zahm , da sie den Lockrufen der kleinen , rotbraunen Kinder wie Hunde gehorchten . Robert versuchte ein ähnliches Mittel , aber ohne Erfolg . » Hätte ich doch einen Lasso ! « dachte er ärgerlich . Und wieder rief er leise , ohne jedoch einen günstigeren Erfolg zu erzielen ; die Tiere weideten in ungestörter Ruhe , die Sonne schien hell vom Himmel herab , und die kleinen Kinder spielten ganz wie ihre weißen Altersgenossen mit Kieseln und Sand . Aber etwas mußte geschehen . Die Zeit verging , die Kameraden warteten , der Kapitän war gewiß schon ganz außer sich , also alles drängte zur Eile . Robert hielt noch einmal scharfe Umschau . Aus den spitzzulaufenden Hütten drang oben stellenweise leichter , bläulicher Rauch hervor , auch einige Haustiere , wie Schweine und Hunde , liefen umher , aber kein erwachsener Mensch ließ sich blicken . Vielleicht war der Stamm auf einem Kriegszug , und nur ein paar alte Frauen beaufsichtigten die Kinder , - vielleicht glückte es , mit einem geschickten Griff die Pferde zu entführen , und dann hatten die Seeleute das Spiel gewonnen . Gedacht , getan . Robert trat hinaus auf das freie Feld und näherte sich dem ersten Tier , das ihn ruhig herankommen ließ . Sein Herz schlug schneller , als er eine mitgebrachte Leine aus der Tasche hervorzog und sie um den Hals des Pferdes legte . Da tönte aus ziemlicher Entfernung durch die Waldesstille das verabredete Zeichen . Robert horchte . Es waren drei kurze , gellende Pfiffe , also Wasser gefunden und der Zweck der ganzen Expedition erreicht . Höchstwahrscheinlich hatten die Kameraden denselben Fluß , nur etwas weiter hinauf , entdeckt . Von zwei Seiten kam Antwort , aber Robert gab keinen Laut von sich . Der Pfiff hätte bestimmt die Wilden aus ihren Schlupfwinkeln hervorgelockt . Er schwang sich auf eins der Pferde und wollte eben davonsprengen , als ihn ein lauter , mehrstimmiger Ausruf erreichte . Er wandte sich um und erkannte unten zwischen den Hütten etwa zehn bis zwölf Patagonier . Zugleich wurde das Pferd bei seinem Namen gerufen , machte eine plötzliche Schwenkung und galoppierte mit dem erschrockenen jungen Menschen geradewegs in das Dorf hinab . Robert wäre schon nach wenigen Minuten mitten unter den Wilden angelangt und von ihnen zweifellos gefangen worden , wenn er nicht noch rechtzeitig abgesprungen wäre . Mit langen Sätzen lief er in das Gebüsch hinein . Die Wilden folgten ihm . Ihr lautes Kriegsgeschrei mischte sich mit den Tönen der Pfeife und den antwortenden Stimmen der Matrosen . Die ganze stille und friedliche Umgebung war in Aufruhr geraten . Von weitem hörte man die Pfeifen , Mongo rief laut und angstvoll Roberts Namen , die Pferde galoppierten stampfend und schnaubend auf der Weidefläche , die Hunde bellten und die Wilden heulten . Eine Art Wurfspieß oder Lanze , plump aus Eisen hergestellt , flog haarscharf an Roberts Kopf vorüber , - wenigstens dreißig Wilde waren jetzt auf seiner Spur und liefen heulend und schreiend wie ein Schwarm höllischer Geister dem fliehenden jungen Matrosen nach . Mit Mänteln aus Pferdeleder und Schuhen aus der abgestreiften Haut des Pferdefußes , an der noch die Hufe unverändert saßen , mit greller Malerei im Gesicht und sonderbar heraufgebundenem , mit Federn durchflochtenem Schopf , sahen sie aus wie die leibhaftigen Teufel , während ihr Kriegsgeschrei auch dem Tapfersten Furcht einflößen konnte . Roberts Pfeife gab ihre schrillen Töne von sich , die vier Matrosen schossen aufs Geratewohl in die Luft , um womöglich den Feind zu erschrecken , und von weitem gaben die Kameraden das Antwortzeichen , kurz , es war ein Lärm , als sollte die alte Erde aus den Fugen gehen . Allen voran stürmte Mongo . Im Laufen zielte er und traf einen der Wilden tödlich . Die übrigen stutzten doch unwillkürlich . Vielleicht schreckten sie vor der noch fast unbekannten Feuerwaffe zurück , vielleicht hatten sie gehofft , nur mit einem einzigen Gegner kämpfen zu müssen und wurden irre , als jetzt die Matrosen von allen Seiten dem Kampfplatz zueilten . Schuß auf Schuß krachte . Mehrere Wilde fielen , aber auch einige Weiße wurden getroffen , und immer hartnäckiger kämpften die erbitterten Gegner . Die Patagonier hatten den ersten lähmenden Schreck überwunden , sie schlossen sich fester zusammen , drangen in geschlossener Front gegen ihre Widersacher vor und schienen durch den vereinten starken Anprall fast das Übergewicht zu erlangen . Ihre stumpfen , schweren Waffen schlugen empfindliche Wunden , ihre auf etwa fünfzig Mann angewachsene Zahl brachte die Matrosen zum Weichen . » Wir müssen uns absetzen « , rief mit lauter Stimme der Steuermann . » Zieht euch mit vorgehaltenem Gewehr bis an den Strand zurück , Leute , diese Wilden haben keine Boote . « Aber der Befehl verhallte ungehört , und schon in der nächsten Viertelstunde wären die Patagonier Herren der Lage gewesen , wenn nicht ein unvorhergesehener Zwischenfall die ganze Sachlage urplötzlich verändert hätte . Seitwärts vom Kampfplatz hörte man ein gellendes Pfeifen und zugleich das Stampfen von Pferdehufen . Die Wilden horchten auf und hielten im Angriff inne , denn wirklich erschien auch schon in der nächsten Minute das galoppierende , jagende Rudel ihrer aneinandergekoppelten Pferde . Das erste hielt ein Reiter am Zaum , der selbst ein lediges Tier ritt . Brausend und stampfend verschwand der Zug ebenso schnell , wie er gekommen war , aber schon der bloße flüchtige Anblick hatte die Wilden von dem Kampf mit den Weißen vollständig abgelenkt . Ihr einziger Reichtum , ihre Pferde waren in Gefahr , und dafür ließen sie alles im Stich . Mit gellendem Geschrei setzten sie dem einzelnen Reiter und seiner Beute in das Unterholz nach , so daß sich die Matrosen plötzlich allein sahen . Nur ein Schwerverwundeter lag ächzend im Gras , und mehrere andere hinkten mit zerschlagenen oder zerschossenen Gliedern schwerfällig davon . » Schnell « , rief der Steuermann . » Um Gottes willen , schnell