Geheimrats ein helleres Licht , als gewöhnlich in Wintertagen darin anzutreffen war . Ein Strahl fiel bis an den Korb in der Ofenecke , wo das Windspiel in seinem Zwischenzustande von Schlafen und Zittern lag . Die Pendule schlug zehn , und der Geheimrat , mit der Pünktlichkeit , die ihm eigen war , trat in das Zimmer und nahm seinen Platz vor dem Arbeitstische , auf dem auch heute wieder Zeitungen und einzelne an ihn persönlich gerichtete Schreiben unter einem Briefbeschwerer von schwarzem Marmor lagen . Daneben ein elfenbeinernes Papiermesser mit geschnitztem Schlangengriffe . Es war ein klarer Tag , aber er hatte doch sein » leichtes Gewölk « , wenigstens in dem Gemüte des Geheimrats , der denn auch , die gewohnte Ordnung der Dinge verkehrend , heute seinen Frühbesuch bei den Goldfischchen hinausgeschoben und statt dessen sofort nach dem Zeitungsblatt gegriffen hatte . Er flog über die Spalten hin , aber sein Auge ließ unschwer erkennen , daß er nicht las , sondern nur bemüht war , die Unruhe , die ihn erfüllte , vor sich selber zu verbergen . » Guten Morgen , Papa « , klang es wieder wie bei einem früher geschilderten Besuche in seinem Rücken , und ehe er noch sich wenden und den Gruß erwidern konnte , war Kathinka an seiner Seite . Auch sie schien befangen , und ihm scharf nach den Augen sehend , sagte sie : » Du hast mich rufen lassen , Papa ? « » Ja , Kathinka , ich bitte dich , Platz zu nehmen . « » Nicht so . Erst mußt du mich freundlicher ansehen und nicht so feierlich , als ob sich eine Staatsaktion vorbereite . « Der Geheimrat klopfte mit der elastischen Spitze des Elfenbeinmessers auf seinen Schreibtisch und wandte sich dann , indem er seinem Sessel eine kurze Drehung gab , der Fensternische zu , in der Kathinka , den Rücken dem Lichte zu , Platz genommen hatte . Sie saß in Folge davon in einem sehr wirkungsvollen Halbschatten , und der freudige Stolz über die schöne Tochter ließ den Vater auf Augenblicke das Peinliche des Momentes vergessen . Kathinka selbst war sich des Eindrucks , den sie machte , vollkommen bewußt . Sie trug ihr Haar wie gewöhnlich in den Vormittagsstunden in einem goldenen Netze , aber dies Netz hatte sich halb geöffnet , und ein Teil der kastanienbraunen Locken fiel auf den Kragen eines weiten , dominoartigen Morgenkleides . Ihre Füße , leicht übereinandergeschlagen , steckten in kleinen Saffianschuhen , und schnell die Vorteile berechnend , die der Vater aus seinem Spielen mit dem Elfenbeinmesser zog , nahm sie ihrerseits die kleine , neben den Goldfischchen liegende Netzkelle zur Hand , um damit zu spielen . » Ich habe dich bitten lassen , Kathinka , um ein paar Fragen an dich zu richten , Fragen , die mich seit Wochen beschäftigen . Der Brief Tante Amelies hat mir dieselben aufs neue nahegelegt , und ich würde gleich nach deiner Rückkehr mit dir gesprochen haben , wenn nicht die Unruhe der letzten Tage mich daran gehindert hätte . « » Die gute Tante « , sagte Kathinka . » Sie denkt mehr an mein Glück als ich selbst . Ich sollte ihr dankbarer dafür sein , als ich es bin . « » Ich wollte , du könntest es . Die Wünsche , die sie hegt , sind auch die meinen . Und ihre Erfüllung schien mir so nahe . Aber du selbst hast alles wieder in Frage gestellt . Daß ich es bekenne , zu meiner Betrübnis . Wie stehst du zu Lewin ? « » Gut . « » Dies Gut das eine ganze Antwort zu sein scheint , ist doch nur eine halbe . « » Nun , so will ich dir unumwunden die ganze geben . Ich habe Lewin lieb , aber ich liebe ihn nicht . Alles an ihm ist Phantasie ; er träumt mehr , als er handelt . Dies mag als ein Grund gelten . Aber bedarf es denn der Gründe ? Die Tante , die sonst so klug ist , oder vielleicht weil sie es ist , vergißt ganz und gar , wie wenig das Warum in unseren Neigungen bedeutet . Sie will mein Glück , aber sie will es auf ihre Art , und was mir Sache des Herzens ist , ist ihr nur Sache des Hauses . Ich fühle mich aber nicht getrieben , einer Guseschen Hof- und Hauspolitik zuliebe ein Verlöbnis einzugehen oder gar ein Bündnis zu schließen . Das sind Rheinsberger Reminiszenzen , die für Tante Amelie sehr viel , für mich sehr wenig bedeuten . Sie behandelt alles wie die Verbindung zweier regierender Häuser ; das mag schmeichelhaft sein ; aber Lewin ist kein Prinz , und ich bin keine Prinzessin . « » Du vergißt nur eins : Lewin liebt dich . « Kathinka klopfte , während sie den linken Fuß hin - und herschaukelte , mit der Netzkelle leicht auf den Rand des Bassins ; der Geheimrat aber fuhr fort : » Lewin liebt dich , und es ist nicht lange , daß du diese Liebe erwidertest oder doch zu erwidern schienst . Erst die letzten Monate haben alles geändert und du sprichst nun spöttisch von der Verbindung zweier regierender Häuser . Ich schätze den Grafen , aber ich fürchte , es war keine glückliche Stunde , die ihn in unser Haus führte . Hat sich der Graf dir gegenüber erklärt ? « » Nein . « » Glaubst du , daß er dich liebt ? « » Ja . « » Und du ? « Es kam Kathinka gelegen , daß das Windspiel , das sehr bald nach ihrem Eintreten seinen Korb verlassen und zur Empfangnahme von Liebkosungen und Zuckerbröckelchen sich bei ihr eingestellt hatte , inzwischen immer verdrießlicher geworden war . Es lief jetzt , weil die Bröckelchen nach wie vor ausblieben , zwischen ihr und der Etagere , in der sich die