sein höheres Ich , so wie Wasser und Erde seine Erzeuger sind . - Die Luft ist Vermittlerin zwischen dem göttlichen Liebesfeuer und dem jungen kindlichen Streben danach , küssen die Strahlen zu heiß , dann kühlt sie mit sanftem Wehen und erleichtert den verhaltnen Lebensatem ; wie doppelt schlägt das Herz , wenn ihr Strom rascher eindringt ! - - Wie ganz gibt sich ihr das Leben hin , wenn es von mächtigeren Regungen bewältigt wird . Ja , ihr allein vertraut es sich , wenn es von sich selber nicht mehr weiß , sie umlebt das erstorbene , bis Leben eindringt wieder , mächtiger und gewaltiger wie früher . So fühl ich deutlich , wenn mein Geist erstarrt war , es ist Genuß zwischen mir und der Gottheit , der mich weckt , die Luft , die mich nährt und erhält , ohne welche Geist erstorben wär , nie der Seele könnt Nahrung bringen von oben . - Ja alle Offenbarung ist die Geistesluft , die ihn durchatmet , ohne welche er nicht leben kann einen Augenblick , sondern müßt ersticken , und ob er schläft oder wacht , so atmet er doch immer den Genius , die Luft . - Ich bin so glücklich , Günderode , wenn ich hier auf den Bergen stehe und der Wind braust , daß er mich davontragen will , - dann muß ich lachen vor Mutwillen und denk , ob mich der Geist doch auch versucht zu heben und mit mir aufzufliegen . - Die Sonne hat einen heißen Schein , mit dem sie brennt , so hat der Geist auch ein heißes Licht , das brennt , wohin es leuchtet . So kam heut einer nach dem andern zum Beichtstuhl geschlichen in der Kirche , und der Pater , der Beicht saß , guckte mich an , ob ich nicht auch kommen wollt ? - Und aus Blödigkeit geh ich in den Beichtstuhl und beicht , daß ich mich immer verwundern müsse , warum die heiligen drei Könige das göttliche Kind nicht in ihren Schutz genommen haben , sondern haben es im Stall liegen lassen und wären doch überzeugt gewesen , es sei Gottes Sohn , da noch obendrein ein Stern sich am Firmament aufgemacht , um sie hin zu geleiten , sie hätten das Kind sollen mitnehmen in ihr Land . Und doch wären sie weiter gezogen , das käme mir nicht vor , als wenn sie heilig wären , sondern zerstreute Weltleute ; der Beichtvater sagte : » So ist der Weltlauf , sie haben ihre Geschäfte gehabt wie heutzutag auch . - Aber « , sagte er , » das braucht man nicht zu beichten , das sind Sünden wie für die Katz vom Tellerchen zusammengekratzt , da gibt Gott keinen roten Heller davor . - Da bet sie ein halb Vaterunser zur Buß , oder meinetwegen ein viertel . « - Und wie ich aus der Kirche kam in die frische Luft , da war ' s schon drei Uhr vorbei , die Sonne wollt schon bald untergehen . Da kam ich auf den Turm und besann mich , daß ich Dir wollt alles beichten , wie ich Eifersucht gegen Dich gehabt , und hatte Dir nicht wollen gönnen , daß Du mit mir zugleich bei ihm wärst , ich wollt ganz allein mit ihm sein . Aber jetzt bin ich dieser Sünde los , und im Denken teilt sich alles Böse wie Nebel vor den Augen , daß man sieht , es war nur Wahn ; alles , was nicht Großmut ist , das ist nur Wahn . Denn ich mein , der Dichter ist meine Sonne , so bist Du die Luft , die das Böse um mich her verweht und meinen Geist aufsteigen lehrt . Wie kann ich ohne Dich bestehen vor ihm ! - So mag wohl jeder Menschengeist von Elementen genährt werden , die einer dem andern sein muß , und merk Dir ' s , daß Du meine Luft bist , ohne die ich nicht aufatmen kann auch nur einmal . Bettine An die Günderode Dem Clemens hab ich geschrieben , einen langen Brief , und ihm auch von Dir gesagt , daß Du ihm gut bist , und daß ich Dir lange Briefe schreibe , auf die Du nur kurz oder auch wohl gar nicht antwortest . Ich hab ihm erzählt , ich spreche zu Dir , wie zum Widerhall , um mich zu fühlen , zu hören , und lege meinen Gedanken und Einbildungen keinen Zaum an ; und daß es sei , als ob ein guter Genius diese Briefe hervorbringe ; - so antwortet er : » Um deine Briefe ist die Günderode zu beneiden , wenn sie das sind , was dein Genius hervorbringt , wenn sie aber so wenig antwortet , so ist das gar wunderlich , entweder ist nichts zu antworten oder alles schon abgetan . « - Heute schreibt er mir den langen Brief über Dich , ich hab doch recht , er hat Dich lieb und hat Dich nicht wollen beleidigen , und seine Seelen alle sind doch nur eine gute , denn bist Du ein Kind , so ist er es auch zu Dir ; aber Kinder lassen sich nicht drauf ein , empfindlich zu sein , sie sind gleich wieder gut und lassen den Strom vom Ufer wegspülen die Spielzeuge , die sie einander zerbrochen haben , und erfinden sich neue , ergötzlichere . Lese den Brief nicht mit Vorurteilen und denk , daß es neckende Stimmen sind in ihm von Kobolden , die ihm oft selber einen Streich spielen , aber die Seele - die eine , gütige , die sie umschwärmen , die ist doch nur ein Kind wie Du , und was ein freier himmelanstrebender Geist nicht in noch höherem Sinn nimmt als er selber ist , das ist für ihn kleinlich , und was kleinlich ist , das muß man gar nicht annehmen , sonst lernt