vier Söhne im Zuchthause hätten . « Des Commerzienraths Kopf sank wieder auf die Seite ; ich mochte wohl bei seinen letzten Worten ein sehr ernstes Gesicht gemacht haben . » Freilich , « sagte er , » Manche nehmen es leichter . Da ist mein Herr Schwager . Ich möchte nicht in seiner Haut stecken , trotzdem sein Vater ein ehemaliger Reichsfreier und der meine ein ganz gewöhnlicher Nadler war . Die Untersuchung hat ihn nur mit einem blauen Auge davokommen lassen . Man sollte meinen , er hätte für sein Lebtag genug ; aber er kann das Intriguiren nicht lassen . Mein Gott , es ist eine Schande , wie viel mich diese Familie schon gekostet hat . Der Zehrendorfer und seine Wechsel ! A propos ! hat er Ihnen nie gesagt , daß er mir ganz Zehrendorf bereits vor Jahren verschrieben hat ? Besinnen Sie sich doch einmal ; er hat es Ihnen gewiß bei dieser oder jener Gelegenheit gesagt . Er gehörte nicht zu denen , die ein Blatt vor den Mund nehmen ! Und nun der Steuerrath ! Was habe ich für den Mann nicht schon gethan ; und jetzt diese Ansprüche ! Entschädigung ! Unsereiner will doch auch leben ! und wenn man auch keinen Sohn hat , der sich natürlich sein Brot nicht verdienen kann , so hat man doch eine Tochter , die man nicht verhungern lassen will . Solltet machen , daß Ihr frei kommt , alter Junge ! Das Mädel frägt des Tages zehnmal nach Euch ! Habt ' s ihm angethan ! Tausendsassa , Ihr ! « Und der Commerzienrath , der sich erhoben hatte und jetzt mit Hut und Stock in der Hand neben mir stand , versetzte mir einen sanften Stoß in die Seite . » Das ist sehr gütig von dem Fräulein , « erwiederte ich . » Gott , wie das noch roth werden kann ! « sagte der Commerzienrath ; » ist recht ; ganz wie bei mir . Respect vor den Damen ! nur kein lockerer Zeisig ! so Einer bringt ' s sein Lebtag zu nichts . Aber Fräulein dürft Ihr nicht zu meinem Hermann sagen ; das leidet Mamsell Duff nicht , die durchaus Fräulein genannt sein will , trotzdem sie beide kleine Finger darum gäbe , wenn sie sich weder Mamsell noch Fräulein mehr nennen zu lassen brauchte . « Und der Commerzienrath kniff die Augen ein , blies die Backen auf und stieß mich sanft in die Seite . » Ich werde schwerlich Gelegenheit dazu haben , « sagte ich . » Puh ! « sagte der Commerzienrath , » nur nicht tragisch ! Wir sind ja hier ganz unter uns . Habe schon mit meinem Schwager gesprochen ; Ihr müßt nothwendig heute Abend mit uns essen . Hermann - Ihr wißt : ich nenne sie Hermann ! - will Euch durchaus sehen ! Adieu ! « Und der Commerzienrath küßte die Spitzen seiner plumpen Finger und verließ das Zimmer , indem er mir noch in der Thür einen zwinkernden Blick zuwarf . Was hatten diese Besuche zu bedeuten ? Was wollten der hoffärtige Herr Steuerrath und der geldstolze Herr Commerzienrath bei dem Gefangenen ? Darüber würde ich mir wohl vergeblich den Kopf zerbrochen haben , wenn nicht der Director , der am Nachmittage in das Bureau kam , ein Wort hätte fallen lassen , welches mir das Räthsel löste . » Ich wollte , die nächsten drei Tage wären erst vorüber , « sagte er , » Sie glauben nicht , lieber Georg , wie widerwärtig mir diese Verhandlungen sind , die für mich ein materielles Interesse gar nicht haben . Man will mich eigentlich auch nur als Schiedsrichter und schmeichelt mir in der Hoffnung , mein Urtheil von vornherein gefangen zu nehmen . Und hätte ich doch nur ein Urtheil ; aber wie ist das möglich bei einer Sache , die man nicht übersehen kann und die von den Parteien noch geflissentlich verdunkelt wird ? Man rechnet auch auf Sie , lieber Georg , da Sie der Einzige sind , der meinem unglücklichen Bruder in der letzten Zeit nahe gestanden hat und möglicherweise über gewisse Punkte , die man aufzuklären wünscht , Auskunft geben kann . Und nun kommen Sie mit in den Garten ; Snellius und Sie - Ihr müßt mir nothwendig die Gesellschaft unterhalten helfen . Meine arme Frau und ich bringen das wahrlich nicht fertig . « Mit diesen Worten ergriff er lächelnd meinen Arm und ließ sich von mir die Stufen hinab in den Garten und den Gang hinauf zum Belvedere führen , von wo uns schon weither der Jubel der Kinder entgegenschallte . Es war das erstemal seit meinem Unglück , daß ich in eine eigentliche Gesellschaft treten sollte . Ich hatte in der Gefangenschaft Manches gelernt , worauf ich stolz war , aber auch Einiges , dessen ich mich schämte , zum Beispiel , die Beklommenheit , welche mich befiel , als die Stimmen der Redenden näher und näher an mein Ohr schlugen und ich die Gewänder der Damen durch die von den Herbstwinden bereits sehr gelichteten Hecken schimmern sah . Ich konnte mit dem Empfange zufrieden sein ; die Knaben stürzten auf mich zu und Kurt rief , ich solle mit ihnen spielen , denn Cousin Arthur bleibe bei Hermine und Paula , und das sei langweilig und Hermine sei auch erst zehn oder elf Jahre und brauche gar nicht so stolz zu thun . » Hermine thut nicht stolz , aber Ihr seid zu wild , « sagte Paula , die Hermine an der Hand hielt , während Arthur etwas weiter zurück stand und mit sichtbarer Verlegenheit die Erstlinge seines Schnurrbärtchens drehte . Ich hatte die Knaben , einen nach dem anderen , sieben Fuß hoch gehoben und meine Verlegenheit damit , so gut es gehen wollte , verdeckt , während meine Augen unverwandt auf Hermine blickten . Aber es war auch nicht wohl möglich , etwas Zierlicheres und