Aber es breitet seine beiden Arme aus , um jedermann und alle Welt zu umfangen . Das ist das andere , was es bedeutet . Niemand von uns hat das gewußt . Old Shatterhand war es , der uns dieses Wissen brachte . Wir aber nahmen es