noch , schien es , zu stolz . In der Nebenstube des Wohnzimmers , aus dem hinaus man in die jetzt fast immer leere Verkaufsflur trat , stand ein Bett mit Kattunvorhängen ; rings von diesen eingeschlossen , um das Licht abzuhalten , das die trüben , rothen Augen des Alten blendete , lag der Alte . Da rückte man ihm eine Fleischbank hin , auf der er Speck und geräuchertes Fleisch schneiden half und Wurst hackte . Eines Tages fand man die Vorhänge sorgsam zugezogen ; man öffnete ; Petrus Ley hatte sich mit dem großen Messer , das immer in seiner Nähe lag , erstochen . Nun vollends war der Segen des Hauses dahin ! Die blutige Gestalt des Großvaters verscheuchte jeden der letzten Kunden , auch die , die aus Mitleid noch gekommen wären . Mit Grauen und Ekel ging man an dem Hause eines Metzgers , der sich selbst erstochen hatte , vorüber , und sah man auch manchmal an der Thür noch ein einziges junges Lämmchen hängen mit ausgebreiteten , an Stecken befestigten Füßen , - die gute unglückliche Frau Ley putzte und scheuerte hellgelb die Haken , an denen einst die schweren Rinderviertel gehangen , die Wagschale blinkte so sauber durch die Fensterscheiben der Hausflurthür wie sonst , - drinnen sah es doch öde und leer aus . Joseph saß dann bald nur noch im Wirthshaus , trank und spielte . Die geistlichen Vermahnungen halfen nichts ; es lag wie ein Fluch auf dem Hause , dessen gänzliche Verödung nur das Mitleid um die rechtschaffene Frau abwandte . Das haben wir ja alle erlebt , wie diese unheilvolle Kette an verderblichen Ringen immer reicher wurde ! Die kleinen Kinder wuchsen herauf , halfen da und dort ; der Vater hatte Augenblicke , wo er sich zusammenraffen wollte . War dann einmal ein Thier gekauft worden , war das ein Jubel von Frau und Kindern ! Sie liefen in die ganze Nachbarschaft ringsum und verkündeten die frohe Mär : Der Vater hat ein Schwein geschlachtet ! Was ließ sich dann thun ? Man mußte den jüdischen Metzger Lippschütz , an den man sich unten am Fall schon gewöhnt hatte und zu dessen Praxis ohnehin diese eine Thiergattung nicht gehörte , übergehen und die arme Frau Ley glücklich machen , die dann freilich erleben mußte , daß der Mann , gleichsam um sich von einer einzigen großen That , dem Schlachten und Zurichten und Verputzen eines einzigen Thieres , auszuruhen , dann wieder im Wirthshause saß und durch erkünstelte Bravaden seine innere Zerfallenheit zu übertrotzen suchte . Sein Blick wurde wilder und scheuer , man mied ihn und je mehr die Theilnahme für die Mutter und die Kinder zunahm , desto vereinsamter fühlte sich ihr Mann , der Joseph . Die arme Frau lief oft sechs Stunden Weges zu Fuß über Land , um irgendeinen Ankauf zu machen ; die Kinder folgten , und zu rührend war der Anblick , wenn sie dann ein Lämmlein oder ein taumelndes Kälblein die Landstraße dahertrieben und den Vater aus dem Wirthshause abriefen , damit er an dem auf Borg oder für ein Geringes Eroberten seine Kunst zeigte . Wir wissen alle , daß eines Tages am Pfosten des Schlachthauses nicht ein solches kunstgerecht ausgeweidetes Lämmlein , sondern der Joseph selber hing ! Wie sein Vater war auch er aus der Welt gegangen ; jener Selbstmord war aus Ungeduld und Stolz , dieser aus Furcht und Scham entstanden ; sein Trotzen war eben nur , wie es geht , ein falsches Spiel gewesen . Dann wurde Meister Lippschütz Herr der ganzen Kundschaft bei den Gerbern und Färbern unten am Fall , bis auch der starb und seine Frau die Metzgerei nicht fortführen konnte . Das , Fräulein Schwarz , ist nun unsere Hasen-Jette , die Sie sehr oft auf unserer Dechanei sehen werden ! Sie ist eine vortreffliche Frau , wenn auch der Major ihren geheimen Lieferanten nicht traut ... Nun stirbt die gute Frau Ley ! Ich muß doch hinunter in die Stadt ! Man kommt nicht wieder ... Gute Nacht ! Der Dechant erhob sich allen Ernstes . Sein gutes Herz hatte über die Bequemlichkeit den Sieg davongetragen . Sein Entschluß wurde aber von einem heranrollenden Wagen unterbrochen . Der Pfarrer von St.-Wolfgang ! rief alles und Frau von Gülpen trat ans Fenster . Es war aber nicht diese heiß von ihr ersehnte Ablösung für den Dechanten , sondern es waren die geistlichen Herren vom Diner und von der Conferenz . Windhack kam schon und berichtete : Sie hätten ihre Ueberkleider , Bücher , Regenschirme noch in der Dechanei zurückgelassen und wollten sich , da sie jetzt erst abreisten - bis um acht Uhr hatten sie Gelegenheit genug gefunden sich in Kocher am Fall zu zerstreuen - , alles in den Wagen nachreichen lassen . Frau von Gülpen fürchtete , daß man nicht jedes da , wo sie es hingelegt hatte , finden würde und schickte auch noch Lucinden mit den nöthigen Anweisungen hinunter . Windhack war schon vorangegangen . Ohnehin war er im Aufdecken begriffen . Nach dem Thee pflegte man in der Dechanei immer noch ein Nachtessen einzunehmen , das bereits aufgetragen wurde ... Man drängte inzwischen den Dechanten , die Botschaft Treudchens erst abzuwarten und sich zu beruhigen . Bald hörte man , daß nach wenigen Augenblicken auch schon der Wagen unten wieder abgefahren war . Eben machte der Major einige Glossen über die Anhäufung geistlicher Versammlungen , über die Unbesonnenheit , mit der man Zwecke zur Schau trüge , die böses Blut nach oben setzen müßten , über die fanatischen Schwärmereien des Stadtpfarrers , der sogar allerlei Abenteurer ins Land riefe , jetzt die Italiener , die diesmal Heiligenbilder verkaufen müßten zu Spottpreisen , wie ihnen durch einen Verein ermöglicht würde ; ja , auch den » Kirchenboten « hätte er heute wieder so scharf geschrieben gehabt , daß man ihn in der Censur von Anfang bis zu Ende gestrichen hätte ... Er kannte