solche Rasse überhaupt niemals verkauft . Es ist jedem Kutubikurden bekannt , daß man derartige Pferde höchstens nur gegen eine fortgesetzte und langjährige Rente aus den Händen gibt . Ich habe Kiss nur ein einziges Mal wiedergesehen , vor gar nicht langer Zeit . Er war über zwanzig Jahre alt , abgetrieben , entstellt , verletzt , verhunzt , besudelt , beinahe zur Karrikatur gemacht , und nun hat ihn der Scheik ul Islam sich von dem Käufer schicken lassen , um ihn in dieser Heruntergekommenheit öffentlich gegen mich auszuspielen . Die Karrikatur eines Pferdes sollte von der Karrikatur eines Menschen , nämlich Tifl , hier vorgeritten werden , um vor Aller Augen den Beweis zu liefern , welchen verderblichen Einfluß ich auf die Erziehung von Mensch und Tier besitze ! Vor allen Dingen aber soll das arme , absichtlich mißhandelte Tier vor dem Rennen nicht als Kiss , sondern als Kiss-y-Darr , also nicht als Roman , sondern als Schundroman ausgerufen werden . Du siehst , mit welchen Mitteln diese Ebenbilder Gottes gegen mich kämpfen ! « » So ist es also , so ! « sagte ich . » Nun ist ihnen aber Tifl entgangen . Vielleicht verzichten sie aus diesem Grunde auf den beabsichtigten Streich ? « » Das denke nicht ! Es wird sich schon ein feiler Taki finden , dem es eine Wonne ist , sich auf dem Schundroman vor aller Welt zu brüsten , weil ihn ein andres Pferd sofort vom Sattel werfen würde ! Nicht etwa , daß ich mich hierüber ärgere , o nein ; ich freue mich sogar auf diese Hanswurstiade , denn , denn - - - ich habe Etwas vor ! « » Was ? « » Kiss war edel und ist noch heute edel , trotz seines Alters und trotz seiner Entstellung . Der Kenner sieht sofort , was ursprüngliche Natur und was Verhunzung ist . Ich werde aus diesem Humbug einen Ernst zu machen wissen , an den zu denken , ihnen Geist und Grütze fehlen ! Du wirst es wohl erraten ? « » Allerdings . Wenn sie sich einbilden , uns mit ihrem Schund schlagen zu können , so werden sie es sein , die beschämt abziehen müssen . Du oder ich , ganz gleich ; wir haben uns beide nicht zu schämen ! « » Ich höre , du hast mich verstanden . Uebrigens scheint dieser Plan mit Kiss-y-Darr in demselben Gehirn entsprungen zu sein , aus welchem die famose Karawane des Pischkhidmet Baschi83 stammt . Sie sind einander so ähnlich . Mit dem Pferde wollen sie mich blamieren ; mit jener Karawane , die auch nur Humbug war , sollte die Ehre des Schah-in-Schah an den heiligen Orten untergraben werden . « » Woher weißt du das ? « fragte ich verwundert , weil auch ich mir schon so etwas Aehnliches gedacht hatte . » Der Herrscher hat es mir selbst erzählt . Es ist ihm über diese Karawane berichtet worden . Er hat nicht das Geringste von ihr gewußt , und unter seinen Kammerherren befindet sich nicht ein einziger solcher Dummkopf , wie jener sogenannte Pischkhidmet gewesen ist . Darum hat er nachforschen lassen . Die Spuren führten zum Scheik ul Islam , und es stellte sich auch wirklich heraus , daß dieser der Unternehmer des ganzen Schwindels gewesen ist . « » Und ich habe den Pseudo-Kammerherrn beschützt ! « » Trotz seiner Frechheit und Undankbarkeit ! Laß dich das nicht reuen ! Dank kennt nur der Gute , aber so ein Mensch doch nicht ! Uebrigens kam während dieses Gespräches mit dem Beherrscher noch eine andere Episode vor . Ich war nämlich zweimal bei ihm . Beim ersten Male erzählte ich ihm Alles und zeigte ihm auch den Brief des Aemir-i-Sillan an den Henker und las ihm die Zeilen vor . Da sagte er , daß dieser Henker uns jetzt ganz nahe sei , denn er befinde sich auch hier , habe um eine Audienz gebeten und sei für die jetzige Zeit herbeibefohlen worden . Als ich dann ging , stand der Multasim auch wirklich im Vorzimmer und mußte sofort eintreten . Er hatte seinen Balapuschi84 abgelegt , und der günstige Augenblick erlaubte mir , den Brief in eine Tasche desselben zu schieben , in welcher schon ein Notizbuch steckte ; er ist also ganz sicher gefunden worden . Bei der Abschiedsaudienz erfuhr ich vom Schah , daß dieser Mensch die Stirn gehabt habe , mich wegen Mordanschlages und widerrechtlicher Gefangennahme bei ihm anzuklagen und um strengste Bestrafung zu bitten . Der Herrscher hätte ihn am liebsten sofort festnehmen und aufhängen lassen mögen , war aber in Anbetracht unserer Pläne so bedacht gewesen , ihm den ruhigen Bescheid zu erteilen , daß er das Resultat seiner Zeit erfahren werde . Hierauf hatte Ghulam el Multasim angenommen , daß er seinen nächsten Aufenthaltsort nennen müsse , und gesagt , daß er jetzt nach Chorremabad gehe , um dort der Gast des Scheik ul Islam zu sein . Hätte er geahnt , was der Schah über diesen Würdenträger wußte und dachte ! « » So haben wir also die lieben Freunde jetzt in unserer Nähe , und wahrscheinlich kommen noch immer mehr hinzu ! « » Ja ; es drängt nun Alles auf die Entscheidung hin , und unser Rennen wird der Anfang vom schnellen Ende sein . « » Dann los ! Heut Abend , wenn mir Niemand mehr begegnen kann , reite ich zum ersten Male mit Syrr aus . « » Wohin ? Zur Rennbahn ? « » Jetzt das noch nicht . Ich muß ihm zunächst Freiheit geben , weiten Spielraum . Vielleicht wähle ich den Weg nach den Pässen hin . « » Da müßtest du durch den Duar , den du doch wohl besser vermeidest . Wende dich lieber nach Norden . Drüben den Steinbruchweg hinab , links um den Berg herum und dann über die breite , grasige Talsenkung rechts . Da kommst du bald