diese Gegenden und später wiederholt in derselben Gesellschaft wie heute , außer Euch , und jedes Mal wurde mir das Land und seine Gestaltungen , ja selbst seine Bewohner lieber . Auch das ist eigentümlich und angenehm , daß man Wagenreisen und Fußreisen verbinden kann . Wenn man , wie wir jetzt tun , die Wägen verläßt und einen langen Berg hinan geht , oder ihn hinab geht , wird einem das Land bekannter , als wenn man immer in dem Wagen bleibt . Es tritt näher an uns . Die Gesträuche an dem Wege , die Steinmauern , die sie hier so gerne um die Felder legen , ein Birkenwäldchen mit den kleinsten Dingen , die unter seinen Stämmen wachsen , die Wiesen , die sich in eine Schlucht hinab ziehen , und die Baumwipfel , welche aus der Schlucht herauf sehen , hat man unmittelbar vor Augen . In Ebenen eilt man schnell vorbei . Hier ist gerade so eine Schlucht , wie ich sprach . « Wir blieben ein Weilchen stehen und sahen in die Schlucht hinab . Beide sprachen wir gar nichts . Endlich fragte ich sie , woher sie denn wisse , daß ich die spanische Sprache lerne . » Unser Gastfreund hat es uns gesagt , « erwiderte sie , » er hat uns auch gesagt , daß Ihr Calderon leset . « Nach diesen Worten gingen wir weiter . Die andere Gesellschaft , welche vor uns gewesen war , blieb im Gespräche stehen , und wir erreichten sie . Die Gespräche wurden allgemeiner , und betrafen meistens die Gegenstände , welche man eben entweder in nächster Nähe oder in großer Entfernung sah . Weil nach Untergang der Sonne gleich große Kühle eintrat , und unsere Reise nicht den Zweck hatte , große Strecken zurück zu legen , sondern das zu genießen , was die Zeit und der Weg boten , so wurde , als die Sonne hinter den Waldsäumen hinab sank , Halt gemacht und die Nachtherberge bezogen . Die Einteilung war schon so gemacht worden , daß wir zu dieser Zeit in einem größeren Orte eintrafen . Wir gingen noch ins Freie . Wie schnell war in kurzem der Schauplatz geändert . Die belebende und färbende Sonne war verschwunden , alles stand einfärbiger da , die Kühle der Luft ließ sich empfinden , in der Tiefe der Wiesengründe zogen sich sehr bald Nebelfäden hin , das ferne Hochgebirge stand scharf in der klaren Luft , während das Tiefland verschwamm und Schleier wurde . Der Westhimmel war über den dunkeln Wäldern hellgelb , manche Rauchsäule stieg aus einer Wohnung gegen ihn auf , und bald auch glänzte hie und da ein Stern , die feine Mondessichel wurde über den Zacken des westlichen Waldes sichtbar , um in sie zu sinken . Wir gingen nun in ein Zimmer , das für uns geheizt worden war , verzehrten dort unser Abendessen , blieben noch eine Zeit in Gesprächen sitzen , und begaben uns dann in unsere Schlafgemächer . Am andern Tage war ein klarer Reif über Wiesen und Felder . Die Nebelfäden unserer Umgebung waren verschwunden , alles lag scharf und funkelnd da , nur das Tiefland war ein einziger wogender Nebel , jenseits dessen das Hochgebirge deutlich mit seinen frischen und sonnigen Schneefeldern dastand . Kurz nach Aufgang der Sonne fuhren wir fort , und bald waren ihre milden Strahlen zu spüren . Wir empfanden sie , der Reif schmolz weg , und in kurzem zeigte sich uns die Gegend wieder wie gestern . Wir besuchten eine Kirche , in welcher mein Gastfreund Ausbesserungen an alten Schnitzereien machen ließ . Es war aber gerade jetzt nicht viel zu sehen . Ein Teil der Gegenstände war in das Rosenhaus abgegangen , ein anderer war abgebrochen und lag zum Einpacken bereit . Die Kirche war klein und sehr alt . Sie war in den ersten Anfängen der gotischen Kunst gebaut . Ihre Abbildung befand sich unter den Bauzeichnungen Eustachs . Als wir alles besehen hatten , fuhren wir wieder weiter . Nachmittags gesellte sich Roland zu uns . Er hatte uns in einem Gasthause erwartet , in welchem unsere Pferde Futter bekamen . Ich konnte , da wir uns eine Weile in dem Hause aufhielten , und später bei einer andern Gelegenheit , da wir eine Strecke zu Fuß gingen , wieder bemerken , daß seine Blicke zuweilen auf Natalien hafteten . Er hatte Zeichnungen in einem Buche , das er bei sich trug , und er hatte Bemerkungen und Vorschläge in sein Gedenkbuch geschrieben . Er teilte von beiden einiges mit , soweit es die Reise gestattete , und versprach , abends , wenn wir in der Herberge angelangt sein würden , noch mehreres vorzulegen . Am nächsten Tage nachmittags kamen wir nach Kerberg und besahen die Kirche und den schönen geschnitzten Hochaltar . Mir gefiel er jetzt viel besser , als da ich ihn in Gesellschaft meines Gastfreundes und Eustachs zum ersten Male gesehen hatte . Ich begriff nicht , wie ich damals mit so wenig Anteil vor diesem außerordentlichen Werke hatte stehen können ; denn außerordentlich erschien es mir trotz seiner Fehler , die , wie ich wohl sah , in jedem Werke altdeutscher Kunst zu finden sein würden , die ich aber in dem Bildnerwerke , das auf der Treppe meines Freundes stand , nicht fand . Wir blieben lange in der Kirche , und ich wäre gerne noch länger geblieben . Vor der Ruhe , dem Ernste , der Würde und der Kindlichkeit dieses Werkes kam eine Ehrfurcht , ja fast ein Schauer in mein Herz , und die Einfachheit der Anlage bei dem großen Reichtume des Einzelnen beruhigte das Auge und das Gemüt . Wir sprachen über das Werk , und aus dem Gespräche erkannte ich jetzt recht deutlich , daß früher auch vor diesem Werke die zwei Männer auf meine Unkenntnis Rücksicht genommen hatten , und ich dankte es ihnen in meinem Herzen . Ich nahm mir vor ,