diese zauberhafte , an welche sie selbst glaubte , sondern die eines schnell zerstörenden Giftes ; unter dessen Einwirkungen rang der reiche , mit allen Gütern der Erde gesegnete Christoph Scheurl , der sich immer des heitersten Lebensgenusses gerühmt , verlassen und allein in einer furchtbaren Nacht . Das Gift raubte ihm die Kraft , sich seiner Glieder zu bedienen - er konnte weder einen Ruf noch ein Geräusch hervorbringen , laut genug , die entfernten Hausbewohner zu wecken und herbeizulocken . - Indeß kam Katharina mit dem zweiten Becher des verhängnißvollen Trankes an Elisabeth ' s Thür ; sie war verschlossen , und da Katharina pochte , fragte Elisabeth ungeduldig , was man sie noch störe ? Ich bringe den bestellten Nachttrunk , « antwortete Katharina . » Nun mag ich ihn nicht , « antwortete Elisabeth , die sich schon schlafen gelegt , durch die verschlossene Thür ; » und ein andermal wünsche ich von Euch schneller bedient zu sein , oder gar nicht . « Katharina ging brummend ab . Aber dies entschied bei ihr . Hätte sie heute noch sich in den Besitz des Ringes setzen können , so würde sie Scheurl ' s Wunsch erfüllt haben und verschwunden sein ; so aber blieb sie , da sie überhaupt noch unschlüssig gewesen , ob dies nicht das Bessere sei , damit sie erst noch einmal , wenn Scheurl nüchtern sei , mit ihm sprechen und sich seiner fortdauernden Unterstützung versichern könne . - Man war es gewohnt , das Herr Scheurl , wenn er vielleicht später oder mit einem größern Rausch als gewöhnlich heimgekommen , bis in den Tag hinein schlief , und weder seiner Frau noch der Dienerschaft fiel es auf , daß er bis um acht Uhr sich noch nicht gezeigt hatte . Als aber noch eine Stunde nach der andern vergangen war , im Comptoir Leute auf ihn warteten , und auch Georg Behaim kam , sich mit ihm über eine eilende Geschäftsangelegenheit zu besprechen , ging Elisabeth mit diesem selbst in sein Gemach , dessen Thür wie gewöhnlich nicht verschlossen war . Da lag Scheurl halb aus dem Bette gesunken , regungslos mit gebrochenen Augen und krampfhaft verzerrtem Gesicht , das blau und dunkel unterlaufen einen entsetzlichen Anblick bot . Die zusammengeballten Hände zeugten ebenfalls von vergeblichen Anstrengungen und Kämpfen ; es schien , als habe er versucht aufzuspringen , vielleicht nach Hülfe zu rufen , und sei von körperlichen Schmerzen überwältigt und gelähmt zusammengesunken , unfähig sich von der Stelle zu bewegen . Er war noch halb angekleidet , und so mußte das Uebel oder der Tod gleich bald nach seiner Heimkehr über ihn gekommen sein , denn er pflegte dann immer augenblicklich sein Lager zu suchen . Denn der Tod war es doch , obwohl es weder Elisabeth noch Georg im ersten Schrecken als möglich erschien . Sie hoben Beide vereint den schweren Körper auf sein Lager , Elisabeth suchte vergeblich an ihm nach einem Puls- oder Herzschlag , und Georg rief die Dienerschaft zusammen , zu Doktor und Bader zu laufen , sie eiligst herbeizuholen , und fragte Alle , wann der Herr diese Nacht nach Hause gekommen und wer ihn zuletzt gesehen ? Aber darauf gab Niemand Antwort , wie groß auch die allgemeine Bestürzung war ; Niemand wollte ihn gesehen haben , auch Katharina nicht , die von Elisabeth speciell befragt ward , als sich diese besann , daß dieselbe noch gegen Mitternacht an ihre Thür gekommen , um ein Getränk zu bringen , das eine Stunde vorher von ihr verlangt worden war . Katharina behauptete , es könne nicht so lange Zeit gewesen sein - und sie habe sich gleich gewundert , daß Frau Scheurl indeß schlafen gegangen und sie gescholten . Es sei möglich , daß sie der Schlaf in der Küche übermannt habe , ohne daß sie es gewußt , denn es sei allerdings sehr spät und sie sei sehr ermüdet gewesen ; den Herrn habe sie nicht kommen hören . Bestürzung und Entsetzen zeigte Katharina gleich den Andern . Elisabeth verlor zwar weder ihre gewohnte Geistesgegenwart noch Kraft , aber sie war todtenblaß und zitternd vor Schreck , Thränen strömten aus ihren Augen und ihre Worte klagten sich selbst an , daß sie in dem qualvollsten Todeskampf des Gatten fern von ihm gewesen und die Pflichten eines treuen Weibes nicht hatte an ihm in seinen letzten Stunden über können . Sie hatte den Gatten nicht geliebt , und die Achtung , die sie damals vor ihm besaß , als sie ihm ihre Hand reichte , die hatte sich allerdings auch gegen ihn gemindert und verloren , seit sie mit ihm vermählt war und sein ausschweifendes und zügelloses Leben kennen gelernt hatte . Aber die eigene Selbstachtung hatte ihr geboten , seine Schwächen und Fehler zu verschleiern , ihm Achtung vor der Welt zu zeigen und eine pflichttreue Hausfrau zu sein , die alle Schwüre hielt , welche sie ihm am Altar gelobt hatte . Darum fiel es gerade jetzt doppelt schwer auf ihr Gewissen , daß er hatte sterben müssen ohne ihre zarte pflegende Hand , ohne ihren sorgsamen Beistand , der ihn vielleicht hätte retten können . Zwar war sie auch daran unschuldig , denn es war mit Bewilligung ihres Gemahls geschehen , daß sie seit ihrer Krankheit in einem andern Flügel des Hauses schlief als er ; denn seine lärmenden Gewohnheiten hatten die Leidende gestört , und er fand es auch bald bequemer , daß seine Gemahlin nicht immer wußte , wo und wie er seine Nächte zubrachte , und hatte gern in ihren Vorschlag gewilligt . Aber dennoch empfand es Elisabeth jetzt wie eine Pflichtverletzung , daß sie nicht aufgemerkt , wann er nach Hause gekommen , und einen möglichen Hülferuf von ihm nicht gehört hatte , daß er vielleicht vergeblich nach ihr verlangt in seiner letzten Stunde ; denn er war ja auch immer gut und aufmerksam gegen sie gewesen , er hatte sie auf den Händen getragen und