mich jetzt fortschicken zu lassen ? um Sie morgen wieder nicht allein , sondern in Ihrer Menagerie zu finden ? um von Tag zu Tag , von Jahr zu Jahr , in der immer gesteigerten Qual der Ungewißheit zu verharren ? Nein , Judith ! das geht nicht mehr ! Sie müssen mir Rede stehen . « » Gut ! « sagte sie , schob ihren Lehnstuhl zwei Schritte zurück , legte die Arme über einander und sah ihn an mit ihren wunderschönen , wie schwarze Diamanten glänzenden Augen , über welche lange Wimpern einen zarten , dunkeln Schleier warfen . Sie sah bezaubernd aus . Orest betrachtete sie eine Weile , drückte dann heftig beide Hände vor ' s Gesicht und sagte halbleise : » Judith ! .... ich liebe Dich ! « » Darauf hab ' ich nichts zu antworten ! « sagte sie . » Ha ! « rief er , sprang auf und stampfte wild mit dem Fuß auf den Boden ; » wenn Sie nicht darauf antworten können , so dürfen Sie es auch nicht anhören . « » Wer hört es nicht gern , das süße Wort von der Liebe ? « entgegnete Judith mit so weichem Ausdruck in Ton und Blick , daß Orest wieder gefangen und entwaffnet wurde und zärtlich bat : » Aber das Wort werde erwidert , Judith ! « » Ich bin von wenig Worten , Graf Orestes , das wissen Sie ja längst . « » Wie Sie mich foltern ! « rief er . » O armer Martyrer der Liebe , « entgegnete sie lächelnd . » Und wenn ich des Martertums überdrüssig werde ? « » So verleugnen Sie mich ! « sagte Judith in einem Tone , der mit tausend Schlingen sein Herz umspann ; » aber erwarten Sie nie von mir , daß ich je zu Ihnen von Liebe sprechen könnte ! Dadurch wird das Weib des Mannes Sklavin ; er weiß sich geliebt - und triumphiert . Das Weib hingegen findet keinen Triumph in der Gewißheit , geliebt zu werden - sondern ein Glück . Er kann sprechen ; schweigen muß sie . « » Bis auf einen gewissen Punkt können Sie recht haben . Allein das Schweigen darf nicht lange genug währen , um Zweifel zu wecken . « » Graf Orestes ! ich habe Ihnen einmal vor Jahren ein Wort gesagt . Wissen Sie es noch ? « » Ob ich es weiß ! ob es mir nicht Tag und Nacht das Herz durchklingt ! Judith ! Alles für alles - so lautete das Wort . « » Das ist doch gewiß klar und verständlich ; und Sie haben es dennoch mißverstanden . Als Sie zuerst in Mailand um meine Liebe warben , da sprach ich : Alles für alles ! - und Sie ? was taten Sie , Graf Orestes ? - Sie gingen hin und vermählten sich mit Ihrer schönen Cousine . Kaum waren die Flitterwochen vorüber , so lagen Sie wiederum zu meinen Füßen . Konnte ich anders , als diese - Liebe kann ich unmöglich sagen ! - als diese Sorte von Liebe tief zu verachten ? Wer auf die Zusage : Alles für alles - so antwortet , der versteht sich nicht auf die Liebe des Weibes , überhaupt nicht auf die Liebe des Herzens - und eine andere mag ich nicht ! - Damals sprach ich Ihnen unumwunden meine Verachtung aus und stieg bei Ihnen im Preise , als Sie erkannten , daß ich so leichten Kaufes nicht zu gewinnen sei . Sie wurden erzürnt , gekränkt , Sie gaben Ihre Liebesversicherungen nicht auf und sprachen viel vom Drang der Umstände und von schuldiger Berücksichtigung der Familienverhältnisse - was mich natürlich nicht im mindesten von Ihrer Liebe zu mir überzeugen konnte . All ' die heftigen Szenen , all ' die bitteren Vorwürfe , welche ich Ihnen hätte machen können , machten Sie mir unter dem Vorwand Ihrer glühenden Leidenschaft - was mich natürlich , als eine armselige Komödie , sehr langweilte . Und so trennten wir uns , wie ich glaubte - auf immer ! Aber Sie kamen wieder , Sie suchten mich von neuem auf , Sie drängten sich an mich ; meine Kälte , meine Gleichgültigkeit stieß Sie nicht zurück ; Sie behaupteten , nicht von mir lassen zu können - und dies haben Sie allerdings bewiesen , denn seit drei Jahren sind Sie , bald nach längeren , bald nach kürzeren Pausen , nach Paris , nach der Insel Wight und wieder nach Paris mir gefolgt . Diese Beharrlichkeit würde mich rühren und ich könnte sie wohl als einen Beweis von aufrichtiger Liebe betrachten , wenn ich nicht wüßte , daß versagtes Glück reizender für das Menschenherz ist , als erlangtes ; denn um die Hoffnung schwebt stets ein Abglanz von der Unendlichkeit und auf der Erfüllung liegt stets ein Schatten des Todes - die Endlichkeit . So sind Sie nicht allein ; so ist der Mensch , so ist sein melancholisches Schicksal . Aber weil ich das weiß , so betrachte ich die Extravaganzen Ihrer Leidenschaft und Ihr Beharren bei derselben auch noch nicht als die wahre Liebe . Die muß sich aussprechen in einer Tat , einer entscheidenden lebenumfassenden Tat ; und deshalb sage ich heute , wie damals : Alles für alles . Nur sage ich es jetzt mit noch größerer Entschiedenheit , denn Sie sind mir jetzt eine Ehren erklärung für die tötliche Beleidigung schuldig , eine frivole Liebelei bei mir gesucht zu haben . « » Das hab ' ich nie ! « rief Orest und ließ die Hände sinken , mit denen er , so lange Judith sprach , sein Gesicht bedeckt hatte . » Das nie ! ich habe immer gefühlt , daß Sie die Herrin meines Schicksals sein würden und habe niemals begehrt , den Zauberbann zu lösen , der mich an Sie fesselte . Zu Ihren Vorwürfen , daß ich mich mit