den Brief wieder in das Couvert und rief Agnes . Das Kind kam auch . » Agnes , gefällt es dir hier ? « » Ja , gnäd ' ger Herr , es gefällt mir hier . « » Und ist dir auch nicht zu still ? « » Nein , gnäd ' ger Herr , es ist mir auch nicht zu still . Ich möchte immer hier sein . « » Na , du sollst auch bleiben , Agnes , solang es geht . Und nachher . Ja , nachher ... « Das Kind kniete vor ihm nieder und küßte ihm die Hände . Dubslavs Zustand verschlechterte sich schnell . Engelke trat an ihn heran und sagte : » Gnäd ' ger Herr , soll ich nicht in die Stadt schicken ? « » Nein . « » Oder zu der Buschen ? « » Ja , das tu . So ' ne alte Hexe kann es immer noch am besten . « In Engelkens Augen traten Tränen . Dubslav , als er es sah , schlug rasch einen andern Ton an . » Nein , Engelke , graule dich nicht vor deinem alten Herrn . Ich habe es bloß so hingesagt . Die Buschen soll nich kommen . Es würde mir wohl auch nicht viel schaden , aber wenn man schon so in sein Grab sieht , dann muß man doch anders sprechen , sonst hat man schlechte Nachrede bei den Leuten . Und das möcht ich nich , um meinetwegen nich und um Woldemars wegen nich ... Und dabei fällt mir auch noch Adelheid ein ... Die käme mir am Ende gleich nach , um mich zu retten . Nein , Engelke , nich die Buschen . Aber gib mir noch mal von den Tropfen . Ein bißchen besser als der Tee sind sie doch . « Engelke ging , und Dubslav war wieder allein . Er fühlte , daß es zu Ende gehe . » Das Ich ist nichts - damit muß man sich durchdringen . Ein ewig Gesetzliches vollzieht sich , weiter nichts , und dieser Vollzug , auch wenn er Tod heißt , darf uns nicht schrecken . In das Gesetzliche sich ruhig schicken , das macht den sittlichen Menschen und hebt ihn . « Er hing dem noch so nach und freute sich , alle Furcht überwunden zu haben . Aber dann kamen doch wieder Anfälle von Angst , und er seufzte : » Das Leben ist kurz , aber die Stunde ist lang . « Es war eine schlimme Nacht . Alles blieb auf . Engelke lief hin und her , und Agnes saß in ihrem Bett und sah mit großen Augen durch die halbgeöffnete Tür in das Zimmer des Kranken . Erst als schon der Tag graute , wurde durch das ganze Haus hin alles ruhiger ; der Kranke nickte matt vor sich hin , und auch Agnes schlief ein . Es war wohl schon sieben - die Parkbäume hinter dem Vorgarten lagen bereits in einem hellen Schein - , als Engelke zu dem Kinde herantrat und es weckte . » Steih upp , Agnes . « » Is he dod ? « » Nei . He slöppt en beten . Un ick glöw , et sitt em nich mihr so upp de Bost . « » Ick grul mi so . « » Dat brukst du nich . Un kann ook sinn , he slöppt sich wedder gesunn ... Un nu , steih upp un bind di ook en Doog um ' n Kopp . Et is noch en beten küll drut . Un denn geih in ' n Goaren un plück em ( wenn du wat finnst ) en beten Krokus oder wat et sünsten is . « Die Kleine trat auch leise durch die Balkontür auf die Veranda hinaus und ging auf das Rundell zu , um nach ein paar Blumen zu suchen . Sie fand auch allerlei ; das Beste waren Schneeglöckchen . Und nun ging sie , mit den Blumen in der Hand , noch ein paarmal auf und ab und sah , wie die Sonne drüben aufstieg . Sie fröstelte . Zugleich aber kam ihr ein Gefühl des Lebens . Dann trat sie wieder in das Zimmer und ging auf den Stuhl zu , wo Dubslav saß . Engelke , die Hände gefaltet , stand neben seinem Herrn . Das Kind trat heran und legte die Blumen dem Alten auf den Schoß . » Dat sinn de ihrsten « , sagte Engelke , » un wihren ook woll de besten sinn . « Dreiundvierzigstes Kapitel Es war Mittwoch früh , daß Dubslav , still und schmerzlos , das Zeitliche gesegnet hatte . Lorenzen wurde gerufen ; auch Kluckhuhn kam , und eine Stunde später war ein Gemeindediener unterwegs , der die Nachricht von des Alten Tode den im Kreise Zunächstwohnenden überbringen sollte , voran der Domina , dann Koseleger , dann Katzlers und zuletzt den beiden Gundermanns . Den Tag drauf trafen zwei Briefe bei den Barbys ein , der eine von Adelheid , der andre von Armgard . Adelheid machte dem gräflichen Hause kurz und förmlich die Anzeige von dem Ableben ihres Bruders , unter gleichzeitiger Mitteilung , » daß das Begräbnis am Sonnabendmittag stattfinden werde « . Der Brief Armgards aber lautete : Liebe Melusine ! Wir bleiben noch bis morgen hier - noch einmal das Forum , noch einmal den Palatin . Ich werde heute noch aus der Fontana Trevi trinken , dann kommt man wieder , und das ist für jeden , der Rom verläßt , bekanntlich der größte Trost . Wir gehen nun nach Capri , aber in Etappen , und bleiben unter anderm einen halben Tag in Monte Cassino , wo ( verzeih meine Weisheit ) das ganze Ordenswesen entstanden sein soll . Ich liebe Klöster , wenn auch nicht für mich persönlich . Neapel berühren wir nur kurz und gehen gleich bis Amalfi , wenn wir nicht das