jetzt hören . Man wird dich gegen Mittag in einer Sänfte hinüber nach dem Gotteshause tragen . Dort bleibst du bis zum Abend . Es wird für alles gesorgt sein , was du brauchst . Unser Tifl ist in deiner Nähe , um dich zu bedienen . Jeder Dschamiki , der im Duar oder in der Nähe wohnt und euch als seine Gäste betrachtet , weil ihr die Gäste seines Ustad seid , wird anwesend sein . Gezwungen wird niemand . Wer kommt , der folgt nur seinem eigenen Willen . Aber so viele es ihrer sein mögen , es wird dich keiner belästigen . Es wird so sein , als ob du gar nicht zugegen wärst , doch wenn du mit jemand zu sprechen wünschest , so genügt ein Wort an Tifl , der ihn zu dir holt . Jetzt erlaube , daß ich gehe ! Man braucht mich , wie es scheint , anderwärts . « Schakara stand nämlich oben bei den Säulen und winkte ihm . Er ging . Was waren das doch für Gedanken , welche sich nun in mir regten ! Ich übergehe sie . Um aufrichtig zu sein , muß ich sagen , daß die Vorstellung , der Mittelpunkt einer Feier zu sein , eine unangenehme Empfindung in mir erregte . Es ist keineswegs ein beglückendes Gefühl , die Aufmerksamkeit Vieler auf sich gelenkt zu sehen . Man frage einen sogenannten » berühmten « Mann , und wenn er nicht bloß berühmt , sondern auch verständig ist , so wird man erfahren , wie teuer er diese Aufmerksamkeit zu bezahlen hat . Er ist durchaus nicht zu beneiden , sondern vielmehr zu beklagen . Die Oeffentlichkeit ist die Feindin jedes wahren Glückes . Wohl dem Manne , dem nicht das fürchterliche Los zuerteilt worden ist , die Aufmerksamkeit von Menschen zu erregen , welche so kurzsichtig und so übelwollend sind , ihn wegen einer » Berühmtheit « zu hassen und zu verfolgen , die schon an sich nicht leicht zu tragen ist ! Es war mir also gar nicht lieb , zu wissen , daß ich der Mittelpunkt dessen sei , was man sich vorgenommen hatte ; aber ich konnte doch unmöglich so undankbar sein , das , was ich empfand , den Gefühlen dieser guten Leute voranzusetzen ! Ich hatte mich zu fügen . Einige Zeit , nachdem der Pedehr in das Haus gegangen war , sah ich einen Mann aus dem Garten kommen , dessen Aeußeres meine Augen sofort auf sich zog . Nicht seine Kleidung ist ' s , die ich besonders zu beschreiben habe . Sie zeigte nichts , was mir hätte auffallen können . Sie war so einfach wie die jedes andern Dschamiki . Aber er selbst , der Mann war es , der gleich beim ersten Blicke mein ganzes Interesse erwecken mußte . Man denke sich Bismarck in orientalischem Anzuge und mit einem lang herabwallenden weißen Bart , aufrecht , stolz und aber doch nachdenklich daherschreitend , so hat man ein deutliches Bild von der Gestalt , die sich mir näherte . Auch das Gesicht von fast frappierender Aehnlichkeit , die starken , buschigen Brauen nicht ausgenommen . Er blieb kurz vor mir stehen , hob beide Hände bis zur Brust , verbeugte sich und fragte : » Du bist Kara Ben Nemsi Effendi ? « » Ja , « antwortete ich . » Ich komme von unserm Pedehr . Er hat mir gesagt , daß du es mir nicht übelnehmen werdest , wenn ich dich begrüße . Ich bin der Chodj-y-Dschuna . « » Du bist mir willkommen ! Erlaube , daß ich dich bitte , hier bei mir Platz zu nehmen ! « Ich schob ihm eines meiner Kissen hin , und er setzte sich . Als er sprach , sah ich , wie liebenswürdig , ich möchte fast sagen harmonisch , seine vollen , trotz des Alters noch so frischen Lippen geschwungen waren . Ich hatte das Gefühl , als könne dieser Mund nur kluge , gütige , nie aber häßliche Worte sprechen . Er bemerkte wahrscheinlich , daß mein Auge nicht mit einem gewöhnlichen Blicke auf ihm ruhte , denn er begann das Gespräch mit der Erkundigung : » Du schaust mich so eigen an . Bin ich dir vielleicht bereits bekannt ? « » Nein . « » Nicht ! Aber du lächelst ! Ich vermutete fast , daß du mich schon einmal gesehen habest . « » Das ist allerdings der Fall . « » Ich weiß nichts davon . Wo ? « » Nicht hier , sondern in Dschermanistan130 . « » Maschallah ! Da bin ich nie gewesen ! « » Das glaube ich dir wohl . Du warst es auch nicht selbst , sondern nur dein Ebenbild . « » Giebt es dort einen Mann , dem ich so ähnlich bin ? « » Sogar sehr ähnlich ! Und er ist kein gewöhnlicher Mann , sondern die rechte Hand des Schah-in-Schah von Dschermanistan . « Er sann einen Augenblick lang nach und fragte dann : » Die rechte Hand ? Ich weiß nicht , ob ich es erraten werde . Die Faust dieses weisen Herrschers wird Molaka131 genannt . Seine rechte Hand aber kann wohl nur Bismarak132 sein . Habe ich es richtig getroffen ? « » Ja . « » Und du findest , daß ich Aehnlichkeit mit diesem auch bei uns bekannten und berühmten Manne besitze ? « » Sogar eine ganz auffällige ! Deine Gestalt ist wie die seinige , und auch in Beziehung auf seine Gesichtszüge bist du eine sehr wohlgetroffene , lebendige Abbildung von ihm . « » Also eine zufällige Gleichheit körperlicher Eigenschaften , auf welche man sich ebenso wenig einzubilden hat , wie man darüber in Trauer zu geraten braucht , daß man einem nicht beliebten Menschen ähnlich sieht . Nicht durch seine äußeren , sondern durch seine innern Eigenschaften wird der Wert eines Menschen bestimmt . Bismarak ist ein großer ,