im Halstuche , sonst trug sie keinen Putz als ihr schönes braunes Haar . Der Kahlkopf blinzelte mit den Augen und sang : » Mein Schatz , um deinen weißen Hals Geht eine Schnur von Katzengold , Die führt an deinem Busam Teuf in dein falsches Herz ! « Judith erwiderte schnell » Damit Ihr meinen weißen Hals einmal vergeßt , will ich Euch auch ein Lied von etwas Weißem berichten ! « und sie sang nicht , sondern sagte einfach wohlklingend : » Es ist eine üble Zeit ! Luna , die weiland keusche Maid , Liebäugelt auf den Köpfen alter Sünder Am hellen Tag und höhnt uns arme Kinder . Schäm dich , Mondschein ! Ich tat das Fenster auf In dunkler Nacht und suchte Lunas Lauf ; Da glänzt ' sie frech an meines Hauses Schwelle , Wild goß ich Wasser auf die weiße Stelle . Schäm dich , Mondschein ! « Ihre Mutter war gestorben , auch hatte sie seither in einer ausländischen Lotterie mehrere tausend Gulden gewonnen , da sie aus langer Weile sich mit dergleichen Dingen befaßte . So schien sie nun mehr als je für schwere und leichte Schnapphähne ein guter Fang , und der Kahle glaubte sie , nachdem er verschiedene Anleihen bei ihr gemacht , welche sie ihm lachend gewährte , im Sturme nehmen zu können , ward aber ebenso lachend abgewiesen . Das obige Liedchen aber schien sogar auf ein schlimmes Abenteuer zu deuten , welches er auf seiner Freite bestanden . Denn mit einer ganz heillosen Diskretion sahen sich die drei übrigen an , mit funkelnden Augen und mühsam verhaltenem Munde , indem sie anfingen , halblaut zu summen : » Hm ! hm ! - hm ! hm ! hm ! hm ! hm ! hm ! - hm ! hm ! hm ! « Der Rhythmus dieses Gesummes war so verführerisch , daß ich mit einstimmte und eine stolze Glückseligkeit empfand , mit den Spöttern singen zu dürfen hm hm hm ! hm hm hm ! - es war still und feierlich in der nur noch schwach erleuchteten Stube , und mit feierlicher Behaglichkeit setzten wir die seltsamen Takte fort . Judith lachte hell auf und rief » O ihr Kindsköpfe ! « Da brachen wir laut aus » Ha ha ha ! - ha ha ha ! « Der Gehöhnte aber spähte umher , zog unversehens dem lautesten Spötter ein hervorguckendes Blatt aus der Kutte und las dessen Überschrift » Christliche Wochenbötin , ein konservatives Volksblättlein « . Der Spott entlud sich nun auf den Überraschten , dessen schwache Seite sein Konservatismus war , den er weder genugsam zu erklären noch zu verteidigen vermochte . Diese Benennung war erst seit einiger Zeit im Umlauf und fing einige Leute , welche vorher im Nebelhaften geschwebt . Der Kahle forderte den Konservativen auf , er solle einmal sagen , was er sich eigentlich darunter denke , wenn er behaupte , konservativ zu sein . Dieser wollte tun , als ob er hierüber keinen Spaß verstehe , und wünschte mit wichtigem Gesicht , nicht zu politisieren ! Doch ein anderer rief » Die Erklärung ist schon im Paradies zu suchen ! Als Adam den Tieren ihren Namen gab , war eines darunter , das wedelte gar bedächtig mit den Ohren und sagte , es sei konservativ ; es konnte aber keinen Grund hiefür angeben , und Adam sagt : Du sollst Esel heißen ! « Erbost rückte dieser nun mit seinem innersten und eigentlichen Grunde , der seine fixe Idee war , heraus und warf dem Radikalismus vor , daß er den Wein versäuert und verteuert hätte . Wenn man noch ein süßes und billiges Glas trinken wolle , so sei dieses einzig in den abgelegenen altväterischen Wirtschaften zu finden , wo die alten Zöpfe hinkröchen , sich vor der Welt zu verbergen . » Sauft « , schrie er , » den radikalen Rachenputzer eurer berühmten politischen Wirte ! Ich halt es mit den Zöpfen ! « Da allerdings etwas Wahres in diesem Vorwurfe lag , so entbrannten die drei übrigen ihrerseits im Zorne , schalten den Konservativen einen Verleumder und suchten ihm zu beweisen , daß er ohne den Radikalismus gar keinen Wein zu riechen bekäme , weder guten noch schlechten , daß er selbst als konservativer Parteibedienter völlig überflüssig wäre und von seinen Zöpfen den Schuh unter den Rücken erhielte statt des stärkenden Weinchens der Proselytenbelohnung . Dies führte zu einem hitzigen Gefechte , worin die Herren gegenseitig ihre Grundsätze , Tatsachen und Parteichefs heruntermachten , und das in Ausdrücken , Vergleichungen und Wendungen , Schlag auf Schlag , wie sie kein dramatischer Dichter für seine Volksszenen treffender und eigentümlicher erfinden könnte ; nicht einmal nachzuschreiben wären sie , so leicht und blitzähnlich entsprangen die Witze aus den Voraussetzungen , welche bald scharf zutreffend , bald böslich ersonnen , doch immer sich auf die Verhältnisse und Personen gründeten und zu immer neuen Gruppen verschlangen . Ein Leitartikel oder eine Rede wäre zwar aus diesem Turnier nicht zu schöpfen gewesen ; doch konnte man sehen , welch eine ganz vertrackte Kritik das Volk auf seine Weise führt und wie sehr sich derjenige trügt , welcher , von der Tribüne herunter zu zweifelhaften Zwecken das » biedere , gute Volk « anrufend , irgendein wohlwollendes und naives Pathos voraussetzt . Selbst Äußerlichkeiten , Angewöhnungen und körperliche Gebrechen , wurden in einen solchen Zusammenhang mit den Worten und Handlungen hervorragender Männer gebracht , daß die letzten nur eine notwendige Folge der ersten zu sein schienen und man glaubte , in den ungelehrten , aber phantasiereichen Volksherren die doktrinärsten Physiognomisten vor sich zu sehen . Mancher angesehene Mann ward hier zu einem lächerlichen oder unheimlichen Popanz umgeschaffen , daß er leibhaft zu sehen war , und selbst die Verteidigung desselben hätte etwas Demütigendes für ihn gehabt , wenn er sie gehört hätte . Wie in einer ganz anderen Welt war ich hier als bei dem Schulmeister ; und doch fühlte