dadurch der Tendenz unserer wahrhaftigen Geschichten gemäß beweisen , daß kein Mensch auf dieser Welt der Sklaverei entgeht und im Stande ist , beständig seinen Willen durchzusetzen , nicht die Bettler , nicht die Höchsten dieser Erde . Seine Majestät der König ritten nicht spazieren wie Sie gewünscht . Dieselben fuhren auch nicht mit zwei Rappen , wie Sie befohlen , und das aus einem ganz eigenthümlichen Grunde . Der dienstthuende Stallmeister nämlich hatte sich herausgenommen , die Pferde vor dem kleinen bekannten Wagen zu verschiedenartigen telegrafischen Depeschen zu benützen , vermittelst deren er mit einer Dame zu korrespondiren pflegte . Fuhr Seine Majestät mit Braunen , so hieß das Ja , hatten dagegen Höchstdieselben Rappen vor dem Wagen , so bedeutete das Nein . Weil nun aber am heutigen Tage dieser dienstthuende Stallmeister aus den angegebenen Gründen für nothwendig hielt , zwei Braunen einspannen zu lassen , so waren die Rappen noch nicht vollkommen sicher und vertraut , weßhalb Seine Majestät auf den gewiß sehr billigen Wunsch , mit ihnen zu fahren , verzichten mußte . Ferner war auch das Diner nicht in dem kleinen blauen Saale , sondern in dem großen rothen . Dasselbe ging auch ziemlich einsilbig und unerfreulich vorüber , denn Ihre Majestät die Königin hatte rothgeweinte Augen , und ließ sich deßhalb entschuldigen . Sie speiste auf dem Zimmer mit ihrer Schwester , der Frau Herzogin , das heißt , sie speisten vielmehr nicht , sondern ergingen sich in verschiedenen Klagen über verfehlte Wünsche im Einzelnen und über den Druck dieses Lebens im Allgemeinen . Dafür endete aber auch dieser Tag wie er angefangen , und als seine Majestät in ' s Theater trat , wurde gemeldet , daß Madame Wiesengrün-Spitzkopfin erkrankt sei und daß dafür Fräulein Topf die - - Norma singen werde , was an sich auch eine sehr schöne Gegend ist . Neununddreißigstes Kapitel . Unter dem Dache . In dem Hause des Buchhändlers Blaffer , Firma Johann Christian Blaffer und Kompagnie , befanden sich unter dem Dache einige Kammern , von denen ein paar , um den Kunstausdruck zu gebrauchen , gegipst waren , die Wände anderer dagegen die ganz gewöhnliche Holzvertäfelung zeigten , mit welcher auch das Dach unterhalb beschlagen war . Eine dieser gegipsten Kammern war die Wohnung des Herrn Beil , welche durch einige höchst merkwürdige Lithographien , durch ein paar alte zerrissene Vorhänge , sowie durch ein Stück Teppich vor dem Bette so comfortable als möglich gemacht war . Da zufälliger Weise durch diese Kammer das große Kamin des Hauses lief , so befand sich hier ein kleiner Ofen , was eigentlich polizeiwidrig war . Doch wußte Herr Beil die Behörde hinter ' s Licht zu führen , denn so oft eine Bauschau oder ein Schornsteinfeger in ' s Haus kam , so brach er die Röhre dieses unbedeutenden Ofens ab und stellte diesen selbst in eine Ecke wie ein altes Rumpelwerk . An Möbeln war in diesem Zimmer nicht viel vorhanden : ein altes Bett , ein paar Stühle , und in einer Ecke eine Kiste , welche der erfinderische Eigenthümer dadurch , daß er einen kleinen Strohsack darauf gelegt und darüber ein Stück carrirten Zeug gebreitet , solchergestalt zu einem Sopha eingerichtet hatte . Auf diesem Sopha nun saßen Herr Beil und August , der Lehrling , stillschweigend neben einander . Es mochte vielleicht sieben Uhr Abends sein ; auf einem kleinen wackeligen Tische , den wir seiner Unbedeutendheit wegen beinahe anzuführen vergessen hätten , stand ein sogenanntes Sparlicht in einem abgenutzten blechernen Leuchter , und die trübe , rothe Flamme desselben verbreitete eine zweifelhafte Helle in der Kammer . Hiezu kamen noch verschiedene Luftströmungen , die sich von mehreren Seiten bemerkbar machten und das Licht hin und her wehten , auch der Beleuchtung noch mehr Eintrag thaten , indem nun lange dunkle Schatten bald hierhin bald dorthin flogen . Herr Beil hatte seinen Kopf gegen die Wand gelegt , die Nase erhoben und schaute an das Dach empor , während er die Füße weit von sich abgestreckt hatte , und die gefalteten Hände auf seinen Knieen ruhen ließ . Der Lehrling dagegen saß vornüber gebeugt , hatte seine Ellbogen auf die Beine aufgestützt , betrachtete aufmerksam den Fußboden und stieß hie und da einen tiefen Seufzer aus . Herr Beil rauchte eine Papiercigarre , in deren Bereitung er sehr kunstfertig war . - » Aecht spanisch , « pflegte er zu sagen , » ich glaube wahrhaftig , ich habe etwas von dem Blute irgend eines Don Jose di Mendoza ben Calatravera Bajazzo in mir . « Heute Abend aber war er nicht zu Spässen aufgelegt , denn wenn der Lehrling häufig laut seufzte , so that der Commis nicht selten dergleichen leise . In dem Zimmer befand sich in dem Augenblick noch eine dritte Person ; das war eine alte Magd , die eben im Begriffe war , die wenigen Reste eines sehr spärlichen Abendessens abzuräumen . Bald war sie damit fertig , wünschte gute Nacht und verließ dann die Kammer , worauf es hier ganz still wurde . Man hörte nichts als zuweilen das Picken der silbernen Taschenuhr des Lehrlings , die auf dem Tische lag , und dann wieder das Sausen eines Windstoßes , der gegen die Dachziegel strich und ihnen durch diese unsanfte Bewegung einen eigenthümlichen Ton des Mißbehagens entlockte . » So ist denn Alles aus ! « ergriff nach einer längeren Pause der Lehrling das Wort , während er kummervoll sein Gesicht in die Höhe wandte , » Alles ! - Alles ! « » Für Sie nicht , junger Anfänger ! « entgegnete Herr Beil . » Was thut ' s auch , wenn ich morgen dies Haus verlasse ; Sie werden schon einen anderen Commis an die Seite bekommen , der Sie sogar wahrscheinlich viel weniger schuhriegeln wird als ich , der viel behaglicher und freundlicher ist . « » Möglich , möglich ! « » Sehen Sie , undankbares Krokodil , Sie finden das selbst