der schonendsten und liebenswürdigsten Art dahin gebracht , ihr allmählich in Form eines Darlehens ein Nadelgeld auszusetzen , groß genug , auch den Marquis zu versorgen ; und wenn die Herzogin auch über die Summen , welche sie empfing , jedes Mal einen Schuldschein zu unterzeichnen verlangte , so hatte sie es doch in Erfahrung gebracht , daß die Summen in den Büchern nicht auf ihren , sondern auf des Freiherrn Namen eingetragen wurden , und daß dieser die Quittungen , welche sie ausstellte , stets selbst vernichtete , damit sie niemals , auch nicht etwa von seinen Erben , gegen die Herzogin geltend gemacht werden konnten . Aus diesem Zustande , dem wünschenswerthesten , welcher sich augenblicklich für sie denken ließ , hatte der Leichtsinn des Marquis sie aufgeschreckt , und wenn dieser seinerseits in der Aufwallung seines Zornes und seines beleidigten Ehrgefühls auch an nichts weiter denken konnte und mochte , als den Anforderungen des letzteren genug zu thun , so sah die Herzogin mit jener schnell arbeitenden Phantasie , welche die unentbehrliche und unzertrennliche Gefährtin eines scharfen Verstandes ist , sofort über den Augenblick zu dessen Folgen hinüber , und sie konnte nicht zweifelhaft sein , was hier geschehen könne , was ihr zu thun obliege . Daß der Marquis nicht bleiben , wenigstens für jetzt nicht in Richten bleiben könne , verstand sich von selbst . Aber eben weil er gehen mußte , war sie zu bleiben genöthigt , denn nur auf diese Weise konnte sie ihm die Mittel zu seinem Unterhalte schaffen ; indeß freiwillig zu bleiben ziemte ihr nicht , da sie ihren Bruder als den Beleidigten darzustellen wünschte , und nach den ersten lebhaften Erörterungen zwischen ihr und dem Marquis hatte sie dem Freiherrn geschrieben , daß sie sich zu ihrem Schmerze und , wie sie hoffe , auch zu seinem und dem Bedauern der Baronin in die traurige Nothwendigkeit versetzt finde , auf seine großmüthige Gastfreundschaft verzichten und in eine ihr so leere und fremde Welt zurückkehren zu müssen , gegen deren Oede und Schrecken sie unter seinem Dache , an seinem Heerde , unter dem Schutze ihres beiderseitigen Ahnenschlosses eine so friedliche und beglückende Zuflucht gefunden habe . Alles , um was sie sich erlaube , ihn noch zu bitten , sei , daß er ihr die Vierteljahrs-Zahlung noch einmal anweisen lasse , und daß er ihr vergönnen möge , sich seines Wagens und seiner Pferde bis zu der Stadt zu bedienen , in welcher sie zuerst zu übernachten denke und in der sie Postpferde für ihr weiteres Fortkommen finden könne . Sie hatte mit Sicherheit den Eindruck berechnet , welchen solch ein Schreiben eben in diesem Augenblicke auf den Freiherrn machen würde , und sie hatte sich nicht darin getäuscht . Es war in der Voraussicht seines Besuches gewesen , daß sie Befehl gegeben hatte , hier und da einen der Gegenstände und der Geräthschaften , deren sie sich zu bedienen pflegte und welche der Freiherr an ihrem bestimmten Platze zu sehen gewohnt war , aus dem Gemache zu entfernen , und in der That bedünkte ihn diese kleine Zerstörung der ihm in einer bestimmten Form vertraut gewordenen Umgebung unheimlich . Da die Herzogin auf des Freiherrn Bitte , das Schloß nicht zu verlassen , nur mit einer schmerzlichen Bewegung ihrer Mienen antwortete , sprach er nach kurzem Schweigen : Hören Sie , meine Freundin , wie draußen der Wind die starren Aeste der Bäume schüttelt , das Jahr geht abwärts , das Wetter ist schlecht ! Er hielt inne , nahm dann ihre Hand und sagte : Auch unser Leben , Margarethe , wie wir uns gegen diese Erkenntniß in günstiger Stunde auch zu betäuben suchen , ist kein aufsteigendes mehr , der Weg wird übersichtlich , welcher noch vor uns liegt , und was wir auf demselben an Glück noch etwa finden könnten , das sollten wir freiwillig nicht vermindern ! Wir ? nahm die Herzogin das Wort , wir ? Wie dürfen Sie Ihr Schicksal dem meinigen vergleichen , theurer Freund ? Sie haben Renatus , den Sohn , der Ihnen fröhlich und gesund heranwächst , Sie stehen inmitten Ihrer Heimath , Sie besitzen die Liebe einer jungen , edeln Frau ! - Aber was fehlt Ihnen , mein Freund ? rief sie , sich plötzlich unterbrechend . Was habe ich denn gesagt , das sie betrübt ? Oder ist es nur der flackernde Schein der Kerzen , der mir Ihr Gesicht so bleich erscheinen macht ? Der Freiherr zögerte , ihr zu antworten , weil er zum ersten Male die Unwahrheit der Herzogin erkannte . Was bedeutete es , daß sie ihn auf die Liebe seiner Gemahlin hinwies , sie , der Angelika das unglückliche Geheimniß ihrer Liebe zu dem Architekten anvertraut hatte ? Es widerstrebte ihm , sich der Täuschung hinzugeben , die sie ihm schmeichlerisch bereiten zu wollen schien , es widerstand ihm eben so , ihr zu bekennen , daß er ihre Absicht durchschaute ; aber sie ließ ihm zum Ueberlegen keine Zeit , denn mit größter Wärme seine Hände ergreifend , rief sie : O , mein Freund , wäre ich so unglücklich gewesen , eine schmerzhafte Saite in Ihrem Leben zu berühren ? Wüßten Sie etwa , was ich Ihrer Kenntniß vorenthalten zu sehen hoffte , daß selbst diese schöne , edle Natur .... Der Freiherr machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand . Lassen Sie das , lassen Sie das , meine Freundin ! sagte er . Es ist nicht weise , von einem Unwiederbringlichen zu sprechen und seine Gedanken damit zu beschäftigen , besonders wenn man sich nicht mehr mit neuen Täuschungen über eine erlittene Täuschung fortzuhelfen vermag ; und ich darf es leider sagen : meine letzte Täuschung liegt jetzt hinter mir ! - Er seufzte , unterdrückte , was er noch sagen zu wollen schien , und sie schwiegen beide . Sie könnten mich tadeln , nahm nach einer Weile die Herzogin das Wort , daß ich